Viamedia

 

Studentin der FH Aachen konzipiert Anwendung zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz bei Depressionen

Depression ist weltweit die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Allein in Deutschland sind circa vier Millionen Menschen davon betroffen. Doch die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt zur Zeit bis zu sechs Monate - Eine Überbrückungszeit, die für die Betroffenen verheerende Folgen haben kann. In ihrer Masterarbeit am Fachbereich Gestaltung der FH Aachen entwickelte Sarah Haaf daher eine Kombination aus Smartwatch und App mit wegweisendem Potential: Viamedia. „Die Patienten werden häufig mit der Diagnose allein gelassen“, erklärt die Produkt- und Kommunikationsdesign-Absolventin. „Mit Viamedia finden sie einen Begleiter im Alltag, den sie auch schon zur Vorarbeit auf die Therapie nutzen können.“

Die Kombination aus App und Wearable leitet den Nutzer an, die Achtsamkeit zu fördern und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen um herauszufinden, was ihm gut tut und was nicht. Für die Krankheit relevante Faktoren wie Bewegung, soziale Kontakte, Licht, Schlaf und Stress, und der Zusammenhang zwischen diesen Messparametern und der eigenen Stimmung werden analysiert. „Die Smartwatch misst durch Hautleitfähigkeit und Puls, wann ich gestresst bin. Sie kann allerdings nicht messen, ob ich Distress oder Eustress empfinde, also positiven oder unangenehmen Stress. Die Uhr fragt daher nach, wie ich mich fühle und die Ergebnisse werden auf der App gesammelt. Dort sehe ich dann Tageshöhepunkte und Tiefpunkte, von denen ich ableiten kann, was mir gut tut bzw. was ich in Zukunft meiden sollte.“ Die Reise zu sich selbst fungiert als Leitgedanke für die Gestaltung. Die Smartwatch ist der Kompass, der den Weg leitet, die App ist die Karte, die zeigt, welche Etappen auf dem Ziel zur Verbesserung der Stimmung noch zu meistern sind. 

Ist der Therapieplatz einmal gefunden, hilft die Anwendung dem Patienten und dem Therapeuten bei der Zusammenarbeit. Auf der Desktopanwendung können Höhe-und Tiefpunkte angeklickt werden und Hintergrundinfos dazu liefern, was wann von den Patienten erlebt und empfunden wurde. Die tagebuchartige Unterstützung sorgt somit für gemeinsame Reflexion und Transparenz.
Bei Benutzung der App werden Punkte vergeben, die Funktionen freischalten, welche mit dem Thema Depression zu tun haben. Dabei geht es explizit nicht darum, den Patienten das Gefühl zu vermitteln, in einem andauernden Höhepunkten leben zu müssen. „Daher der Name Viamedia“, erklärt Sarah Haaf, „Höhen und Tiefen sind Teil des Lebens. Das Ziel ist es, einen realistischen, gesunden Mittelweg zu finden.“

Als Plus kommen dazu Tagestipps: Wie auf Reisen vermitteln Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen ihr Wissen und ihre eigenen Tipps. Dadurch entsteht das Gefühl eines weltweiten Netzwerks und Bewusstsein dafür, mit der Erkrankung nicht alleine zu sein.  Somit bietet Viamedia eine wertvolle Hilfestellung zur reflektierten Selbsthilfe.

 

 

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