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Zuhören, Fragen stellen, Mut machen
RWTH Aachen | Judith Peschges
Emily möchte Medizin in Kanada studieren, Adna plant ein Jura-Studium und Azhin würde gern Lehrerin werden. Bei all diesen Vorhaben werden die Schülerinnen des Gymnasiums der Stadt Baesweiler besonders unterstützt, denn sie sind Teil des Talentscouting-Programms der Zentralen Studienberatungen der RWTH und der FH Aachen. Für die erfolgreiche Kooperation hat das Gymnasium nun die Plakette „Schule im NRW Talentscouting“ erhalten, die Schulleiter Markus Fabricius entgegengenommen hat. Fest steht, dass die Kooperation fortgesetzt wird.
Begleitung auf dem Bildungsweg
In dem Gemeinschaftsprogramm begleiten die Talentscouts beider Hochschulen talentierte Schülerinnen und Schüler vornehmlich aus Familien ohne akademische Erfahrung in der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen auf ihrem Bildungsweg. Im Talentscouting steht der junge Mensch mit seinen individuellen Wünschen, Interessen und Träumen im Vordergrund. Die Scouts helfen ihnen, ihre Fähigkeiten zu erkennen, berufliche Möglichkeiten auszuloten und konkrete Schritte auf dem Weg zu ihren Zielen zu planen. Ob es um die Wahl der Leistungskurse, die Studien- und Berufswahl, persönliche Zweifel oder die Finanzierung eines Studiums geht: Die Talentscouts hören zu, beraten und ermutigen.
Ergebnisoffene Beratung
Besonders wichtig ist die ergebnisoffene Beratung: “Ob sich die Jugendlichen für ein Studium, eine Ausbildung oder einen anderen Bildungsweg entscheiden, bleibt allein ihnen überlassen”, sagte Gürkan Özkan, Koordinator des Talentscoutings an der RWTH, bei der Übergabe der Plakette im Gymnasium in Baesweiler.
RWTH Aachen | Judith Peschges
Große Zustimmung bei den Lehrkräften
Einmal im Monat kommt ein Talentscout an die Schule, um mit den Jugendlichen individuelle Gespräche zu führen. Sie können Sorgen ansprechen, Fragen klären und ihre Pläne für die Zukunft konkretisieren. Emily, Adna und Azhin werden dabei von Alexandra Seidel, Talent-scout der FH Aachen, begleitet. Sie stellte das Projekt im September 2024 erstmals auf einer Lehrerkonferenz vor und stieß beim Kollegium auf große Zustimmung. “Ich sehe es als meine Aufgabe, zuzuhören, Fragen zu stellen und Mut zu machen”, fasst Seidel ihre Tätigkeit zusammen.
"Dafür bin ich sehr dankbar"
Wie wertvoll diese Unterstützung sein kann, zeigt Emilys Geschichte. Die 17-Jährige wusste schon früh, dass sie später in einem englischsprachigen Land studieren möchte. Ihre Wahl fiel auf Kanada – unter anderem, weil sie das Land als sicher und offen gegenüber Einwanderung wahrnimmt. Nur welche Vorbereitungen für ein Auslandsstudium wichtig waren, das war anfangs überfordernd und zu viel auf einmal. Aber sie war damit nicht allein: “Ich hatte immer das Gefühl, meine Sorgen wurden zu den Sorgen von Frau Seidel – ohne dass sie mir je das Gefühl gab, eine Belastung zu sein”, fasst die 17-jährige Schülerin ihre Erfahrungen zusammen. “Frau Seidel war immer für mich da und hat mich bei jedem Schritt unterstützt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.”
Hilfreiche Einzelgespräche
Welche Jugendlichen am Talentscouting teilnehmen, schlagen die Lehrkräfte vor. So kam auch Adna in das Programm. Die 19-Jährige wird genau wie Emily seit zwei Jahren von Alexandra Seidel begleitet. „Anfangs hatte ich viele Möglichkeiten im Kopf, was ich einmal beruflich machen möchte: Jura, Psychologie oder ein Sprachenstudium“, erinnert sich die 19-Jährige. Die vielen Einzelgespräche mit Alexandra Seidel hätten ihr geholfen, einzuschätzen, welche Richtung sie einschlagen soll – und welcher Beruf vielleicht besonders zukunftssicher ist. Inzwischen steht ihre Entscheidung fest: Adna möchte Jura studieren.
Berufswunsch: Lehrerin
Azhin ist erst seit kurzem Teil des Programms, sieht die persönliche Beratung aber schon jetzt als große Chance. Die 18-Jährige erzählt, dass sie im kurdischen Teil des Iraks aufgewachsen ist. Vor zehn Jahren sei ihre Familie dann nach Deutschland gekommen. Beide Eltern hätten nie eine Schule besucht. “Ich freue mich daher umso mehr, an dem Programm teilnehmen zu können”, sagt Azhin. Ihr Plan, in Köln Sozialwissenschaften und Deutsch auf Lehramt zu studieren, steht bereits.
Zahlen zum Programm
An 27 NRW-Hochschulen begleiten mehr als 110 zertifizierte Talentscouts an rund 600 Berufskollegs, Gymnasien und Gesamtschulen, Schülerinnen und Schüler von der Oberstufe bei ihrem Übergang in die Berufsausbildung oder ein (duales) Studium bis hinein in den Beruf. Seit dem Jahr 2024 fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen das Programm Talentscouting NRW dauerhaft mit rund 10 Millionen Euro pro Jahr.
RWTH Aachen | Judith Peschges