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Nachhaltigkeit wird zur Praxis

Interdisziplinäre Studierendengruppen entwickeln transdisziplinär handfeste Lösungskonzepte für mehr Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde; oftmals bleibt es dabei aber ein abstraktes Konzept. Im Rahmen des Forschungsprojekts sustainCREATE wurde im Sommersemester 2026 erstmals die Lehrveranstaltung “Nachhaltigkeitsgarage: Ideen, Prototypen, Impact” durchgeführt. 22 Studierende aus drei Fachbereichen entwickelten in fünf interdisziplinären Teams umsetzungsorientierte Konzepte und Prototypen für reale Problemstellungen. Ein zentraler Anspruch war, die Projekte nicht nur für die jeweilige Ausgangssituation zu entwickeln. Lösungsprinzipien, Methoden und Gestaltungsbausteine sollten sich auch auf andere vergleichbare Projekte übertragen und an deren Rahmenbedingungen anpassen lassen.

SustainCREATE

SustainCREATE versteht sich als transdisziplinäres Lehr- und Lernlabor, in dem Nachhaltigkeit gestaltbar, bewertbar und kommunizierbar wird. Interdisziplinarität beginnt dabei bereits im Projekt- und Lehrteam: Prof. Dr. Martin Pieper und Elisabeth Nierle aus dem Fachbereich Energietechnik, Prof. Lorenz Gaiser und Inga Hart aus dem Fachbereich Gestaltung sowie Prof. Dr. Pettrack aus dem Fachbereich Chemie- und Biotechnologie entwickeln und begleiten das Format gemeinsam.

Ergänzend dazu brachten Praxispartner:innen reale Herausforderungen und daran angelehnte Aufgabenstellungen ein; Studierende der Fachbereiche Chemie- und Biotechnologie, Gestaltung sowie Energietechnik fanden sich in gemischten Gruppen zusammen, um diese zu bearbeiten. Mit ihren stark unterschiedlichen Schwerpunkten mussten die Studierenden zunächst gemeinsame Blickwinkel entwickeln, um anschließend ihre Expertisen in ganzheitlichen, nachhaltigen Lösungskonzepten zu bündeln. Unterstützt wurden sie dabei in regelmäßigen Feedbackrunden und Austauschformaten von Expert:innen aus der Wirtschaft und Schüler:innen aus der Oberstufe des Gymnasiums Zitadelle Jülich.

Das große Ganze

Neben ökologischen Aspekten lernten die Studierenden hierbei auch ökonomische sowie soziale Aspekte in ihren Lösungen mitzudenken. “Bei dem Wort ‘Nachhaltigkeit’ dachte ich oft instinktiv an Klimaschutz, aber es gehört so viel mehr dazu”, erzählte Produktdesign-Studentin Eva Hellmich. Das Projekt und insbesondere dessen Praxisnähe und Interdisziplinarität haben ihr geholfen, Nachhaltigkeit als ein umfangreiches Anforderungsnetzwerk zu verstehen: “Das große Ganze wird jetzt viel klarer. Meine Erfahrungen aus dem Projekt werden mir auch später im Beruf helfen, Kundenwünsche zu verstehen und Nachhaltigkeit auf jeder Ebene zu berücksichtigen.”

Eine Woche voller Nachhaltigkeit

Mit ihrer Gruppe hat sich Eva einer sehr breiten Aufgabenstellung gewidmet: Wie kann Nachhaltigkeit an der FH Aachen gefördert werden? Herausgekommen ist die Idee einer Nachhaltigkeitswoche. Studierende, Lehrende, Mitarbeitende sowie externe Expert:innen sollen Vorträge und Workshops zu unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen anbieten. Ein offener Austausch, mehr Bewusstsein für das Thema und das Aufzeigen konkreter Handlungsmöglichkeiten seien das Ziel.

Alte Mensa als Beispiel für ein übertragbares Lernraumkonzept

Eine weitere Lösungsidee bezieht sich auf die alte Mensa am FH-Campus Goethestraße. Eine Gruppe legte ein detailliertes Konzept für eine Umnutzung als Lernraum vor. Die Bedarfe für einen solchen Lernraum hat die Gruppe direkt bei der Zielgruppe erfragt – den Studierenden. Mit der Umfrage als Grundlage ist ein Konzept mit verschiedenen Lernzonen entstanden. Gruppen- und Einzelplätze, ein Areal zum Austausch sowie eine Selfservice-Area mit Getränken fügen sich klug im Raum zusammen.

Die alte Mensa dient dabei als konkreter Anwendungsfall. Die entwickelten Zonierungsprinzipien, Nutzungsszenarien und Gestaltungselemente sind modular angelehnt und können somit auch auf andere Lern- und Aufenthaltsräume übertragen werden. Die Aufgabenstellung brachte Britta Verheyen, Mitarbeiterin im Dezernat Facility Management der FH Aachen, ein. Sie zeigte sich begeistert von dem Entwurf: “Die Gruppe hat viele tolle Ideen, die wir gerne für einen Umbau der alten Mensa übernehmen würden.”

Projekte für das Gymnasium Zitadelle

Drei Gruppen befassten sich mit der Neu- und Umgestaltung von Außenflächen am Gymnasium Zitadelle in Jülich. Es wurden unter anderem ein Schulhof für die Oberstufe und ein Outdoor-Lernort für Biologie auf Basis der Wünsche und Vorstellungen von Schüler:innen und Lehrer:innen des Gymnasiums konzipiert. Auch diese Ergebnisse sind so angelegt, dass sie auf andere Bildungsorte übertragbar sind.

"Je bunter, desto besser"

Prof. Dr. Martin Pieper, Leiter des Projekts, hob ebendiesen Mehrwert hervor: “Es ist genau diese Chance auf eine reale Umsetzung der Konzepte, die das Projekt besonders macht und von Anfang an mitgedacht wurde. Echte Herausforderungen führen zu echten Lösungen.” Für die Zukunft von sustainCREATE wünscht er sich, dass noch mehr Fachbereiche an dem Projekt teilnehmen und ihre Perspektiven einbringen: “Je bunter, desto besser.”

Förderung des Projekts

SustainCREATE wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit einer Summe von rund 140.000 Euro gefördert. Die Stiftung bietet finanzielle Unterstützung für innovative und lösungsorientierte Projekte, die sich im erweiterten Rahmen mit dem Schutz der Umwelt befassen.
Das Gründungszentrum der FH Aachen und das Zentrum für Hochschuldidaktik und Lehrqualität unterstützen ebenfalls das Forschungsprojekt mit ihrer Expertise.