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Zwischen Brutalismus und Biodiversität

Architekturstudierende entwerfen zukunftsorientierte Visionen für das Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße

“Am Hauptbahnhof angekommen, gehe ich also auf den Vorplatz und das erste, was ich sehe, ist dieser riesige, kalte Betonbau”, erinnerte sich Prof. Stine Kolbert, Professorin am Fachbereich Architektur, an ihren ersten Eindruck des Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße in Aachen. “Ich fragte mich, was dieses Gebäude wohl ist und sah ein großes Potenzial für Veränderung.” Um diesem Potenzial ein Gesicht zu geben, entwickelten Architekturstudierende im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Stadt Aachen Entwürfe für eine zukunftsfähige Transformation des Gebäudes. Die Ausstellung “Verwaltung Neu Denken” zeigte nun die Ergebnisse des Projektes.

Brutalismus zukunftsfähig gestalten

Das Gebäude an der Lagerhausstr. 20 stammt aus den 1970er Jahren; eine Zeit, in der die Architektur vom Brutalismus geprägt war. Heute ist der Betonbau aus der Zeit gefallen. Prof. Stine Kolbert und Prof. Martin Zerwas, ebenfalls Professor am Fachbereich, legten als Leitung des Projektes den Fokus auf nachhaltige Energie, Ökologie und Wirtschaftlichkeit. “Wir wollten diese Kernthemen im Gebäude zusammenbringen und als eine Einheit für zukunftsorientierte Nutzung verstehen. Es geht darum, aus dem, was da ist, das Beste zu machen”, fasst Martin Zerwas zusammen.

Die Menschen im Fokus

Ein besonderes Merkmal der Projektarbeit war der direkte Austausch zwischen den Studierenden und den Mitarbeitenden des Verwaltungsgebäudes. In persönlichen Gesprächen erhielten die angehenden Architekt:innen Einblicke in die konkreten Arbeitssituationen und -bedingungen. Aus den Erkenntnissen konnten sie viele Anforderungen an eine neue Gebäudestruktur ableiten. “Dabei war es eine der größten Herausforderungen, die Mitarbeitenden zum Umdenken zu ermutigen, sodass sie sich auf unsere Ideen moderner Arbeitskonzepte einlassen konnten”, sagte Studentin Pia Houpperichs über den Prozess. Gleichzeitig sei genau diese Praxisnähe einer der schönsten Aspekte des Projektes gewesen. “Wir hatten damit die Möglichkeit, an einem realen Gebäude, mit realen Menschen und ebenso realen Herausforderungen zu arbeiten.”

Kreative Visionen

Konkrete Ideen, die sich aus diesem Austausch ergaben, beziehen sich unter anderem auf eine Umstrukturierung - weg von Zellenbüros, hin zu einer offeneren, kommunikationsfördernden Raumstruktur. Auch die Nachhaltigkeitsaspekte finden in den Entwürfen viel Platz. Betonabbrüche, die bei Umbaumaßnahmen anfallen, sollen in neuen Treppen wiederverwertet werden. Fassaden- und Dachbegrünungen sollen einen Beitrag zur Biodiversität leisten. Die Ideen der Studierenden sind groß und vielfältig. In ihrem Anspruch, zukunftsfähige Architektur ganzheitlich zu denken, sind sich jedoch alle einig.