Zukunftswerkstatt für ein digitales Aachen

Stadt Aachen eröffnet „Oecher Lab“

Der Rektor der FH Aachen, Prof. Dr. Marcus Baumann und der Rektor der RWTH Aachen, Prof. Dr. Ulrich Rüdiger im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin Sybille Keupen bei der Eröffnung des "OecherLab".

Der Rektor der FH Aachen, Prof. Dr. Marcus Baumann (rechts), und der Rektor der RWTH Aachen, Prof. Dr. Ulrich Rüdiger (links), im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen bei der Eröffnung des "OecherLab". Foto: Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Am 25. März eröffnete die Stadt Aachen das OecherLab am Kapuzinergraben, um dort gemeinsam mit Aachener:innen, Innovationstreibenden, den Aachener Hochschulen sowie Vertreter:innen aus Wirtschaft und Politik Antworten auf die urbanen Herausforderungen einer digitalen Zukunft zu finden. Wissenschaft und Digitalisierung sollen hier in zentraler Innenstadtlage für alle Oecher:innen erleb- und gestaltbar werden. Niederschwellige Angebote laden ein, Konzepte und Prototypen kennenzulernen, auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Im OecherLab sollen Visionen, Ziele und Projekte für das digitale Aachen von morgen entworfen, erprobt und mit einer Smart City-Strategie verbunden werden.

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen, Sibylle Keupen, betonte, das neue OecherLab sei ein wichtiger Zukunftsraum. Es gehe darum, die Innovation der exzellenten Hochschulen „in der Stadtgesellschaft zu erden“. Die Bedürfnisse der Bürger:innen müssten in die Aktivitäten in Forschung und Entwicklung einbezogen werden. Sie sagte, das OecherLab solle zugleich aber Lust auf Forschung machen: „Es geht um das praktische Ausprobieren.“

Die Rektoren der beiden großen Aachener Hochschulen, Prof. Dr. Ulrich Rüdiger (RWTH) und Prof. Dr. Marcus Baumann (FH), bekräftigten, es gehe darum, die Wissenschaft in der Gesellschaft zu verankern. „Wir wollen Wissen schaffen und Wirksamkeit in der Gesellschaft entfalten“, meinte Prof. Rüdiger. Prof. Baumann sagte, das OecherLab gebe den Hochschulen die Möglichkeit, „unsere Aktivitäten verständlich darzustellen und Akzeptanz zu schaffen“. Gemeinsam mit den Bürger:innen sowie den Unternehmen gelte es, Netzwerke zu knüpfen und Mehrwert zu schaffen. Baumann froh: „Es ist schön zu sehen, dass die Hochschulen endlich mitten in Aachen ankommen.“

Prof. Dr. Thomas Ritz, Leiter des Mobile Media & Communication Labs der FH Aachen, erläuterte in seinem Impulsvortrag, die Digitalisierung ermögliche ein schnelleres und effizienteres Arbeiten in Forschung und Entwicklung. „Das ist ein dramatischer Unterschied in der Herangehensweise“, sagte er, „durch mehr Transparenz und bessere Informationen können wir schneller auf neue Wünsche und Anforderungen reagieren.“ Viele der momentanen Veränderungen würden im laufenden Transformationsprozess Unsicherheit erwecken. Prof. Ritz versteht „Innovation als ein Kulturprodukt.“ Der Dekan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen fährt fort: „Unser Ziel ist es, Menschlichkeit in diese Innovation hineinzubringen“ erläutert der Dekan des FH Aachen Fachbereiches Elektrotechnik und Informationstechnik. Dabei sei: „Veränderung ein Wert an sich und nicht einfach das Ergebnis falschen vorherigen Denkens. Wir müssen die Bürger:innen auf der Innovationsreise mitnehmen, so entstehen Begegnungsstätten verschiedener Denkrichtungen im interdisziplinären Diskurs“, so Prof. Ritz weiter. Aachen hat die Chance zu einem „riesigen Innovationsstandort.“

