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Was es braucht, damit sich ein Ölgemälde wohlfühlt
FH Aachen | Melissa Dennebaum
21 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. Dieses Raumklima empfiehlt der Deutsche Museumsbund für Museen. Schwankungen sind bis zu einem gewissen Maß in Ordnung. Allerdings sind das Idealwerte und die sind in Ausstellungsräumen nicht immer gegeben. So auch in der Landschaftsgalerie im Kulturhaus in Jülich, das zum Museum Zitadelle gehört. Im Sommer wird es dort sehr heiß, während es im Winter zu trocken ist. Nun hat Sam Awerin, Student der FH Aachen, untersucht, welche Maßnahmen sich eignen, um das Raumklima im konservatorisch empfohlenen Bereich zu halten.
Trockenheit kann Ölgemälden schaden
Bis vor ein paar Jahren waren dort, wo jetzt die Galerie ist, noch Büroräume. Als allerdings über 70 Ölgemälde in die Räume einzogen, mussten die Klimabedingungen stabilisiert werden. Denn Ölgemälde bestehen aus verschiedenen Schichten. Bei abrupten Schwankungen der Temperatur komme es zu Spannungen zwischen den Schichten, erklärte Dr. Christoph Fischer, der im Museum für den Bereich Bau und Technik zuständig ist. Und wenn es im Raum zu trocken ist, ziehe die Luft Feuchtigkeit aus dem Rahmenholz. Beides könne dazu führen, dass feine Risse in den Gemälden und in den meist historischen Rahmen entstehen. „Unsere Aufgabe ist es, die Gemälde so zu konservieren, dass sie für zukünftige Generationen erhalten bleiben“, so Dr. Fischer.
Um gegen die Hitze vorzugehen, hatte das Museum bereits Wabenplissees von innen an den Fenstern angebracht. Auch war eine Überlegung, Lehmputzwände zu errichten, um die Feuchtigkeit zu regulieren. Allerdings wollte Dr. Fischer erst wissen, ob diese Maßnahmen überhaupt helfen. Deshalb holte er sich Hilfe von Sam Awerin, der Smart Building Engineering am Fachbereich Bauingenieurwesen studiert.
FH Aachen | Melissa Dennebaum
Simulationen mit 3D-Modell
Anhand von Bauakten und eigenen Messungen zeichnete der Student zunächst einen Grundriss der Galerie und erstellte anschließend daraus ein 3D-Modell. Mittels einer Software simulierte er im nächsten Schritt verschiedene passive Maßnahmen und Nutzungssituationen. Zum Beispiel untersuchte er die Auswirkungen von UV-Schutz-Folien, Lehmputzwänden und den bereits installierte Wabenplissees auf das Raumklima. Dabei achtete er darauf, ob die vom Deutschen Museumsbund empfohlenen Grenzwerte von 15 bis 26 Grad Celsius und 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit eingehalten werden.
Welche Maßnahmen sind am effektivsten?
Das Ergebnis: Wabenplissees helfen zwar am besten gegen die sommerliche Hitze, allerdings sind sie so dicht, dass kaum Tageslicht in die Galerie dringt. Auch fehlt der Blick nach außen. Deshalb schlägt Sam Awerin vor, von außen UV-Schutz-Folien an die Fenster zu kleben. Sie absorbieren und reflektieren Sonnenstrahlen schon vor der Verglasung, was den Raum weniger aufheizt. Ein weiterer Vorteil ist, dass Besucher:innen bei transparenten Folien einen freien Blick aus dem Fenster haben.
Während die sommerliche Überhitzung durch diese Maßnahmen wirksam reduziert werden kann, ist die relative Feuchte nach wie vor ein Problem, fand Sam Awerin heraus. Die vom Museum angedachten Lehmputzwände mildern zwar die winterliche Trockenheit ab, können diese aber nicht verhindern. „Das Problem ist bauphysikalisch bedingt“, sagte der Student. „Langfristig wäre eine Klimaanlage, die nicht nur die Temperatur regelt, sondern auch die Galerie be- und entfeuchtet, am wirksamsten.“ Was den Einfluss von Besucher:innen auf das Raumklima angeht, konnte Sam Awerin das Museum beruhigen: „Über den Tag hinweg macht es kaum einen Unterschied, weil das Gebäude kurzfristige interne Lasten abpuffern kann.“
FH Aachen | Melissa Dennebaum
Museum plant, Empfehlungen umzusetzen
Besonders gefreut hat die beiden, dass die Simulationsergebnisse weitgehend mit realen Daten übereinstimmen, die Dr. Fischer 2022 in der Galerie gemessen hatte. „Das bestätigt die Anwendbarkeit der Simulation“, so Sam Awerin. In einem nächsten Schritt will das Museum die Empfehlungen umsetzen und eventuell auch die Klimaanlage wieder in Betrieb nehmen. Auf wissenschaftlicher Seite hatte Prof. Dr. Bernd Döring von der FH Aachen das Projekt betreut. Er lehrt Gebäudetechnik am Fachbereich Bauingenieurwesen.