FH-Studentin wird in Cannes ausgezeichnet

Kurzfilm "Butcherette" von Lina Westphal ist ein voller Erfolg

Foto: Paul Fellhölter

"Mensch Gerda, hab dich doch nicht so" oder "vielleicht solltest du dir mal ein neues Kleid kaufen" – solche und ähnliche Sprüche und gut gemeinte Ratschläge muss Gerda tagtäglich von ihren Kundinnen und Kunden über sich ergehen lassen.

Die Geschichte der Metzgerin Gerda erzählt der Kurzfilm Butcherette von FH-Studentin Lina Westphal. Sie studiert am Fachbereich Gestaltung wird bei den diesjährigen "Indie Shorts Awards" in Cannes in der Kategorie "Best Female Student Director" ausgezeichnet. Der Kurzfilm entstand im Rahmen eines Semesterprojektes ihres Studiengangs Kommunikationsdesign bei Prof. Matthias Knèzy-Bohm. "Ich bin morgens aufgewacht und die Idee zum Film war einfach in meinem Kopf", erinnert sich Lina Westphal. Der elfminütige Streifen zeigt den Tag einer Fleischerin in den fünfziger Jahren: Der Film arbeitet vor allem mit Sinneseindrücken, wie Ekel, und stellt nicht nur die Geduld der Protagonistin Gerda auf die Probe, sondern auch die der Zuschauerinnen und Zuschauer. Im Verkaufsraum der Metzgerei muss Gerda Schmatzen, Klirren und nervendes Geschwätz der engstirnigen Kundinnen und Kunden über sich ergehen lassen.

Von Aachen in die Stadt der Filme

Cannes ist weltweit für die alljährlichen Filmfestspiele bekannt, sie zählen zu den bedeutendsten Filmfestivals der Welt. Viele Talente aus der Filmbranche sind dort anzutreffen. Bei den "Indie Shorts Awards" hingegen werden ausschließlich Kurzfilme präsentiert und in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Außerdem bietet das Filmfestival Neueinsteigerinnen und Neueinsteigern die Möglichkeit, ihre Filme vor großem Publikum vorzuführen. Aus diesem Grund hat sich auch FH-Studentin Lina Westphal mit ihrem Film bei dem Festival beworben und es in die Auswahl geschafft: "Ich freue mich riesig über die Chance, dass direkt so viele Menschen meinen Film schauen können, denn nach dem Studium würde ich gerne meine Arbeit als Regisseurin fortsetzen", so die Studentin.

Die Fünfziger – nicht nur Rock'n Roll

Gedreht wurde in einer kleinen alten Metzgerei, dort war es für das Team einfacher, den Look der fünfziger Jahre zu erzeugen. Die Entscheidung, die Handlung des Films in diesem Jahrzehnt anzusiedeln, fiel bewusst: "Das war noch eine Zeit, in der eine Witwe einen besseren Stand in der Gesellschaft hat, als eine geschiedene Frau", erklärt Regisseurin Westphal. In diesem Dilemma befindet sich Protagonistin Gerda – sie ist unzufrieden mit ihrem Leben und mit ihrem Mann, bis sie einen blutigen Ausweg aus ihrer Situation wählt.
     
Originale Requisiten

Das Set des Kurzfilms wurde mit Liebe zum Detail gestaltet: Nahtstrumpfhosen, große Locken, roter Lippenstift und Geldbörsen mit Bügelverschluss – von Kopf bis Fuß wurden die Schauspielerinnen und Schauspieler im Stil der Fünfziger eingekleidet. "Kostüme waren keine Option", so Lina Westphal. Aus diesem Grund war die Freude im Filmteam groß, dass eine Aachener Boutique die original getreue Kleidung aus den Fünfzigerjahren für den Dreh gesponsert hat. Die restlichen Requisiten wurden alle mühevoll zusammengesucht. Auch die Musik ist etwas Besonderes: die Hauptdarstellerin Lucy Dye hat eigens für den Film einen Song produziert.
 
Filmdreh mit Hindernissen

Der Film wurde Anfang des Jahres 2021 unter strengen Corona-Maßnahmen gedreht: "Das hat uns die Dreharbeit sehr erschwert. Viele ursprünglich gebuchte Darstellerinnen und Darsteller sind abgesprungen. Zum Glück haben Freundinnen und Freunde von mir die fehlenden Schauspielerinnen und Schauspieler spontan ersetzen können", so Lina Westphal. Zu diesem Zeitpunkt galten eine strenge Testpflicht und Kontaktbeschränkungen. "Da das Filmteam natürlich aus mehreren Haushalten bestand, mussten wir alle immer aktuelle Tests für den Dreh vorlegen. Außerdem gab es zu der Zeit noch nicht die Möglichkeit, sich überall problemlos testen zu lassen", erinnert sich die Regisseurin.

Aber nicht nur die die Corona-Maßnahmen stellten eine Herausforderung dar, auch die Temperatur beim Dreh hatte ihre Tücken. Bei minus acht Grad stand das Team in der Metzgerei am Set. "Wir haben natürlich alle gefroren, aber das war unser kleinstes Problem. Viel schwieriger war bei den Temperaturen der sichtbare Atem der Schauspielerinnen und Schauspieler während den Aufnahmen", so die Regisseurin, "bei den Szenen im Kühlraum war das natürlich super, aber für die Aufnahmen im Verkaufsraum eher unpassend". Trotz der schwierigen Umstände war der Kurzfilm innerhalb von sechs langen Tagen am Set erfolgreich abgedreht. Nach den Aufnahmen folgte die Postproduktion: Schnitt, Tonbearbeitung und Farbkorrekturen. "Insgesamt 1500 Euro hat die gesamte Produktion von dem Film gekostet. Das Geld brauchten wird hauptsächlich für die Requisiten, Kostüme und die Corona-bedingten Hygienemaßnahmen", erklärt die Regisseurin.

Das nächste Projekt ist schon im vollen Gange

Die Auszeichnung der "Indie Shorts Awards" in der Tasche, reist ein großer Teil des Teams von "Butcherette" nach Cannes, um den prämierten Film nun auch endlich bei dem Filmfestival zu zeigen und zu feiern. An eine Pause denkt Lina Westphal jetzt aber nicht, sie ist schon mit ihrem nächsten Film in der Postproduktion: "Er handelt von einer Stunde in einer Nacht in Berlin, mehr möchte ich aber nicht verraten."

Den Film "Butcherette" finden Sie hier.