Ideen für die Hochschulen von morgen

Kongress diskutiert Kernelemente eines zukunftsfähigen Hochschulsystems

Wie steuern wir Hochschulen? Wie organisieren wir Forschung und Lehre? Wie koordinieren wir das Hochschulsystem? Was lernen wir aus den unterschiedlichen Modellen der einzelnen Bundesländer? Um diese Fragen ging es bei dem Kongress für Hochschulinnovation, zu dem das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, die Heinz Nixdorf Stiftung und der Stifterverband eingeladen hatten.
Einer der Gäste war Prof. Dr. Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen und Vorsitzender der Landesrektor_innenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften NRW. Er betonte: "Gerade jetzt werden entscheidende Weichenstellungen für die Hochschulentwicklung der Zukunft getroffen. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus Politik, Stiftungen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen hat neue Wege aufgezeigt und verdeutlicht, welche Faktoren die Diskussion derzeit prägen." Als Beispiele nannte er die Auswirkungen der Corona-Krise und die Digitalisierung der Lehre, aber auch neue Hochschulgesetze, Exzellenzwettbewerbe, die gestiegene Bedeutung der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) sowie die anstehende Bundestagswahl.
Teil des Kongresses waren auch Gesprächsforen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, und Dr. Georg Schütte, Generalsekretär der Volkswagen Stiftung, diskutierte Prof. Baumann über das Thema "Die Zukunft der Forschungsförderung – zwischen Anwendungsorientierung und Spitzenforschung?". Das Gespräch drehte sich um die Frage, wie die Gesellschaft Zukunftsthemen identifizieren und Anreize für die Forschung setzen kann. Es gehe darum, die Risikobereitschaft und Geschwindigkeit in der Forschungsförderung zu erhöhen. Prof. Baumann betonte, Forschung und Entwicklung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sei ein wichtiger Bestandteil in der Innovationskette bei der Realisierung von anwendbaren Verfahren und neuen Produkten in allen Bereichen der Gesellschaft. Am Anfang der Innovationskette seien Forscherinnen und Forscher – in erster Linie an klassischen Universitäten – in der Grundlagenforschung zur Gewinnung neuer Erkenntnisse gefragt. Bei den darauf basierenden Applikationsüberlegungen kämen die Hochschulen für angewandte Wissenschaften und technische Universitäten ins Spiel. Schlussendlich wären die HAWen in Kooperation mit kleinen Unternehmen und denen des Mittelstands in der Region aktiv, anwendbare Produkte und Verfahren zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Er begrüßte, dass in Deutschland die Grundlagenforschung über die DFG und die Exzellenzinitiative bestens finanziert würde, kritisierte aber den Flaschenhals aufgrund unzureichender Fördermöglichkeiten am Ende der Innovationskette. Dieser verhindere, dass exzellente Innovationen zum Nutzen der Gesellschaft realisiert werden könnten. Er warb dafür, analog dem Modell der DFG eine Einrichtung einzurichten, die ähnlich wie das Beispiel der Innosuisse in der Schweiz Innovationsvorhaben direkt finanziere. Damit könnte ein wesentlicher Beitrag zur Standortsicherung in Deutschland geleistet werden.
Moderiert wurde das Forum von Dr. Jeanne Rubner, Redaktionsleiterin "Wissen und Bildung aktuell" beim Bayerischen Rundfunk.