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Licht ins Dunkel: Auf Spurensuche in Monschaus historischen Häusern
FH Aachen | Pia Schieren
Eine alte, morsche Holztür öffnet sich langsam; dahinter führt eine Steintreppe in einen düsteren Kellerraum hinab. “Also gut. Wer geht zuerst rein?”, fragt Inti Dohle lachend. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachbereichs Architektur und gemeinsam mit ihrer wissenschaftlichen Hilfskraft Mara Brandt betreibt sie historische Bauforschung in der Monschauer Altstadt. Sie wollen dazu beitragen, dass ein alltägliches Leben in dem malerischen Städtchen abseits des Tourismus wieder besser möglich wird.
Licht ins Dunkel bringen
Die Altstadt Monschau mit ihren verwinkelten Pflasterstraßen und den bunten Fachwerkhäusern ist als Touristenmagnet bekannt. Ein normales, alltägliches Leben abseits der Touristenströme ist allerdings kaum noch möglich. Im Laufe vieler Jahre ist die Alltags-Infrastruktur verloren gegangen: Kein Supermarkt, keine Apotheke, dafür viele staunende Besucher:innen. Ein hoher Leerstand ist die Folge und bedroht das bauliche Erbe der Stadt.
FH Aachen | Pia Schieren
Das von Prof. Dr. Anke Fissabre und Inti Dohle geleitete Forschungsprojekt “Eine Zukunft für die Altstadt Monschau” will das ändern. Ziel des Projektes ist es, den historischen Baubestand zu erfassen und denkmalpflegerische Empfehlungen für die Bürger:innen Monschaus zu entwickeln. Im ersten Schritt wollen sich die Wissenschaftlerinnen einen Überblick über den historischen Baubestand im Ortskern verschaffen, denn das Wissen über Grundrisse, Alter und Zustände der Häuser ist sehr dünn. “Uns interessieren insbesondere die Häuser, die zur Blütezeit der Tuchmacherindustrie im 17. und 18. Jahrhundert erbaut wurden. Oft handelt es sich dabei um Doppelhäuser, die typisch für Monschau und gleichzeitig völlig unerforscht sind”, so Inti Dohle.
FH Aachen | Pia Schieren
FH Aachen | Pia Schieren
Überblick mittels Laserscan
Mit eingeschalteten Taschenlampen steigen die Wissenschaftlerinnen in den Keller hinab. Eine einzige Glühbirne wirft spärliches Licht auf die blanken Steinmauern des historischen Kellers, wo sie ihren ersten Rundgang durch die Doppelhaushälfte starten. An der Anordnung der Steine können sie bereits ablesen, wo in der Vergangenheit Durchbrüche geschaffen oder wieder zugemauert wurden. In den drei darüberliegenden Etagen warten viele kleine, verwinkelte Zimmer darauf, vermessen zu werden. “Alte Häuser sind wie Schiffe”, sagt Inti Dohle. “Der Boden und die Wände sind so schief, es fühlt sich an, als würde alles wanken.” Im Dachgeschoss wird verkohltes Fachwerk sichtbar – Rückstände eines Brandes, der vor einigen Jahrzehnten im Haus wütete.
FH Aachen | Pia Schieren
FH Aachen | Pia Schieren
Nun soll die Vermessung der alten Doppelhaushälfte beginnen. Mithilfe eines Laserscanners erschaffen Dohle und Brandt zunächst ein 3D-Modell, aus dem sie später einen Grundriss ableiten werden. Konzentriert bewegen sie sich Raum für Raum durch das Haus, während Mara Brandt das Vermessungsinstrument in jeden Winkel der Zimmer hält. Die Messergebnisse des Scanners werden in Echtzeit auf einem Tablet sichtbar. Aus abertausenden Einzelpunkten formt sich hier ein genaues Abbild der Innenwände. Dieses Haus ist nur eines von vielen, die die Forscherinnen noch vermessen werden.
Hoffnung für die Zukunft der Monschauer Altstadt
Seit März dieses Jahres läuft das Forschungsprojekt und damit die Überblicks-Phase zur Erfassung historischer Spuren. In einer zweiten Phase sollen einzelne Häuser genauer untersucht werden. Bereits jetzt möchten die Forscherinnen im Rahmen ihrer Arbeit die Bürger:innen der Stadt mit einbeziehen und Diskussion und Austausch anregen. Beim Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 werden sie ihr Projekt im Viertelhaus in Monschau vorstellen: “Das Forschungsprojekt ist ein erster wichtiger Schritt, aber danach muss es weitergehen. Die Altstadt Monschau kann wieder zu einem zukunftsfähigen Ort werden – dazu möchten wir beitragen.”
FH Aachen | Pia Schieren
Historische Bauforschung Hand in Hand
Das Forschungsprojekt wird in Kooperation mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland durchgeführt. Das Stadtarchiv Monschau, der Geschichtsverein Monschauer Land, die ISG Monschau - Zukunft mit Geschichte e.V., der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie der Arbeitskreis für Hausforschung e.V. unterstützen das Projekt.