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Innovation schafft Wirtschaftskraft vor Ort
FH Aachen | Arnd Gottschalk
“Wir müssen es genial einfach machen”, sagt Markus Reimann, Geschäftsführer der NR Ingenieurgesellschaft holztragwerke mbH. Mit “es” meint er das Bauen mit Holz bei mehrgeschossigen Gebäuden – ein Feld, das großes Wachstums- und Innovationspotenzial bietet, auch dank der Forschungsarbeit an der FH Aachen. Und weil dieses Potenzial so groß ist, macht NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bei ihrer “NRW Innovation Tour 2026” Station bei dem Unternehmen in Mönchengladbach. Die Wissenschaftler:innen der FH nutzen die Gelegenheit zu zeigen, wie sie ihre Forschungsergebnisse in die Anwendung bringen.
Wissenschaft als Transmissionsriemen
“Wie wir mit Innovationen Wachstum schaffen, Wohlstand und Arbeitsplätze sichern” – unter diesem Motto steht die Tour der Ministerin. Und Mona Neubaur macht bei ihrem Besuch klar, was sie darunter versteht: “Wir wollen aus Innovationen marktfähige Produkte machen und so Wirtschaftskraft vor Ort schaffen. Die Wissenschaft ist dabei der Transmissionsriemen." In NRW gebe es starke Netzwerke aus Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es gelte, neue regionale Wertschöpfungsketten zu finden. “Wir haben Menschen in Verantwortung, die mitziehen”, sagt Mona Neubaur. Sie empfinde es als Privileg, bei ihrer Tour zu Gast bei diesen Menschen zu sein und ihnen zuzuhören.
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Gemeinsames Forschungsprojekt
Im Mittelpunkt ihres Besuches in Mönchengladbach stand das Forschungsvorhaben “Holzbau-Systemlösungen für die Mehrgeschossigkeit” (HolzSysteMe), das die FH Aachen gemeinsam mit der NR Ingenieurgesellschaft holztragwerke mbH, der Pirmin Jung Deutschland GmbH, der Adams Holzbau GmbH, dem Zentrum für Wald und Holzwirtschaft des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, der Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG sowie dem Holzbau Deutschland Institut bearbeitet. Prof. Dr. Thomas Uibel stellte das Projekt gemeinsam mit Markus Reimann vor.
Hilfe bei der Entscheidungsfindung
Während der Holzbau in den letzten Jahrzehnten seinen Marktanteil kontinuierlich vergrößern konnte, ist dieser bei mehrgeschossigen Gebäuden noch vergleichsweise gering. Im Rahmen von HolzSysteMe entwickeln die Partner Systemlösungen für Bauteile und Verbindungen, indem vielfach wiederkehrende Bauteile und Anschlüsse typisiert werden. Hierdurch werden technisch ausgereifte, wirtschaftliche und einfach berechenbare Konstruktionen ermöglicht. Eine Software macht dies für Architekt:innen und Ingenieurbüros einfach zugänglich – “wir wollen die Komplexität intelligent beherrschen”, sagt Markus Reimann. Er demonstriert den Gästen der Innovation Tour, wie das funktioniert: Mit wenigen Klicks können einzelne Elemente angelegt und berechnet werden; hinter der Nutzeroberfläche liegen aufwendige Detailkataloge, Tabellen, Diagramme und EDV-basierte Bemessungshilfen, die auf der FH-Forschung beruhen. Mit diesen ganzheitlichen Planungshilfen ließen sich Vorplanungen effizient durchführen, wie sie etwa im Rahmen einer Entscheidungsfindung im Hinblick auf die Baustoffwahl erforderlich sind. Die Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer der FH Aachen, Prof. Dr. Isabel Kuperjans, betonte, das Projekt sei ein überzeugendes Beispiel für die Kooperation der Hochschule mit Mittelstand und Handwerk: “Hier haben wir die Gelegenheit, gemeinsam neue technologische Ansätze auszuprobieren.”
FH Aachen | Arnd Gottschalk
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Birke als Baustoff
Professor Uibel betont, die Holzbaubranche stehe vor einem Umbruch. In Zukunft gelte es nicht nur innovative Bauverfahren zu etablieren, sondern auch mehr Holzarten zu nutzen. Bislang kommt im Holzbau vor allem die Fichte zum Einsatz, deren Verfügbarkeit allerdings beschränkt ist. Die Holzwirtschaft müsse ihr Augenmerk verstärkt auf Laubholz und insbesondere auf die Birke lenken. Am neuen Aachener Zentrum für Holzbauforschung (AZH) in Simmerath, das die FH Aachen in diesem Jahr offiziell eröffnen wird, forschen Wissenschaftler:innen intensiv daran, Grundlagen für die Nutzung von Birke als Bauholz zu schaffen. Dabei wird die komplette Wertschöpfungskette abgebildet – von der Bewirtschaftung und Pflege im Wald über die Verarbeitung bis hin zu den Charakteristika des Materials. Ziel ist, die Ergebnisse in die Normung einzubringen und so die Basis für den Einsatz im Bauwesen zu schaffen. “In Zukunft werden wir häufiger Hybridprodukte sehen, bei denen verschiedene Holzarten zum Einsatz kommen”, sagte Uibel, auch das werde am AZH erforscht.
Wichtige Branche für die NRW-Wirtschaft
Wie wichtig die Holzwirtschaft für NRW ist, erläuterte Dr. Stefanie Wieland, stellvertretende Leiterin des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. 12.000 Unternehmen machen landesweit 31 Milliarden Euro Umsatz jährlich, sie beschäftigen rund 130.000 Erwerbstätige. Auch sie bekräftigte, die Branche stehe vor neuen Herausforderungen. Durch die Nutzung von Laubholz als Ressource müssten die Unternehmen nicht nur ihre Produktpalette, sondern auch ihre Verfahrensweisen umstellen. Die enge Kooperation mit der Wissenschaft liefere hier wertvolle Erkenntnisse – damit aus Innovation Wirtschaftskraft vor Ort wird.
Organisiert wurde die Veranstaltung in Mönchengladbach auf Seiten der FH Aachen vom Dezernat für Innovationstransfer.
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