Definitionen von Behinderungen



Folgende Übersicht über die verschiedenen Formen von Behinderung sind der „Handreichung für Lehrende und Beschäftigte der TH Köln – Studieren mit Beeinträchtigung“ mit freundlicher Genehmigung entnommen worden. Wir möchten Sie daher auch auf die Website der TH Köln „Studieren mit Beeinträchtigung, chronischer oder psychischer Erkrankung“ verweisen, die eine Vielzahl an Informationen für Interessierte und Betroffene zur Verfügung stellt.


 

Im Folgenden finden Sie Informationen über verschiedene Beeinträchtigungen und chronische Erkrankungen. Im ersten Teil sind die sichtbaren Beeinträchtigungen, im zweiten die nicht sichtbaren beschrieben.

Grundlage dafür, dass zum Beispiel auch Teilleistungsstörungen, psychische und chronische Erkrankungen unter den Begriff der Behinderung gefasst werden, sind die Definitionen nach UN-Behindertenrechtskonvention und Sozialgesetzbuch 9. Buch.


Sichtbare Beeinträchtigungen

Zu den sichtbaren Beeinträchtigungen zählen Körperbehinderungen, Seh- und Hörbehinderungen. Zuerst werden jeweils einige grundlegende Informationen zu den Beeinträchtigungen gegeben. Anschließend sind Tipps zum Verhalten im Hochschulalltag zusammengestellt.

Körperbehinderung

Studierende mit einer körperlichen Behinderung können in ihrer Mobilität eingeschränkt sein, d. h. sie sind auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen. Eine Körperbehinderung kann auch eine Bewegungseinschränkung der Arme oder die Amputation einer Gliedmaße bedeuten.

Nicht zu vergessen sind auch Organschäden, die zwar erst einmal nicht sichtbar sind, die aber auch große körperliche Einschränkungen zur Folge haben können. So kann es Studierenden mit Herzproblemen beispielsweise nicht möglich sein, zum Hörsaal im zweiten Stock zu gelangen, wenn der Aufzug außer Betrieb ist, oder an einer Exkursion teilzunehmen.

Für Studierende mit einer körperlichen Beeinträchtigung ist der (Studien-)Alltag oft mit einem erhöhten Kraft- und Zeitaufwand verbunden. Der Erschöpfungszustand ist meist schneller erreicht und es werden häufiger Pausen erforderlich. In manchen Fällen ist auch eine Pflegeperson, zum Beispiel für Toilettengänge, notwendig.

Um die wenige Zeit, die nach Arzt- und Therapieterminen übrig bleibt, optimal nutzen zu können, müssen die Studierenden bestens organisiert sein. Viele Studierende haben eine Studienassistenz, die sie im Studienalltag unterstützt. Folglich sind die Studierenden auf einen Platz im Hörsaal angewiesen, an dem auch die Studienassistenz sitzen kann und bei dem es generell mehr Platz gibt (z. B. für einen Rollstuhl oder Gehhilfen).

Blindheit und Sehbehinderung

Es gibt viele Formen der Sehbehinderung, die sich in Ursache, Verlauf und Grad der Sehbeeinträchtigung unterscheiden. Gemeinsam ist ihnen, dass man sie in den meisten Fällen nicht auf den ersten Blick erkennen kann. Auch bei der Blindheit gibt es große Unterschiede, d.h. blind bedeutet nicht immer vollblind. So kann es sein, dass ein Blinder noch zwischen hell und dunkel unterscheiden kann oder sogar über eine schemenhafte Wahrnehmung verfügt. 

Die Sehfähigkeit ist auch von äußeren Faktoren wie den Lichtverhältnissen abhängig. Dabei bedeutet helles Licht nicht immer besseres Sehvermögen. Jemand, der sehr blendempfindlich ist, kann bei gedämpftem Licht besser sehen. Zusätzlich spielen auch Farbe und Kontrast eine große Rolle.

Um mehr erkennen zu können, muss die Schrift auch nicht immer zwangsläufig sehr groß sein, denn jemand mit einem Tunnelblick kommt mit kleiner Schrift besser zurecht. Nicht zuletzt haben auch immer die Situation und die Tagesform einen Einfluss darauf, wieviel ein Sehbehinderter erkennen kann. So sollten Sie sich nicht auf den Arm genommen fühlen, wenn jemand mit seinem Blindenstock zur Lehrveranstaltung erscheint und dann in einem Buch liest.

