"Ich brenne fürs Handwerk"

“Meine Lieblingsholzsorte ist Nussbaum”, sagt Lisa Merkens. Ihre Begeisterung ist spürbar, als sie von ihrem Meisterstück erzählt – ein Eckregal, natürlich mit Nussbaumfurnier. Sie hat ihre Begeisterung für die Arbeit mit Holz zum Beruf gemacht: Zuerst absolvierte sie eine Lehre im Handwerk, die sie schließlich mit der Meisterprüfung als Tischlerin abschloss, später studierte sie im Bereich Holzingenieurwesen an der FH Aachen. Heute arbeitet die FH-Absolventin als stellvertretende Fachbereichsleiterin Bauhandwerke beim Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen. 

Digitale Werkzeuge

Das Aufgabenspektrum im Handwerk verschiebt sich derzeit. Digitalisierung und Vernetzung halten auch hier Einzug – das lässt sich etwa am Beispiel BIM (Building Information Modeling) illustrieren. Die verschiedenen Gewerke sowie Architekt:innen und Bauingenieur:innen tauschen sich auf der Baustelle mit Hilfe von virtuellen 3-D-Modellen aus, etwa wenn es die fachmännische Umsetzung von Bauplänen in der Praxis geht. Das bedeutet, dass auch etwa ein Zimmereibetrieb, der Fenster oder einen Dachstuhl für ein neues Haus fertigt, mit diesen digitalen Werkzeugen vertraut sein muss. “Wir stehen vor neuen Aufgaben und Herausforderungen”, sagt Lisa Merkens, “das Handwerk arbeitet daran, neue Lehrinhalte in die Ausbildungspläne einzuarbeiten.” Dies gelte für die duale Ausbildung ebenso wie für die Meisterschulen.  

Gut ausgebildeter Nachwuchs

Über Jahrhunderte hat das Handwerk seinen Nachwuchs selbst ausgebildet – und dabei spielte die Kombination von tradierten praktischen Fähigkeiten und Innovation immer eine Rolle. Früher waren es die Wanderjahre, die es den Gesellen erlaubten, neue Arbeitspraktiken kennenzulernen sowie Lebenserfahrung zu sammeln. 1969 wurde das duale Ausbildungssystem etabliert (und damit fast gleichzeitig mit der Gründung der Fachhochschulen!), bei dem das praktische Lernen im Betrieb mit dem Besuch einer Berufsschule verbunden wurde. Heute geht es darum, wie Lisa Merkens es formuliert, “Schnittstellen zu anderen Bildungseinrichtungen zu schaffen”.

Neue Technologien und Verfahren

Der neue Eifel-Campus in Simmerath steht beispielhaft für die Bestrebungen, das Handwerk für neue Technologien und Verfahren zu öffnen und gleichzeitig den Transfer von akademischen Forschungsergebnissen in die Berufspraxis zu ermöglichen. Das Ziel der Initiator:innen ist es, das Bildungssystem durchlässig zu gestalten. Das neue Aachener Zentrum für Holzbauforschung iliegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum BGZ, an dem Lisa Merkens arbeitet. Das Bildungszentrum bietet für die Qualifizierung von Lehrlingen, Fachhandwerker:innen und Meisterschüler:innen 96 Theorie- und 400 Werkstattplätze an. Zukünftig soll der Campuscharakter durch eine bauliche Umgestaltung des Areals hervorgehoben werden, die Zusammenarbeit ist aber bereits jetzt intensiv. So gibt es in den Hallen des BGZ eine Abbundanlage, die auch Studierenden der FH zur Verfügung steht.

Begeisterung weitergeben

Egal, ob Handwerk oder Forschung – die Arbeit mit Holz ist eine Herzensangelegenheit. “Ich brenne fürs Handwerk”, sagt Lisa Merkens. In ihrer Freizeit stellt sie Möbelstücke her, am liebsten mit Intarsien aus Nussbaum. Die Holzsorte hat eine edle Anmutung, der dunklen Färbung und der feinen Maserung sei dank. Mit ihrer Arbeit möchte sie die Begeisterung für den Werkstoff Holz weitergeben.