Die meisten Studentinnen und Studenten müssen neben dem Studium arbeiten, da wird zwischen Kellnern und Klausuren schon mal eine Nachtschicht eingelegt. Auch die FH-Absolventinnen Cornelia Schiefer und Shirin Hadji-Abbassi mussten da durch. Doch noch während sie Business Studies studierten, haben sie – quasi nebenbei – ein Unternehmen gegründet.
So eben nebenbei macht man sich natürlich nicht selbstständig, "eine Gründung neben dem Studium ist schon sehr anstrengend", sagen die beiden. Cornelia Schiefer hat schon länger in einer Fahrschule gearbeitet. Während Sie mit ihrer Kommilitonin Shirin Hadji-Abbassi Mathe lernte, kam ein ungewöhnlicher Anruf von ihrem Chef: "Er hat mich gefragt, ob ich die Fahrschule kaufen möchte", erzählt Cornelia. Das kam aber überhaupt nicht in Frage, mitten im Studium und mit einem Nebenjob. Doch kaum hat sie den Hörer aufgelegt, überzeugt Shirin sie schnell: "Kauf die Fahrschule auf jeden Fall!" Und so kam es dann auch. Nachdem ein Kredit aufgenommen und die Fahrschule umgebaut und renoviert wurde, konnte es dann so richtig losgehen – das war Ende 2011.
Eine gute Geschäftsidee hatten die beiden auch, denn Fahrschulen gibt es wie Sand am Meer. Nach einem Unfall wurde Cornelia ein künstliches Kniegelenk eingesetzt, an normales Autofahren war nicht mehr zu denken. Das war der Auslöser, um eine Fahrschule für Menschen mit und ohne Handicap zu eröffnen. Eine Idee, mit der die beiden mitten ins Schwarze getroffen haben. Fahrschulen mit solch spezialisierten und umgerüsteten Fahrzeugen gibt es rund fünf Mal in Deutschland. "Unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland. Oft haben wir schon ein Jahr vorher Kontakt, bis sie schließlich zu uns nach Eschweiler kommen", erzählt Shirin. Dabei arbeiten sie eng mit dem Autohaus Sodermanns in Wassenberg zusammen, einem Spezialisten für den passgenauen Umbau der Fahrzeuge. Denn so individuell wie die Menschen und ihre Geschichten müssen letztlich auch ihre Autos sein.
Geschichten von Schicksalsschlägen kann Cornelia viele erzählen, als Fahrlehrerin verbringt sie immer viel Zeit mit Ihren Schülern. Unter ihren Kunden sind Menschen mit Schwerstbehinderungen, Menschen, die nach einem Schlaganfall das Autofahren wieder ganz neu lernen müssen, Gehörlose, aber auch Menschen mit Lernschwächen oder Fahrangst. Auch mit einer Kinesiologin haben die beiden schon zusammengearbeitet, um bei ihren Schülern Blockaden und Ängste zu lösen. "Bei uns ist unter anderem das Fahren mit einem 4-Wege Joystick möglich, das heißt, das gesamte Fahrzeug ist mit einer Hand bedienbar. Das ist einmalig in NRW", so Cornelia. "Aber leider können wir nicht immer jedem helfen, die Sicherheit aller Beteiligter geht einfach vor". Während Cornelia den ganzen Tag mit ihren Schülern unterwegs ist, kümmert sich Shirin um die administrativen Aufgaben in der Fahrschule. "Erst habe ich mich während des Studiums durchs Semester gekämpft, jetzt schaue ich noch immer in meinen Unterlagen nach. Ohne die unternehmerische Ausbildung, die wir an der FH Aachen genossen haben, wäre das alles nicht möglich gewesen. Auch das hochschulübergreifende Trace-Programm hat uns dabei sehr geholfen", so Shirin.
Anfang 2013 konnte sich die Fahrschule dann selbst tragen, erst zu diesem Zeitpunkt haben die beiden ihre Nebenjobs aufgegeben. Und heute? "Es gibt sehr viel zu tun, oft sind wir von sieben bis 23 Uhr im Einsatz", erzählen sie. Auch der neue Fahrlehrer ist schon ausgelastet, zwei weitere Aushilfsfahrer und ein Praktikant unterstützen das Team zusätzlich. Dabei verfügen sie über einen eigenen Verkehrsübungsplatz, fünf behindertengerecht umgebaute Fahrschul- und Fahranalysefahrzeuge. Das eigene Unternehmen bringt aber nicht nur viel Arbeit, sondern auch viele Freiheiten mit sich: "Wir probieren das aus, worauf wir Lust haben, eine richtige Alltagsroutine gibt es nicht", erläutert Shirin. "Wir wollen noch weiter expandieren, die Marke ‚Fahrschule Cornelia Schiefer‘ soll wachsen", sagt Shirin und Cornelia ergänzt: "mit einem Ziel vor Augen schafft man alles!"
Von ihrer Idee und ihrem Ehrgeiz ist auch die Initiative Gründerregion Aachen begeistert. In diesem Jahr gewann die Fahrschule Cornelia Schiefer den mit 1500 Euro dotierten, zweiten Platz des VISIONplus Unternehmerinnenpreises. Mit diesem Preis möchte die Gründerregion Aachen die Bedeutung von erfolgreichen Unternehmerinnen für die regionale Wirtschaft verdeutlichen und anderen Frauen Mut machen, ihre eigene unternehmerische Idee zu verwirklichen.