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Mit Sonnensegeln gegen Asteroiden

Fabienne Seibert forscht an der FH Aachen zu Raumfahrttechnik

Mit Sonnensegeln Asteroiden von der Erde ablenken – wie das in Zukunft gehen könnte, daran forscht Fabienne Seibert am Fachbereich Aerospace und Automotive Engineering der FH Aachen in einem kooperativen Promotionsprojekt mit der University of Glasgow. Nun hat sie auf der Veranstaltung „IngenieurINNENwelten“ von ihrer wissenschaftlichen Laufbahn und ihren Erfahrungen berichtet. 

Asteroiden immer im Blick

Schon immer an Naturwissenschaften interessiert, studierte Fabienne Seibert erst Luft- und Raumfahrttechnik im Bachelor, dann Aerospace Engineering im Master an der FH Aachen. Asteroiden faszinierten sie schon damals: In ihrer Bachelorarbeit entwickelte sie ein System, um Asteroidenabwehrtechniken zu bewerten. Inspiriert hatte sie die NASA-Mission DART, kurz für Double Asteroid Redirection Test, die untersuchte, wie ein Aufprall einen Asteroiden ablenken kann. 

Ihre Masterarbeit schrieb sie in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen über Missionsdesign in der Raumfahrtforschung. Fabienne Seibert forschte dazu, wie sich Sonnensegel als Raumfahrttechnologie eignen und arbeitete dafür mit dem Planetary Sunshade Institute zusammen. Es untersucht, wie Sonnensegel im Weltall die Folgen des Klimawandels reduzieren können. Die Idee ist, Sonnensegel mit einer Größe bis zu 9.000 Quadratmeter zwischen Erde und Sonne zu platzieren und so die Sonneneinstrahlung zu schwächen. 

„Die Chance wollte ich nutzen“

Nach ihrem Master war Fabienne Seibert Teil des APOSSUM-Projekts beim DLR, das Gesteinsproben von Asteroiden sammeln will. Dann die Promotion: „Ich hatte die Möglichkeit, in dem Gebiet zu forschen, was mich interessiert. Das war eine Chance, die ich nutzen wollte.“ Sie untersucht, wie Sonnensegel Asteroiden mit Kurs auf die Erde durch einen kinetischen Aufprall ablenken können. Diese Sonnensegel sind nur 7,5 Mikrometer dick. Zum Vergleich: Das ist rund zehnmal dünner als ein menschliches Haar.

Das Schönste während der Promotion? „Ich werde nicht mehr angezweifelt. Auf Konferenzen begegnen mir andere Wissenschaftler:innen auf Augenhöhe.“ Ihr Betreuer an der FH ist Prof. Dr. Bernd Dachwald, Dekan des Fachbereichs Aerospace und Automotive Engineering. „Fabienne hat sich dieses anspruchsvolle Forschungsfeld mit großer Eigenständigkeit erschlossen und wird mittlerweile auch international als Expertin dafür wahrgenommen. Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn unsere Absolventinnen konsequent ihren Weg in der Forschung gehen – ich hoffe, dass ihr Beispiel Schule macht“, meint Prof. Dachwald.

Noch immer weniger Frauen in MINT

Fabienne Seibert promoviert im MINT-Bereich, in dem Frauen bis heute unterrepräsentiert sind. Schon im Studium zeigt sich: Je höher die akademische Qualifizierung, desto weniger Frauen entscheiden sich für einen solchen Weg. So gab es 2024 knapp 5.000 weibliche Promotionsstudierende im MINT-Bereich in NRW. Dagegen promovierten fast 9.000 Männer laut des Statistikportals des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW. Ähnlich ist es im Beruf: Laut Eurostat lag der Frauenanteil bei wissenschaftlichen und Ingenieursberufen 2022 in Deutschland bei einem Drittel. 

Die Reihe „IngenieurINNENwelten“ der FH Aachen will das hochschulweit ändern. „Wir möchten Frauen ermutigen, sich weiter zu qualifizieren, höhere akademische Abschlüsse zu erreichen sowie Führungspositionen in Wissenschaft und Wirtschaft anzustreben“, sagte Prof. Dr. Andrea Upmann, Prorektorin für Studium, Lehre und Internationales der FH Aachen, auf der 15. Veranstaltung der Reihe. 

Plattform für Frauen

Organisiert wird IngenieurINNENwelten von Prof. Dr. Upmann, Prof. Dr. Nina Kopmann vom Fachbereichs Bauingenieurwesen, Dipl.-Ing. Katrin Brittner vom Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik und Dr. Birgit Gottschlich-Müller vom Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik. Die Reihe bietet Frauen eine Plattform, von ihren Erfahrungen aus der noch immer männerdominierten Welt der Technik und Wissenschaft zu erzählen. Gefördert wird sie vom Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder, dessen Begutachtungsgremium die FH mit dem Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“ auszeichnete. Unterstützt wird die Reihe auch vom Programm „Ladies in MINT“ des Gleichstellungsbüros der FH Aachen.