Felix Doepke, Wirtschaftsingenieur (B.Sc.)

© FH Aachen

Mein Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen hat mich in vielerlei Weise bereichert und auf die kommenden Jahre vorbereitet. Als einer der Studenten des ersten Jahrgangs war ich anfangs etwas skeptisch, ob der Studiengang schon genügend ausgereift sei. Diese Skepsis sollte aber vollkommen unbegründet sein. Im Gegenteil: Die Professoren wussten um unsere Situation und betreuten die Studenten nur umso intensiver. Ich glaube, dass einer der größten Vorteile des Studiengangs die vergleichsweise kleinen Kurse sind. So waren Vorlesungen oft sehr interaktiv, was die Motivation ungemein steigerte. Die ersten Semester waren besonders hart, weil es so viele Grundlagen zu erlernen galt. Später wurde das Studium aber immer praxisbezogener und die Mathe I Klausur als gemeisterte Hürde gefeiert.

Am Wirtschaftsingenieurwesen gefiel mir die Schnittstellenfunktion zwischen Maschinenbau und BWL, welche sich über alle Semester hinweg erstreckte. Wenn man von einer Vorlesung in Mathematik zu einer in Marketing geht, ist das nicht nur ein anderes Fach, sondern auch ein anderer Fachbereich mit anderen Kommilitonen und eine etwas andere Welt. Mich persönlich zog es dann aber noch weiter hinaus und so verbrachte ich zwei Semester in Shanghai. Der Kulturschock bei der Ankunft an der Tongji University war groß und ich dachte in den ersten Wochen oft daran abzubrechen. Mit der Zeit überkam ich aber die Hürden wie Sprache und Kulturunterschiede immer mehr. Auch die andauernde Unterstützung von Herrn Prof. Reichert und Schulte-Zurhausen machte den Aufenthalt zum Erfolg. Zum Schluss war es vor allem der tolle internationale Freundeskreis mit dem ich so viel erlebt habe und niemals missen möchte. Die gleichen Probleme zu haben schweißt zusammen und eine Wanderung in den Ausläufern des Himalaya ebenso. Vor allem wenn man sich mit den Einwohnern per gebrochenem Chinesisch und Handzeichen unterhält!

So habe ich während meines Studiums an der FH vor allem eine professionelle Arbeitsweise und Wissen aus zwei völlig verschiedenen Arbeitswelten erlangt. Das kann anstrengend sein, ist aber aus meiner Sicht sehr bereichernd. An der Tongji und während der anschließenden Bachelorarbeit bei einem deutschen Unternehmen in Shanghai habe ich vor allem gelernt in einem internationalen Umfeld zu arbeiten. Da bekommen Wörter wie Kulturschock und Globalisierung eine völlig neue Bedeutung. Belohnt wurde das alles außerdem mit einem Doppelabschluss der FH Aachen und Tongji University.

Mit diesem Doppelbachelor wurde ich dann an einigen Unis angenommen und entschied mich schließlich für einen Master in Supply Chain Management an der Brunel University London. Aus meiner Sicht ist das ein großartiges Feld um Wissen aus dem Wirtschaftsingenieurwesen einzubringen: Wie stellt man z.B. die richtige Qualität seiner Produkte bei einem internationalen Lieferantennetzwerk sicher? Kann uns additive Fertigung einen Vorteil verschaffen?

Jetzt arbeite ich seit zwei Jahren in der norwegischen Niederlassung einer der größten Firmenberatungen der Welt und spezialisiere mich auf „Operations Strategy“. Als Wirtschaftsingenieur ist man dafür sozusagen wie gemacht. Viele Kunden fragen sich, wie Technik ihre Firmen und Strategie verändern wird und an genau dieser Schnittstelle sind wir ausgebildet. So habe ich mittlerweile z.B. die Supply Chain einer Telefongesellschaft mitgestaltet und reise momentan auf Bohrinseln, um auf hoher See Prozesse zu optimieren. Immer wieder merke ich dabei einen entscheidenden Vorteil, den ich aus Aachen mitbringe: Dort lernen wir wirtschaftlich zu denken und gleichzeitig die Sprache der Ingenieure zu sprechen. Wer sich vorstellen kann, nach ein paar Tagen im Büro auch mal Schutzbekleidung anzuziehen und die Produktion in der Fabrik zu verbessern, dem kann ich Wirtschaftsingenieurwesen nur empfehlen!

 

 

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