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In die Dynamik des Marktes eintauchen

Planspiel zum Thema Energiemärkte für Studierende und Unternehmensvertreter:innen

“Wir müssen bauen!” Der Vertreter des Energieversorgers wendet sich an die Regierung; die Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien sollen ausgebaut werden, weil das Kernkraftwerk des Unternehmens in absehbarer Zukunft abgeschaltet wird. Auf dem Spiel steht die Versorgungssicherheit der Bürger:innen. Der Regierungsvertreter wirft einen Blick in die Bilanzen und stellt fest: “Ihr Unternehmen ist seit Jahren in den roten Zahlen. Wie wollen Sie den Bau neuer Anlagen finanzieren?”

Mechanismen und Wechselwirkungen

Das Planspiel EnergyNext führt die Teilnehmenden mitten hinein in das komplexe Geschehen des Energiemarktes. Zwei Tage lang erproben Studierende und Unternehmensvertreter:innen gemeinsam, welche Mechanismen und Wechselwirkungen es in der Branche gibt. Organisiert wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Jörg Borchert (Fachbereich Energietechnik) und seinem Team, unterstützt werden sie von Prof. Dr. Nina Kopmann (Fachbereich Bauingenieurwesen) und Prof. Dr. Gregor Krause (Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik).

Erzeugung und Handel, Management und Vertrieb

“Wir haben zehn Gruppen gebildet”, erläutert Jörg Borchert; jede Gruppe simuliert das Handeln eines Energieversorgers – die Skala reicht dabei von Stadtwerken bis zu weltweit agierenden Energiekonzernen. “Es geht um die Erzeugung und den Handel von Energie, aber auch um Management und Vertrieb”, sagt er. Die Teams spielen innerhalb der zwei Tage das Geschehen mehrerer Jahre durch. Es geht um Themen wie den Ausbau erneuerbarer Energien, Atom- und Kohleausstieg sowie die Liberalisierung des Marktes. Hinzu kommen noch die “Schocks”, wie Jörg Borchert sie nennt, zum Beispiel ein Tsunami mit einem daraus resultierenden Störfall in einem Atomkraftwerk, Vulkanausbrüche oder Überflutungen. 

Komplexe Abläufe abbilden

All diese Faktoren haben Auswirkungen auf das unternehmerische Handeln. Die Teilnehmenden verfolgen die Preisschwankungen an der Börse, aber auch die Veränderungen bei Angebot und Nachfrage. Das Ziel des Planspiels ist, mit der eigenen Firma Gewinn zu erwirtschaften und gleichzeitig die langfristige Strategie sowie die unternehmerische Verantwortung – Stichwort Versorgungssicherheit – im Auge zu behalten. Um die komplexen Abläufe auf dem Energiemarkt realistisch abbilden zu können, nehmen nicht nur Unternehmen, sondern auch die Regierung (genauer gesagt: eine Regulierungsbehörde) und eine Bank teil. 

Eine spannende Erfahrung

Für die Teilnehmenden ist das Planspiel eine spannende Erfahrung. “Die Teams setzen sich aus jüngeren Bachelorstudierenden, erfahrenen Masterstudierenden und Unternehmensvertreter:innen zusammen. Alle lernen im Spiel voneinander, die Teilnehmenden stützen sich gegenseitig. Insofern kann man auch ohne tiefe eigene Kenntnisse mitspielen”, sagt Jörg Borchert.  Die Studierenden würden so alle Aspekte, die in den Lehrveranstaltungen abstrakt behandelt werden, konkret erleben. Sie wenden die Methoden sowie die Kenntnisse in einem dynamischen Umfeld an, sie treffen Entscheidungen und vertreten diese in der Gruppe und Externen (wie der Regierung) gegenüber. “Darüber hinaus verarbeiten sie das Feedback aus dem Markt und lernen daraus. Sie passen ihre erneuten Entscheidungen an. Und genau dieses letzte passiert nicht in Übungen und Fallstudien”, ergänzt er. Hinzu komme, dass die Entscheidungen auf der Grundlage unvollständiger Informationen getroffen werden müssten.