Ölgetränkte Luft erfüllt den Raum. Behutsam drückt sich Sonnenlicht an filigranen Karosserien vorbei und taucht die Werkstatt in ein angenehm warmes Licht. An einer Wand hängt ein schmuddeliges Bild von 1995. Günter Thiele, Chefmechaniker und Mitarbeiter von Uwe Niermann, und ein Rennwagen sind darauf zu sehen. „Das war unser Sieg beim 24-Stunden-Rennen damals in Daytona“ erklärt das Rennsport-Urgestein stolz.
Uwe Niermann ist ein international gefragter Experte für Young- und Oldtimer, ein Mann mit Leidenschaft. Ein Macher. Ein Querkopf. Und er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Sohn eines Bauunternehmers studierte er nach einer Bauzeichnerlehre Architektur an der FH Aachen. Doch irgendwie tat er sich schwer mit dem großen weißen Blatt Papier, das vor ihm lag. Ganz anders war es mit Autos. Uwe Niermann liebte es, neben dem Studium an ihnen herumzuschrauben und baute sich so seinen ersten eigenen Käfer. Das Wissen dazu brachte er sich im Selbststudium bei. Der Zufall wollte es, dass er in eben solchem Käfer den Aachener Unternehmer Rolf Pütz traf, der ebenfalls einen Käfer gleicher Bauart fuhr. Man kam ins Gespräch. Mit 19 Jahren kaufte sich Niermann zusammen mit Pütz und einem weiteren Unternehmer, Max Blees, einen Porsche 911 und baute ihn wieder auf – eine Schlüsselszene, wie sich später herausstellte. Niermann brach sein Studium ab, begann eine Lehre zum Kfz-Mechaniker und machte sich selbstständig. Heute betreibt der 42-Jährige das Automobilzentrum Aachen und restauriert im prächtigen alten Schlachthof Autos, allen voran Porsche – etwa den Fahrzeugtyp von James Dean oder den Porsche 962 CK6 von 1990. Letzterer soll voraussichtlich am 4. März in Le Castellet schon auf die Rennstrecke. "Meine Kunden sind unglaublich große Sammler, aber auch Fahrer", erklärt Niermann. "Ich habe die technische Verantwortung, bringe die Einzelteile wieder zusammen und die Wagen schließlich auf die Strecke."
Kurzheck, verdeckte Radausschnitte und ein in der Mitte des Hecks befestigter Flügel sind die typischen Merkmale des Porsche 962 CK6, ein Fahrzeugtyp, mit dem die in Rennfahrtkreisen bekannten Kremer-Brüder aus Köln bis 1993 intensiv arbeiteten. Doch auch wenn sie beim härtesten Langstreckenrennen der Welt in Le Mans keine vorderen Plätze erreichten, so war die Porsche-Version von 1990, bei der Bernard de Dryver, Philippe Alliot und Patrick Gonin auf das Gaspedal drückten, mit Sicherheit die schönste. Das vom deutschen Künstler Peter Klasen entwickelte Pop-Art-Design war in der Rennfahrtszene einzigartig. Doch leider brannte das Fahrzeug bei einem Rennen vollständig aus – Grund genug für Sportwagenliebhaber, nicht nur den Wagen, sondern auch das alte Design neu aufleben zu lassen. "Die Einzelteile dazu haben wir bei Privatleuten im Keller und im Internet gefunden", sagt Niermann. "Doch vieles bauen wir auch selbst, denn die Suche nach einem Einzelteil dauert manchmal Jahre." Das alte Design wird der heute 70-jährige Peter Klasen persönlich lackieren.
Doch bevor die neu zusammengesetzten Autos wieder auf die Rennstrecke dürfen, unterzieht sie der Chef persönlich einem Fahrtest. Zudem werden alle sicherheitsrelevanten Bauteile geröntgt. Kein Haarriss, nichts darf zu finden sein, denn bei 350 bis 400 Stundenkilometern, die mit diesen Rennwagen zurückgelegt werden, wäre das tödlich. "Bei diesen Geschwindigkeiten geht jegliche Relation verloren", sagt der zweifache Familienvater. Paradoxerweise funktionieren die Sportwagen aber auch nur dann richtig gut. Denn erst bei diesen hohen Geschwindigkeiten haben sie die nötige Bodenhaftung und die guten Fahreigenschaften. "Da muss man den Verstand ausschalten, sonst funktioniert es nicht." Und fügt lachend hinzu: "Also ich könnte das nicht."
Ein unverwechselbares Motorengeräusch geht durch die Werkstatt, eins, das die Herzen von Porsche-Fans höher schlagen lässt. Da steht er nun, der neue "alte" Porsche 962 CK6, technisch voll ausgestattet, aber noch ziemlich nackt, denn seine Lackierung hat er noch nicht erhalten. Schon bald soll der 905 Kilogramm schwere und rund 700 PS-starke Sportwagen – begleitet von Uwe Niermann und seinem Team – an den Start gehen und vielleicht wird er dann sogar ein weiteres Mal Rennsportgeschichte schreiben.
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Ein Mythos lebt