5. Tag der Lehre an der FH Aachen | Lehrimpulse

Alles online - und was nun? | 08.10.2020

 

"Die Hochschulen befinden sich im Augenblick in einem großen Feldversuch zum digitalen Lernen, Lehren und Prüfen." Mit diesen Worten begrüßte der Prorektor für Studium und Lehre der FH Aachen, Prof. Dr. Josef Rosenkranz, die mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des fünften Tags der Lehre. Erstmals fand die Veranstaltung in diesem Jahr online statt.

Das Programm setzte sich zusammen aus zwei Keynote-Vorträgen, mehreren Workshops und Diskussionen sowie einer digitalen Ausstellung. Ursprünglich war auf Anregung des AStA geplant, den Tag der Lehre 2020 ausschließlich dem Thema Prüfungen zu widmen. Das Organisationsteam um Prof. Rosenkranz und Prof. Dr. Miriam Barnat, Geschäftsführerin des Zentrums für Hochschuldidaktik und Qualitätsentwicklung, hat die Themenstellung im Vorfeld erweitert – die Coronapandemie hat natürlich Auswirkungen auf die Prüfungen, aber auch auf das Lehren und Lernen allgemein. Beim Tag der Lehre wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen: "Das digitale Lehren und Lernen hat in Coronazeiten besondere Bedeutung erlangt, insbesondere im Hinblick auf Prüfungen", so Prof. Rosenkranz, "für uns bietet sich die große Chance, aus diesem Feldversuch zu lernen." In den Workshops habe sich gezeigt, dass es den Bedarf gebe, Räume für Interaktion und digitale Vernetzung zu schaffen.

Prof. Barnat erläuterte, dass das Thema Prüfungen zahlreiche Aspekte übergeordneter Natur habe und mithin nicht ausschließlich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation betrachtet werden dürfe. Prüfungen dienten zum einen dazu, das Lernverhalten der Studierenden zu steuern; zum anderen gehe es aber auch darum, den Lernfortschritt zu überwachen. Beide Aspekte sollten sich idealerweise im Gleichgewicht befinden.

Prof. Rosenkranz betonte, eine Befragung der Studierenden habe gezeigt, dass Feedbackprozesse und Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden, aber auch innerhalb der Gruppe der Studierenden als elementar wichtig für den Lernerfolg angesehen werde – unabhängig von digitaler oder analoger Lehre. Prof. Dr. Evelyn Korn, Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Philipps-Universität Marburg, stellte in ihrer Keynote mit dem Titel "Peer Review-Verfahren als Rückmelde- und Prüfungsform in großen Fächern" ein Modell vor, in dem die Studierenden sich – vereinfacht gesagt – als Gruppe die Noten selbst geben. Über ein ausgeklügeltes Bewertungssystem wird sichergestellt, dass die Studierenden nicht nur ein Verständnis für Bewertungsstandards entwickeln, sondern auch das Gefühl haben, für die Lehrveranstaltung mitverantwortlich zu sein.

Der zweite Keynote-Vortrag stand unter dem Titel "Prüfen oder prüfen lassen – neue Prüfungsformate im Digitalen Semester" und ergänzend PD Dr. Malte Persike, Wissenschaftlicher Leiter des Center für Lehr- und Lernservices (CLS) der RWTH Aachen University: "Während bis vor wenigen Monaten Konzepte wie digitale Distanzprüfungen oder Take-Home-Exams an deutschen Hochschulen meist belächelt wurden, sind sie heute realistische Optionen geworden." In seinem Vortrag gab er einen Überblick über digitale Prüfungsformate, stellte empirische Befunde zu Prüfungen auf Distanz sowie zu Chancen und Herausforderungen alternativer Prüfungsformen vor. Er betonte, dass neben didaktischen, rechtlichen und organisatorischen Anforderungen in Zeiten der Pandemie auch die technische Komponente eine bedeutende Rolle spiele.

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