Entkommen - Flüchtlinge im Libanon

 

Jungdesigner Eric Greven reiste für sein Bachelorprojekt in den Libanon um die Flüchtlingssituation vor Ort zu dokumentieren. Seine Beobachtungen hält er in einem Buch sowie einer Fotoserie fest.

Designabsolvent Eric Greven ist für sein Abschlussprojekt „Entkommen“ in den Libanon gereist, um die aktuelle Lebenssituation vor Ort zu erleben und zu dokumentieren. Dabei ging es insbesondere um Probleme von Flüchtlingen sowie Probleme mit Flüchtlingen im Libanon. Sein Projekt entstand im Rahmen einer Kooperation mit der Hilfsorganisation IN VIA, die ihm seine Reise finanziert hat. Als Gegenleistung hat Eric selbst vor Ort für IN VIA gearbeitet. Das dabei entstandene Bachelorprojekt basiert auf der Arbeit für IN VIA und seinen eigenen Eindrücken und Aufnahmen. Ziel der Arbeit war es, ein Gesamtbild der Flüchtlingssituation im Libanon zu erstellen. Ergebnis dieser Dokumentation ist pures Chaos und ein Paradebeispiel dafür, wie der Umgang mit Flüchtlingen schief gehen kann. Im Libanon leben ca. 4.5 Millionen Menschen und es wurden ca. 2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen - diese Zahlen stehen in keinerlei Relation mehr zueinander und das Land kann die Menge an Flüchtlingen nicht stemmen: „Ich weiß immer noch nicht ganz, was ich von der Situation vor Ort halten soll, ich bin mit meiner sehr liberalen und optimistischen Stimmung zu der Thematik hingereist und dachte ich würde darin gestärkt werden. Vor Ort musste ich dann jedoch feststellen, wie chaotisch es tatsächlich zugeht und wie die Handhabung dieser problematischen Situation scheitern kann. Das war für mich ein sehr unangenehmes und ernüchterndes Gefühl“, berichtet der Absolvent von seinen Erfahrungen.

Der Schwerpunkt seiner Dokumentation lag auf Flüchtlingen mit Flüchtlingshintergrund, wie beispielsweise Armeniern, die zunächst nach Syrien flüchten mussten, um dann erneut fliehen zu müssen. Erics Gesamteindruck ist, dass der Libanon eine solche Menge an Menschen nicht mit positiven Effekten aufnehmen kann. Daraus entstanden ist eine umfangreiche Präsentation des Jungdesigners, die er in einem eindrucksvollen Buch und einer ausdrucksstarken Fotoreihe festhält. Die Fotos sind auf Alu-Dibond aufgezogen und werden hinter Acrylglas präsentiert, so bleibt eine hohe Qualität und Langlebigkeit sichergestellt. Das Projekt ist weniger mit dem Ziel der Aufklärung entstanden, als mit der Intention des bloßen Aufzeigens und Dokumentierens einer Situation, die von vielen völlig falsch eingeschätzt wird. Neben Eindrücken von der Reise, verschiedenen Textteilen, Tagebucheinträgen, emotionalen Bildern, unveränderten Interviews und reinen Informationstexten, sind persönliche Geschichten von Schulkindern ein Teil der Gesamtpräsentation. Es zeigt sich deutlich, dass Eric seine Reise innerhalb und durch sein Projekt verarbeitet. Es ging ihm darum, zu nehmen was kommt, um so gut es geht zeigen zu können, wie die Realität aussieht. Erst wenn man tatsächlich Teil der Situation wird, sieht man das Ausmaß eines Problems und seiner Auswirkungen - genau das hat Eric Greven erlebt. An diesem lässt er die Betrachter teilnehmen und gewährt somit authentische und weitestgehend objektive Einblicke in ein Leben, welches uns trotz reicher Berichterstattung noch sehr fern ist.

 

 

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