Die Erklärung dafür könnte nämlich ganz einfach sein: Die/der Studierende hat ein stark eingeschränktes Sichtfeld, das sie/ihn gerade an einem regnerischen Tag daran hindert, den Weg durch den dichten Verkehr zu finden. Der Hörsaal ist jedoch gut beleuchtet und dank kleiner Schrift kann sie/er ihren/seinen Text lesen.

Bei blinden Studierenden kann es hilfreich sein zu wissen, ob die/der Studierende von Geburt an blind oder später erblindet ist. Besonders bei Beschreibungen ist es leichter etwas zu vermitteln, wenn die/der Studierende einmal sehen konnte und man darauf zurückgreifen kann.

Für Sehende ist manchmal die Gestik, Mimik, Kopf- und Körperhaltung von blinden bzw. sehbehinderten Studierenden gewöhnungsbedürftig. Dies kann daran liegen, dass zum Beispiel bei Gesichtsfeldausfällen die/ der Studierende den Kopf weiter weg drehen muss, um etwas sehen zu können. Auf Sehende kann das so wirken, als ob die/der Studierende einen gar nicht ansehen will.

Gestik und Körperhaltung lernen und übernehmen wir von anderen. Ist aber die Sehfähigkeit eingeschränkt, können Gestik und Körperhaltung weniger stark ausgeprägt sein. Bei manchen Blinden kann der Tag-Nacht-Rhythmus aufgrund der fehlenden Helligkeitswahrnehmung gestört sein. Dies kann Müdigkeit zur Folge haben.

Insgesamt erfordert der Studienalltag von Sehbehinderten einen höheren Zeitaufwand, um zum Beispiel Literatur zu bearbeiten, und mehr Konzentration, da Informationen nicht oder nur eingeschränkt visuell aufgenommen werden können.

Gehörlosigkeit und Hörbehinderung

Ob jemand eine Hörbehinderung hat oder sogar gehörlos ist, wird oftmals erst später deutlich. So kann es vorkommen, dass eine Hörbehinderte/ein Hörbehinderter auf Hörende anfangs unhöflich wirkt, wenn zum Beispiel ein Gruß nicht erwidert wird, weil sie/er nicht gehört hat, dass sie/er angesprochen wurde.

Ähnlich wie bei einer Sehbehinderung spielt auch bei einer Hörbehinderung der Eintrittszeitpunkt der Beeinträchtigung eine wichtige Rolle. Bei einer sehr frühen Ertaubung können die Artikulation und das Sprachverständnis verändert sein. Ist jemand von Geburt an gehörlos, ist die Gebärdensprache die Muttersprache. Die Schriftsprache ist dann eine Fremdsprache. Da sich die Grammatik der Gebärdensprache grundlegend von der der Lautsprache unterscheidet, sind Schwierigkeiten in der Schriftsprache, wie zum Beispiel Grammatik und Rechtschreibung, keine Seltenheit.

Die Lautstärke, in der man spricht, ist nicht alleine ausschlaggebend für eine Verständigung, sondern auch die Tonlage. Je nach Hörbehinderung ist ein Hörgerät nicht immer geeignet, um die Beeinträchtigung auszugleichen. Selbst wenn ein Hörgerät getragen wird, sind damit nicht alle Probleme gelöst. Gerade in einer Menschengruppe ist es nicht möglich, das Gesprochene einzelner Personen herauszufiltern, denn auch die Nebengeräusche werden durch das Hörgerät verstärkt.

Für Studierende mit einer Hörbehinderung erfordern Lehrveranstaltungen ein hohes Maß an Konzentration besonders wenn Diskussionen geführt werden und/oder es viele Nebengeräusche gibt. Schnellere Ermüdung kann die Folge sein. Selbst wenn ein Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt wird, muss sich die/der Hörbehinderte stark konzentrieren. Hinzu kommt, dass sie/er sich immer nur auf eins konzentrieren kann: entweder auf den Gebärdensprachdolmetscher oder zum Beispiel auf Präsentationsfolien.

