Agathe Odinius verabschiedet sich in den Ruhestand

Ob „wandelndes Lexikon“, „Fels in der Brandung“ oder „gute Seele“, für Agathe Odinius gibt es viele Bezeichnungen. Sie alle sind Ausdruck einer Wertschätzung, wie man sie selten erlebt. Nach 45 Jahren verabschiedet sich Agathe Odinius nun vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in den Ruhestand. Mit ihr geht nicht nur eine Ära zu Ende, der Fachbereich verliert auch eine kompetente und immer hilfsbereite Mitarbeiterin, die stets ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen der Studierenden hatte. Mit ihrer zugewandten, geduldigen und verständnisvollen Art fand sie immer eine gute Lösung für die Belange der Studierenden, aber auch den Professorinnen und Professoren und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs stand sie mit Rat und Tat zur Seite. Auch bei der Entwicklung des Fachbereichs von einst 500 Studierenden zum nun größten Fachbereich der FH Aachen mit knapp 2.400 Studierenden war sie dabei und unterstützte diesen Prozess tatkräftig. Dass sie selbst ihr BWL-Studium am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften absolvierte, wissen nicht viele. Im Interview erzählt sie von ihrer Zeit am Fachbereich.

Wann haben Sie angefangen, BWL zu studieren?

1972 habe ich mit meinem Studium angefangen und gehörte zu einer der ersten Studierenden. Damals war der Fachbereich noch in einer ehemaligen Printenfabrik in der Rochusstraße beheimatet. Er war erst kurz vorher gegründet worden und die Zahl der Studierenden und der Lehrenden war noch sehr klein. Außer einer Sekretärin gab es keine Mitarbeiter.

Wieso haben Sie sich für das BWL-Studium an der FH Aachen entschieden?

Ich habe schon als Jugendliche im elterlichen Geschäft beim Schreiben der Rechnungen, bei Bankgeschäften und bei Verhandlungen mit Lieferanten mitgeholfen. Der Besuch der Höheren Handelsschule und das anschließende praxisorientierte BWL-Studium lagen daher nahe und waren eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.

Was hat Ihnen im Studium besonders viel Spaß gemacht und was nicht so sehr?

Viel Spaß gemacht hat mir alles, was mit „Menschen“ zu tun hatte, deshalb waren meine Schwerpunkte Personal und Organisation und Beschaffung/Produktion. Aber auch der Kontakt zu meinen Kommilitonen hat gut funktioniert. Ich konnte immer schon gut zuhören und auch meinen Kommilitonen helfen, ihr Studium gut in den Griff zu bekommen. Mathematik gehörte sicher nicht zu meinen Stärken. Ohne meinen privaten Nachhilfelehrer, mit dem ich seit mittlerweile 43 Jahre verheiratet bin, hätte ich diese Klippe nicht so gut umschiffen können.

Ist Ihnen das Studium leicht gefallen?

Ja, das hat gut geklappt. Ich bin sogar noch unter der Regelstudienzeit fertig geworden. Gerne wäre ich damals noch ins Ausland gegangen, aber dafür gab es leider keine Möglichkeit, da die Strukturen fehlten. So gab es keine Kontakte zu Hochschulen ins Ausland bzw. Partnerhochschulen, wie wir das heute haben.

Wie sah Ihr Berufseinstieg aus?

Ich habe schon recht bald nach Studienbeginn mit einer Tätigkeit als studentische Hilfskraft begonnen. Der damalige Dekan beauftragte mich, die Fachbereichssekretärin zu unterstützen. Das und noch viel mehr habe ich dann gemacht, so dass ich 1975 als Mitarbeiterin übernommen wurde. Als 1976 meine Tochter geboren wurde, habe ich meine Stunden reduziert, da es noch nicht die Möglichkeit gab, Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Bei diesem Umfang ist es viele Jahre geblieben.

Welche Aufgaben hatten Sie?

Als ich angefangen habe, gab es überhaupt keine Strukturen in der Fachbereichsverwaltung. Zu meinen ersten Tätigkeiten gehörten der Aufbau des Prüfungssekretariates und der Aufbau der Studienberatung. Später kamen dann andere Dinge dazu, wie beispielsweise das Orientierungsprogramm für neue Studierende mit all seinen Facetten, das Seminar Zeitmanagement im Studium, die jährliche Absolventenfeier im Krönungssaal, die Präsentation unseres Fachbereichs beim Hochschulinformationstag, die Durchführung der Evaluation am Fachbereich. Außerdem war ich lange Jahre Mitglied in der Kommission für Studium und Lehre an der FH Aachen und durfte das Projekt Talentscouting an der FH Aachen anstoßen.

Sie blicken auf 45 Jahre am Fachbereich zurück. An welche Momente erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Studierenden, aber auch mit Mitarbeitern und Professoren, die froh über meinen Rat waren und sich oft von mir verabschiedet haben mit den Worten „Sie haben mir sehr geholfen, jetzt weiß ich, was ich tun muss.“. Das habe ich immer als besonders schön empfunden. Mir hat die Arbeit über die ganzen Jahre hinweg immer Spaß gemacht und ich hatte immer Vorgesetzte und Kollegen, von denen ich mich wertgeschätzt gefühlt habe und die Vertrauen zu mir hatten.

Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Die Studierenden und alle meine Kollegen.

Wie werden Sie Ihren Ruhestand verbringen?

So ganz genau weiß ich das noch nicht, denn viel Zeit zum Planen hatte ich noch nicht. Ich werde ganz sicher mehr für meine Familie da sein, unseren Garten genießen, das eine oder andere Hobby wieder aufgreifen und vor allem mein Fahrrad mehr nutzen, als ich das bisher konnte. 

Im Namen des Dekanats, der Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lehrbeauftragten und Studierenden wünschen wir Frau Odinius von Herzen alles Gute!

Interview: Verena Vierhaus 

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