21 Nationen und ein Pizzalieferservice

21.08.15 | Von: Magdalena Kandzia | Foto: FH Aachen | Magdalena Kandzia

ROS Summer School an der FH Aachen |

Wenn Studierende aus 21 Nationen aufeinandertreffen, gibt es auf den ersten Blick nicht viel, was alle auf Anhieb verbindet. Doch Pizza mag wirklich jeder. Das allein ist aber natürlich nicht der Grund, warum es in der diesjährigen ROS Summer School um das Ausliefern der beliebten Speise geht. Im Vordergrund steht ROS, eine Middleware für den Bereich der autonomen mobilen Robotik.

"Das Konzept der diesjährigen Summer School ist gleich geblieben, wir haben die Rover aber weiterentwickelt, die Sensorik zum Beispiel wurde verbessert. Und es werden jedes Jahr mehr Teilnehmer", sagt Prof. Dr. Alexander Ferrein vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Wieder wird es darum gehen, Aufgaben zu lösen, die typisch für die autonome mobile Robotik sind. Die Rover sind mit Laserscannern ausgerüstet, so können sie sich in den eigens für die Summer School nachgebauten Straßen orientieren, Kreuzungen und Seitenstraßen erfassen und zielgerichtet "Häuser" anfahren. "Das ist wichtig, denn sie müssen die Pizza richtig zustellen", so Prof. Dr. Stephan Kallweit vom Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik. Die Aufgabe klingt erst einmal banal, ist aber sehr aufwendig und kompliziert. Die Studierenden müssen ihren Rover so programmieren, dass er sich selbst lokalisieren und sicher im Straßennetz bewegen kann, Hindernisse umfährt und das richtige Haus findet. "Das Robot Operating System (ROS) ist eine Middleware, also quasi ein Betriebssystem für Roboter", erklärt Prof. Kallweit, "dabei handelt es sich um eine Open Source Software, mit der weltweit gearbeitet wird. Das macht die ROS Summer School so zukunftsträchtig".

ROS wurde ursprünglich für den Bereich der Service-Robotik entwickelt. Doch während die Roboter noch damit kämpfen, eine Cola-Dose richtig zu greifen, findet die Software schon längst in anderen Bereichen Anwendung. In Katastrophengebieten können mit Wärmebildkameras ausgestattete Rover Verletzte finden. Auch fahrerlose Fahrzeuge wird es schon bald geben, "daran wird derzeit viel geforscht, in zehn Jahren werden wir die autonomen Autos auf den Straßen sehen, nicht nur google street cars", sagt Prof. Kallweit. In der Industrie werden autonome mobile Systeme immer wichtiger. "Im Moment sind Industrieroboter noch gefährliche Maschinen, da sie nicht auf Menschen reagieren", erklärt Prof. Kallweit. Doch das soll sich auch mit Hilfe des Robot Operating Systems ändern.

Derzeit sind es 71 Studierende aus Aachen, aber auch aus der ganzen Welt, darunter Pakistan, den USA, Australien, Südafrika, Indien und noch vielen anderen Nationen, die an der Summer School teilnehmen werden. "Wir hatten dieses Jahr über 100 Bewerber, leider konnten wir nicht alle annehmen", sagt Natalie Kanj, Sachgebietsleiterin des Akademischen Auslandsamtes (AAA). 40 der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Das AAA sorgt dann vor Ort für die internationalen Studierenden: "Durch eine Kooperation mit dem Studierendenwerk stehen uns 50 Zimmer zur Verfügung, die wir für unseren Besuch nutzen können. Nach dem offiziellen Programm der Summer School machen wir mit den Studierenden Stadtführungen, fahren zum Dreiländereck, nach Maastricht oder nach Köln. Das Schokoladenmuseum ist immer sehr beliebt", erzählt Nathalie Kanj. Auch die Tutorinnen und Tutoren der beiden beteiligten Fachbereiche helfen gerne mit und betreuen die Studierenden. "Das sind eine Menge Leute, die verpflegt werden müssen, daher bin ich auch dem Dezernat für Finanzen sehr dankbar, die sich um den Einkauf gekümmert haben", sagt Nathalie Kanj.

Veranstalter der ROS Summer School sind die Fachbereiche Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau und Mechatronik sowie das MASKOR Institut (Mobile Autonome Systeme und Kognitive Robotik), finanziell und organisatorisch unterstützen das Rektorat und das Akademische Auslandsamt.
Die Summer School fand von Montag, 10. August bis Freitag, 21. August in der Eupener Straße 70, 52066 Aachen, statt.

x