Nicht sichtbare Beeinträchtigungen

Unter nicht sichtbare Beeinträchtigungen fallen Teilleistungsstörungen, Redeflussstörungen, psychische und chronische Erkrankungen. Auch hier finden Sie zuerst grundlegende Informationen über die Beeinträchtigungen und danach wieder einige Anregungen zum Verhalten im Hochschulalltag.

Legasthenie und Dyskalkulie

Legasthenie bezeichnet eine Lese-Rechtschreib-Störung. Der Grad dieser Störung kann sehr unterschiedlich sein und sich auch mehr auf das Lesen oder Schreiben beziehen. Ursache für diese Lernstörung sind neurobiologische Hirnfunktionsstörungen. Die auditive und visuelle Wahrnehmung ist bei der Legasthenie gestört, so dass feine Unterschiede in der Sprache nicht gehört werden können.

Auch das Schriftbild wird nicht störungsfrei wahrgenommen. Die Folge ist eine Schwäche, die gesprochene Sprache in die geschriebene umzusetzen und umgekehrt. Dies erklärt auch, weshalb bei der Rechtschreibung nicht immer die gleichen Fehler auftreten. So kann es vorkommen, dass in einem Text das selbe Wort in mehreren Varianten falsch geschrieben wird, ohne dass es der Legasthenikerin/dem Legastheniker auffällt.

Der Dyskalkulie liegt eine analoge Störung zu Grunde, die sich auf die Erfassung, Verarbeitung und Wiedergabe von Rechenoperationen bezieht. Die WHO definiert Legasthenie und Dyskalkulie in der ICD 10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) eindeutig als Beeinträchtigung.

Demnach steht fest, dass diese Störungen nicht auf mangelnde Intelligenz oder eine unzureichende Förderung in der Kindheit zurückzuführen sind. Im Gegenteil: Legastheniker weisen in vielen Fällen in anderen Bereichen außergewöhnliche Fähigkeiten auf.

Redeflussstörung

Zu den Redeflussstörungen gehört u. a. das Stottern. Die Ursachen des Stotterns sind noch nicht genau erforscht. Fest steht aber, dass es sich um eine Störung im Sprechablauf handelt. Die emotionale Verfassung eines Menschen und das Stottern können in Wechselwirkung zueinander stehen.

Auch die Situation kann eine große Rolle spielen. Deshalb wundern Sie sich nicht, wenn jemand in vertrauter Runde nicht stottert, aber im Gespräch mit Ihnen oder in der Lehrveranstaltung Schwierigkeiten hat. Entgegen vieler Vorurteile ist Stottern kein Hinweis auf mangelnde Intelligenz. Viele Kinder stottern zwischen ihrem zweiten und fünften Lebensjahr. Bei den meisten verliert es sich jedoch wieder bis zur Pubertät.

In Deutschland gibt es ca. 800.000 Erwachsene, die stottern. Das ist ca. 1% der Bevölkerung. Die Kernsymptome sind Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen. Bei den Wiederholungen werden einzelne Buchstaben, Silben oder ganze Wörter wiederholt. Dehnungen sind dadurch gekennzeichnet, dass einzelne Buchstaben oder Laute in die Länge gezogen werden (z. B. Mmmmmaus). Blockierungen sind meistens stumm, d. h. man kann zuerst gar nichts hören. Man sieht aber, dass der Sprecher etwas sagen möchte, das Wort aber nicht hervorbringen kann.

Beim Stottern können auch motorische Begleitsymptome auftreten. Dazu zählen Verkrampfungen im Gesichtsbereich, Nicken mit dem Kopf, Hochziehen der Schulter oder Schlagen mit dem Arm auf den Oberschenkel. Eine weitere Form der Begleitsymptomatik kann die veränderte Atmung sein, d. h. die/ der Stotternde spricht Wörter auch noch auf der Restluft aus, um ein weiteres Stottern zu verhindern.

Manche Betroffene erhöhen beim Sprechen auch die Lautstärke, da sie durch den gesteigerten Atemdruck weniger ins Stottern geraten. Um Stotterereignisse zu vermeiden, ersetzen manche das Wort, das Probleme bereitet, durch ein Synonym (z. B. Wagen statt Auto). Andere nutzen Füllwörter oder Floskeln (z. B. „naja“ oder „im Grunde genommen“) und setzen diese vor den Wörtern ein, die gestottert werden könnten, um den Redefluss zu erhalten.