Eine der zehn „digitalsten“ Städte Deutschlands

Aachen hat sich in den vergangenen Jahren mit exzellenten, digitalen Entwicklungen an den Aachener Hochschulen, einem überdurchschnittlichen Anteil an IT-Firmen, mit rund 200 smarten Startups im „digiHUB“ an der Jülicher Straße und als digitale Modellregion des Landes Nordrhein-Westfalen zu einer der zehn „digitalsten“ Städte Deutschlands entwickelt. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Gesamtgesellschaft. „Wir stehen vor neuen Entscheidungen darüber, wo und wie wir einkaufen, uns fortbewegen, arbeiten, lernen und die Gesundheit erhalten werden. Für die Entwicklung von zukunftsfähigen Ideen, Konzepten und Projekten sind die Stadt und insbesondere die lokalen Innovationstreiber:innen jedoch auf die Einbindung aller Bürger:innen angewiesen“, sagt Dieter Begaß, Leiter des städtischen Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalisierung und Europa. Und weiter: „Es sind die Bedürfnisse der in der Stadt lebenden Menschen, die über die Durchsetzungsfähigkeit von potentiellen Lösungen für eine intelligente Stadt der Zukunft entscheiden. Das OecherLab gibt ihnen und uns den Raum, dies zu erleben und für Aachen passgenau weiterzuentwickeln“.

Ausstellungen, Informationen, Veranstaltungen, Diskussionen

Auf rund 200 m² bietet das OecherLab ab kommenden Donnerstag (1. April 2021) niedrigschwellig Ausstellungen und Informationen sowie Veranstaltungen und Diskussionen zu relevanten Themen unserer Zeit an. Beteiligt sind die RWTH Aachen und die FH Aachen sowie verschiedene Institute und Unternehmen. Auch Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen wird hier in Kürze vor Ort ihre Bürger:innensprechstunden starten. Der städtische Fachbereich Bürger:innendialog und Verwaltungsleitung ist mit einem eigenen Angebot vertreten. Weitere Gäste sind herzlich eingeladen, so wird zum Beispiel die Stadtwerkstatt des Institutes für Städtebau der RWTH Aachen mit ihrem Fokus auf zukunftsfähige Quartiere bald das OecherLab ergänzen.

Neue Konzepte der Partizipation

Dieter Begaß erklärt: „Eine Smart City bedeutet Inklusion und Teilhabe. Was es noch für Aachen bedeuten kann, das möchte das OecherLab gemeinsam mit der Stadtgesellschaft entwickeln. So stehen neue Konzepte der Partizipation im Mittelpunkt des Projektes, etwa ein intelligenter Spieltisch, der in einem Szenario die Innenstadt beleuchtet, um konkrete Meinungen, Ideen und Wünsche der Bürger:innen abzuholen. Und alle interessierten Aachener:innener halten hier am Kapuzinergraben die Möglichkeit, die Räumlichkeiten zu nutzen, etwa um vor Ort „Co-Working“ zu erproben oder um an verschiedenen Dialogformaten und Bürgerprojekten teilzunehmen“.

Der erste Zukunftsraum

Thema des ersten Zukunftsraums ist ab dem 25. März die „Smart City“. Relevante Themen sind unter anderem intelligente Mobilität, neuen Arbeitswelten und die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Annika Nube, Projektleiterin des OecherLabs: „So wird neben vielen weiteren innovativen Entwicklungen zum Beispiel TEMI, ein „Home Care Roboter“ vorgestellt, der im Rahmen des Forschungsprojektes AIDA von DocsinClouds gemeinsam mit dem UKA in zwei Pflegeeinrichtungen und der Klinik für Altersmedizin des UKA installiert wurde. Darüber hinaus gibt es einen Einblick in Entwicklungen von Mobilität via Flugsystemen, die aktuell bereits in der Region erforscht werden. Im Laufe der Zeit werden immer wieder neue Exponate zu verschiedenen Themenschwerpunkten vorgestellt. Darüber hinaus sind alle Bürger:innen eingeladen, uns mitzuteilen, welche Bereiche einer digitalen Stadt für sie besonders interessant sind. Die Ergebnisse werden gesammelt und dienen der Bespielung eines weiteren Zukunftsraumes, welcher als „Wildcard“ noch inhaltlich zu bestimmen ist.

Nähere Informationen erteilen Annika Nube (annika.nube@mail.aachen.de, Tel.:0241/432-7607) und Nina Schmidt (nina.schmidt@mail.aachen.de, Tel.:0241/432-7665) vom Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalisierung und Europa der Stadt Aachen.