BMU-XML

Das Papierverfahren

An dem Verfahren sind folgende Akteure beteiligt (mit * gekennzeichnete können auch mehrfach auftreten):

  • Erzeuger (ERZ)
  • Beförderer (BEF) *
  • Zwischenlager (ZWL)
  • Entsorger (ENT)
  • Behörde (BEH) *

Es gibt 3 gelayerte [1] Dokumentenarten [2]:

  • Entsorgungsnachweis (ENSN)
  • Begleitschein (BGS)
  • Übernahmeschein (UNS)

Bevor ein Transport überhaupt stattfinden darf, muss der ENSN folgenden Weg gehen: ENT → ERZ → BEH. Im Anschluss begleitet der BGS den Abfall dann während der gesamten Transportkette. Im einfachsten Fall: ERZ → BEF → ENT( → BEH...). Hier muss bei jeder Übernahme ein zusätzlicher UNS ausgefüllt werden (Abgeber → Annehmer). Jeder Akteur muss dabei eine bestätigende Unterschrift leisten. Folglich entsteht ein neuer Durchschlag und der Dokumentstapel wird dicker. Dies endet leicht in einer regelrechten Papierflut.

Elektronisches Abfallnachweisverfahren

Als deutsches Pilotprojekt für e-Governement hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit XML-Schemata herausgegeben, die das bisherige Papierverfahren ablösen sollen. Analog zum Papierverfahren soll dabei der vorherige Stand des Dokuments erhalten bleiben (historisiert) und nur die neuesten Informationen im neuen Layer [1] abgelegt werden. Die händische Unterschrift wird dabei durch eine digitale Signatur [3] ersetzt, die genauso rechtskräftig ist.

Konkrete Implementation

Anhand der Schemata wurde eine Bibliothek (BMU-XML) erstellt, die das Lesen, Erstellen und Modifizieren dieser Dokumente erleichtert. Diese wurde in C# 3.5 geschrieben und benutzt als Grundlage ein Framework zur Generierung von C#-Klassen aus den Schemata: LinqToXSD. Das Wesentliche ist die Erzeugung einer Sicht, bei der alle Layer (Schichten) wie ein Folienstapel übereinander gelegt werden und das Auflegen eines neuen Layers, der dann nur die relevanten, hinzugekommenen Informationen enthält. Dabei können neben den entstandenen Dokumenten, auch Dokumente von Dritten, auf Schemakonformität überprüft werden. Darüber hinaus ist diese .NET-Bibliothek mit jeder .NET-Sprache zu verwenden und mittels Mono nicht nur unter Windows, sondern auch unter Linux/MacOS lauffähig. 
        
Die Bibliothek wurde im Zusammenhang mit dem vom BMBF geförderten Projekt "HiX for AGWS" auf der Basis vielfältiger Anregung des Projektpartners Waagenbau Dohmen GmbH entwickelt, welcher BMU-XML aktuell bereits in sein Produkt-Portfolio integriert hat und so das elektronische Nachweisverfahren vollständig automatisieren konnte.

Mittlerweile ist das zugehörige Projekt unter BSD-Lizenz auf SourceForge veröffentlicht: BMU-XML.

Fazit

Historisierende XML-Dokumente erleichtern die Automatisierung und die Kommunikation verschiedener Parteien. Zu dem ermöglichen sie Plattformunabhängigkeit und sind nicht an eine konkrete Programmiersprache gebunden. Als Grundlage für weitere Projekte im e-Governement (und darüber hinaus!) ist diese Technologie durchaus geeignet.

Fußnote

 

  1. Layer: Eine Schicht des Dokuments, entspricht einem Durchschlag im Papierverfahren.
  2. Dokumentarten: Im Papierverfahren waren es nur diese 3, mit dem elektronischen Format gibt es mehr als 20 Dokumentarten, der Übersicht halber wurden nur die wesentlichen genannt.
  3. Digitale Signatur: Gemäß dem deutschen Signaturgesetz. Die hier verwende entspricht dem XAdES-Standard.



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