Forschung

Monthoiron

Bauforschung 

Der Turm von Monthoiron, erbaut in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einem kleinen französischen Dorf zwischen Tours und Poitiers, wirft viele bauhistorische Fragen auf, die im Rahmen der ersten Exkursionskampagne mit Studierenden im September 2015 bearbeitet wurden und Inhalt eines zukünftigen Forschungsprojektes darstellen. Außergewöhnlich sind die äußerst repräsentative Ausstattung des Turmes im Inneren – mit einem ungewöhnlich großen, überkuppelten Raum mit Kamin – sowie sein äußeres Erscheinungsbild  - mit umlaufenden, ehemals bis ins Erdreich führenden spornartigen Verstärkungen. Diese sind im gebauten Bestand zwar vermutlich einzigartig, jedoch sind sie in einer Skizze Leonardo da Vincis im Codex Madrid II in ähnlicher Weise wieder zu finden. Obgleich die Verstärkungen auf Verteidigungsfunktionen hinweisen, steht der Turm ohne erkennbaren oder belegbaren militärischen Nutzen im Tal des Flusses Ozon und im Kontext eines weitreichenden Wasserkanalsystems.

Wozu diente der Turm zu seiner Erbauungszeit? Stand er im baulichen Zusammenhang mit anderen Gebäudeteilen des heute noch in unmittelbarer Nähe stehenden Schlosses? Lag dem Turm ein Entwurf Leonardo da Vincis zu Grunde, der nicht weit entfernt, in Amboise, seine letzten Lebensjahre verbrachte und im Dienste des französischen Königs Franz I. Schlossbauten entwarf?

In Kooperation mit dem Fachgebiet der Vermessungskunde der Bauingenieure untersuchten wir diese Fragen vor Ort, indem wir zahlreiche Renaissanceschlösser besichtigten und in ihrer inneren Organisation verglichen, die Umgebung des Schlosses mit dem Wassersystem kartierten und den Turm mit neuartiger 3-D-Vermessungstechnik, Tachymeter und von Hand aufnahmen.

Schloss Lichtenburg

Inhalt folgt in Kürze.

Style Rocaille

Heckprospekt des Schiffes »Le Triton«,
den François-Antoine Vassé 1724 entworfen
hat (SHD, MV, D1 67, fol. 2).
Fassade der Maison Brethous in Bayonne,
bei der die Konsolen nach dem Vorbild von
Stützkonsolen unter den Seitentaschen barocker
Schiffe mit gestauchten Muscheln und
Hängezapfen geschmückt sind (Foto Fissabre).
Titelseite des »Oeuvre« von Juste-Aurèle
Meissonnier, auf der der Autor die maritimen
Ursprünge seiner Kunst veranschaulicht
(OEuvre de Juste-Aurèle Meissonnier,
N.Y. 1969, fol. 1).

Die Übertragung des style rocaille vom Schiffbau auf die Architektur.

Genese und Gestaltungsprinzipien des frühen Rokoko in den französischen bâtiments particuliers, 1715-1735


 

Laufzeit bis 2020

Prof. Dr.-Ing. Anke Fissabre
Dr. phil. Dr.-Ing. Thomas Wilke 
Fachbereich Architektur
Fachgebiet Geschichte und Theorie

 

Das von der DFG bis 2020 geförderte Forschungsprojekt untersucht die Übertragungswege des style rocaille vom Schiffbau auf die Architektur des frühen Rokoko in Frankreich.

Um die fachlich-personellen und motivischen Beziehungen zwischen der barocken Schiffsarchitektur und den frühen Rokoko-Entwürfen in Frankreich aufzuzeigen, werden die Biografie und der zeichnerische Nachlass des Künstlers François-Antoine Vassé dokumentiert.
Vassé entwarf Schiffsdekorationen für das Arsenal von Toulon und die französische Marine sowie Innendekorationen großer Architekturprojekte für Auftraggeber aus Marinekreisen, wie etwa den Admiral von Frankreich. In seinen Zeichnungen führt Vassé das für den style rocaille typische Muschelmotiv in asymmetrischer architektonischer Fassung in die Baukunst ein.

Bauuntersuchungen an Schlüsselbauten des französischen Rokoko sollen neben der motivischen auch eine Übertragung der zeichnerischen Entwurfsverfahren und der handwerklichen Herstellungstechniken aus dem Schiffbau auf die Architektur nachweisen. Hierdurch eröffnet das Forschungsprojekt eine völlig neuartige Perspektive auf eine Neubegründung der Entstehung des Rokokostils.

 

http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/252295626

Die Kunstgewerbeschule in Aachen

Bauhaus im Westen? 
Die Ära Rudolf Schwarz an der Aachener Kunstgewerbeschule 1927-1934

Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Gründung des Bauhauses in Weimar 1919 dokumentiert die Ausstellung erstmalig auf der Grundlage zahlreicher Originalquellen und Archivdokumente die Aachener Kunstgewerbeschule, die unter der Leitung von Rudolf Schwarz zwischen 1927 und 1934 insbesondere auf dem Gebiet der sakralen Kunst und Architektur herausragende Werke hervorbrachte. Am authentischen Ort ihres bedeutendsten Gesamtkunstwerkes, der Kirche St. Fronleichnam in Aachen, werden anhand zahlreicher Reproduktionen von Originalfotografien und -texten erstmals die programmatischen Ideen der Schule, ihre Arbeitsweisen, Lehrer, Schüler und Werke vorgestellt. Ähnlich wie die Kölner Werkschulen stand die Schule nicht nur in der Tradition der kunstgewerblichen Handwerksausbildung, sondern vertrat in dieser Phase äußerst innovative Gestaltungsideen und Ausbildungsmethoden. Durch die Bauhaus-Moderne beeinflusst beschritt die Schule weit westlich von Dessau dennoch eigene Wege – gerade in Abgrenzung zum Bauhaus – und beeinflusste wesentlich die Entwicklung der „Sakralen Moderne“, die im Bauhaus nicht vertreten war. Einen besonderen Fokus legt die Ausstellung auf den Architekten und Bauhaus-Kritiker Rudolf Schwarz: auf die Frage nach dem Aachener kulturpolitischen Umfeld, das ihn zum Direktor nach Aachen berief, auf die Umstände seiner Entlassung und die seiner Mitarbeiter sowie auf seine explizite Abgrenzung von den funktionalistischen Gestaltungsideen des Bauhauses. Zudem werden die Aachener Frühwerke von Rudolf Schwarz in Zusammenarbeit mit Hans Schwippert und anderen Mitarbeitern anschaulich in Architekturmodellen präsentiert. Die Ausstellung ist im Rahmen der LVR-Veranstaltungen „Bauhaus 100 im Westen“ zeitgleich mit einer Ausstellung zum Architekten Otto Bartning im Freilichtmuseum Kommern geplant.

Dr. Bettina Frindt, Prof. Dr. Anke Fissabre, FH Aachen
09.09.2019 - 06.10.2019 in St. Fronleichnam, Aachen

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