Neben den Vermeidungsstrategien beim Sprechen ziehen sich viele Betroffene auch aus dem sozialen Leben zurück, wenn die Angst vor dem Stottern und den negativen Reaktionen darauf zu groß wird. Oft bestimmt das Stottern den Alltag so sehr, dass Aktivitäten danach ausgesucht werden, ob und wieviel gesprochen werden muss. Es gibt zwar zahlreiche Therapien und Behandlungsansätze, aber die meisten erreichen keine absolute Heilung. Das liegt vor allem daran, dass der Sprechablauf so komplex ist. Selbst wenn Erfolge erzielt werden können, die manchmal klein und deshalb für Außenstehende nicht erkennbar sind, kommt es bei vielen Betroffenen zu Rückfällen.

Psychische Erkrankung

Es gibt eine Vielzahl an psychischen Erkrankungen die sich hinsichtlich Ursache, Grad der Beeinträchtigung, Verlauf und Behandlungsart unterscheiden.

Exemplarisch seien hier nur drei Kategorien genannt: Angstkrankheiten (die Angst ist eher diffus und lässt sich nicht an etwas Bestimmtem festmachen) und Phobien (die Angst ist auf ein spezielles Objekt oder eine bestimmte Situation bezogen), Persönlichkeitsstörungen und Depressionen.

Laut WHO sind Depressionen die häufigste psychische Erkrankung weltweit. In Deutschland sind ca. vier Millionen Menschen betroffen. Es gibt unterschiedliche Formen der Depression. Zu den Ursachen gehören körperliche (z. B. Stoffwechselstörungen im Gehirn oder Nebenwirkungen von Medikamenten), psychologische (z. B. Trauma oder emotionale Vernachlässigung in der Kindheit) und gesellschaftliche Faktoren (z. B. Armut oder häufige Wohnortwechsel). Meistens handelt es sich jedoch um eine Kombination dieser Faktoren.

Charakteristisch für psychische Erkrankungen ist, dass die Betroffenen ihre Erkrankung meist nicht als solche wahrnehmen oder nicht wahrhaben wollen. Zudem kann es sehr lange dauern, bis Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Typisch für viele Erkrankungen ist auch der episodische Verlauf.

Vielfach gehen psychische Erkrankungen auch mit Ängsten, Unsicherheit, geringem Selbstwertgefühl und wenig Selbstvertrauen einher. Daneben gibt es auch noch körperliche Symptome wie Herzrasen, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden, die ebenfalls im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen stehen können.

Weiterhin treten oft Schlaflosigkeit, geringe Belastbarkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit auf. Viele Betroffene berichten, dass sie sich bei einer medikamentösen Behandlung gedämpft und müde fühlen. Es ist wichtig, dass die Betroffenen mit dem Arzt im Gespräch bleiben, denn es ist Geduld gefragt, bis die medikamentöse Einstellung zufriedenstellend ist.

Chronische Erkrankung

Die meisten chronischen Erkrankungen sind auch nach längerer Zeit nicht wahrnehmbar. Viele Erkrankungen haben einen phasenhaften oder schubweisen Verlauf. Selbst bei guter medikamentöser Einstellung sind Schübe nicht vorhersehbar, weshalb chronisch kranke Studierende oftmals sehr schlecht längerfristig planen und nicht immer regelmäßig an Lehrveranstaltungen teilnehmen können.

Zudem ist der Alltag oft von Arztterminen und Therapien gekennzeichnet, so dass die Studierenden allein dafür viel Kraft und Zeit aufbringen müssen. Zudem kann die Erkrankung eine geringere Belastbarkeit und eine verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit mit sich bringen.

Auch Stimmungsschwankungen können mit der Erkrankung einhergehen. Zudem können Schmerzen, Wetterumschwünge und Nebenwirkungen von Medikamenten die allgemeine Befindlichkeit negativ beeinflussen. Aufgrund der Erkrankung müssen viele Studierende regelmäßig Pausen einlegen oder sich an festgelegte Mahlzeiten und die Einnahme von Medikamenten halten.