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Von der FH Aachen in die Deutsche Raumfahrtagentur
FH Aachen | Arnd Gottschalk
“Durch Kleinsatelliten wird das Weltall zugänglicher”, sagt Andres Bolte, “da Hochschulen und Start-Ups nun die Chance haben eigene Raumfahrtmissionen durchzuführen.” Der 33-jährige Ingenieur arbeitet als Koordinator für Kleinsatellitentechnik bei der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), er ist zuständig für die Begleitung von Projektideen im Bereich der Kleinsatellitentechnologie.
Fachleute werden gesucht
“Klein” ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen – Andres Bolte hat zum Gespräch einen solchen Satelliten mitgebracht. Er ist würfelförmig, die Kantenlänge beträgt zehn Zentimeter. Das Maß ist standardisiert – die Fachleute sprechen von der Einheit “U” – und deswegen sind die sogenannten CubeSats vergleichsweise einfach und kostengünstig zu produzieren. Mehrere Tausend Kleinsatelliten umkreisen derzeit bereits die Erde, und bei jedem einzelnen bilden Start, Betrieb und sichere “Entsorgung” eine große Herausforderung; gesucht werden Fachleute, die das komplexe Thema in seiner ganzen Bandbreite beherrschen.
"Studium ist sehr gut ausgelegt"
“Das Raumfahrt-Studium an der FH Aachen ist sehr gut ausgelegt”, betont Andres Bolte. Von 2012 bis 2020 studierte er am damaligen Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik, seinen Master machte er in Aerospace Engineering. Vor allem das Modul “Space Exploration Project” ist ihm in bester Erinnerung: “Wir haben damals mit dem gesamten Kurs an einer Raumfahrtmission zum Mond gearbeitet. Es ging darum, dass wir uns eine wissenschaftliche Raumfahrtmission überlegen, diese technisch konzipieren und als Team vor Experten präsentieren müssen.” Dies komme ihm heute zugute, da er in der Deutschen Raumfahrtagentur die Entwicklung von Kleinsatellitenmissionen fachlich begleitet; Fehler müssen frühzeitig erkannt und korrigiert werden. Von den betreuenden Professoren Markus Czupalla und Bernd Dachwald habe er unglaublich viel gelernt.
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Raumfahrtdaten sind vielseitig einsetzbar
“Daten sind die neue Währung”, betont Andres Bolte, und ein wesentlicher Aspekt moderner Raumfahrt ist es, globale Daten zu erheben und zu übermitteln. Es geht dabei etwa um Erdbeobachtung – als Beispiele nennt er die Detektion von Waldbränden und die Messung der Bodenfeuchte auf Anbauflächen. Aber auch die Gewährleistung eines sicheren und verlässlichen Datenaustauschs gehört zu den Aufgaben, etwa im Fall eines umfassenden Cyberangriffs auf unsere Energienetze. Neben wissenschaftlichen und militärischen Einsatzzwecken spielt die kommerzielle Nutzung dieser Daten für terrestrische Anwendungen eine wichtige Rolle. “Jedes Unternehmen ist ein Raumfahrtunternehmen”, meint der Ingenieur, “die meisten wissen es nur noch nicht.” So können Unternehmen Raumfahrtdaten verwenden, als Beispiel nennt er Handwerksbetriebe, die durch die Nutzung von Erdbeobachtungsbildern Solaranlagen auf Gebäuden planen und verkaufen können.
Seit 2021 bei der Deutschen Raumfahrtagentur
Auch Andres Bolte hat unternehmerische Erfahrung gesammelt. Schon während des Studiums gründete er 2016 gemeinsam mit einem Team ein Startup, das Kleinsatelliten entwickeln, bauen und einsetzen wollte. Unterstützt wurde er dabei von den Professoren, vom Fachbereich, dem FH-Gründungszentrum sowie vom Dezernat für Innovationstransfer. Seit 2021 arbeitet er für die Deutsche Raumfahrtagentur in Bonn. Von 2022 bis 2024 absolvierte er an der FH den berufsbegleitenden MBA-Studiengang Management und Entrepreneurship, seine Masterarbeit beschäftigte sich mit der Analyse kommerzieller Geschäftsmodelle in der Raumfahrt.
Faszination Raumfahrt
Bei aller wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung ist Raumfahrt immer auch von Faszination geprägt. Andres Bolte erzählt von seiner Schulzeit: “Wir hatten in der Mittelstufe eine Astronomie-AG. Der Lehrer brachte ein Teleskop mit, und es macht etwas mit einem, wenn man die Ringe des Saturn und den Jupiter mit eigenen Augen beobachten kann.”
Es gibt noch viel zu entdecken
Bereits während seines Studiums arbeitete Andres Bolte als Praktikant beim DLR in Bremen. Er war an der Entwicklung des Gewächshauses EDEN ISS beteiligt, das als geschlossenes System ohne Erde als Nährboden Ernten ermöglicht, die von Wetter, Sonne und Jahreszeiten unabhängig sind. Zudem wird weniger Wasser verbraucht, auf Pestizide und Insektizide kann verzichtet werden. Das Gewächshaus stand später über viele Jahre in der Antarktis, Ziel war die Erforschung der Möglichkeiten der Nahrungsmittelproduktion auf Mond und Mars. Wenn dieses gelingt, sind wir einen Schritt näher Langzeitaufenthalte auf dem Mond und Mars für Menschen zu ermöglichen; die Erfahrungen zeigen aber auch, wie die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft in klimatisch ungünstigen Gebieten wie Wüsten und arktischen Regionen aussehen kann. Andres Bolte schwärmt: “Im Weltraum gibt es noch viel zu entdecken, um unser Leben auf der Erde zu verbessern.”
FH Aachen | Arnd Gottschalk