Transitionals - zwischen Garamond und Bodoni

 

In ihrem experimentellen Semesterabschlussprojekt sucht Caroline Opheys die Schnittmenge von der humanistischen zur klassizistischen Schrift und findet Unerwartetes heraus.

Der Übergang von der Schreibfeder zur Computertastatur zog seine eigenen, jahrhundertelangen Entwicklungen mit sich. Zwischen dem alten, handschriftlichen Federduktus und den modernen, mit Zirkel konstruierten Druckschriften entstanden die Transitionals, Übergangsantiqua. Caroline Opheys, Bachelorstudierende am Fachbereich Gestaltung der FH Aachen hat sich nun experimentell mit den Gemeinsamkeiten zwischen den historischen und den zeitgenössischen Schriftarten beschäftigt. Dabei kam erstaunliches heraus: „Mit einem Desktopprogramm habe ich eine alte, humanistische Schriftart, die Garamond, mit einer klassizistischen, der Bodoni, gemorpht“, erklärt Caroline Opheys. Über Interpolation werden dabei neue Formen, alte Formen und Ursprungsformen zu einer komplett neuen Form in ihrer Schnittmenge kreiert. Was dabei heraus kam? In diesem Experiment ließ sich fest stellen, dass die dabei neu kreierte Schrift sich nur unmerklich von den klassischen Übergangsantiqua unterscheidet. „Ich musste dabei nicht einmal etwas an den Glyphenbreitenkontrasten ändern. Lediglich die Ränder habe ich ein wenig gesäubert“, so die junge Nachwuchsdesignerin „Die Konstrukteure, die im Übergang gearbeitet haben, wussten ja damals nicht, dass es später so klare, reine, einfache, stark kontrastive Formen geben würde. Und erst dachte ich, was wurde denn da gemacht?“, so Kai Oetzbach, betreuender Professor des Projektes. „Das ist ein erstaunliches und überraschendes Ergebnis, mit dem wohl niemand so gerechnet hätte“. Ein neuer Einblick in die Geschichte der Typographie.

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