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Wenn Hochwasserschutz zum Strategiespiel wird
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Wie entsteht Hochwasser und wie können Städte und Gemeinden sich besser davor schützen? Mit diesen Fragen hat sich die Designstudentin Mette Maibaum im Rahmen ihres Masterstudiums am Fachbereich Gestaltung der FH Aachen beschäftigt. Herausgekommen ist kein klassischer Forschungsartikel und auch keine PowerPoint-Präsentation, sondern ein kooperatives Brettspiel namens "Overflow", das komplexe Zusammenhänge rund um Hochwasserschutz verständlich vermittelt.
Ausgangspunkt des Projekts war die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021, die auch die Region Aachen schwer traf. Die Folgen des Starkregenereignisses waren vielerorts sichtbar, doch Mette Maibaum stellte sich eine andere Frage: Warum verschwindet das öffentliche Bewusstsein für Hochwasserrisiken oft so schnell wieder? “Direkt nach solchen Ereignissen wird viel über Prävention und Schutzmaßnahmen gesprochen”, sagt die Studentin. “Aber mit der Zeit rückt das Thema häufig wieder in den Hintergrund. Mich hat interessiert, wie man Menschen langfristig dafür sensibilisieren kann.”
Mette Maibaum
Spielerisch komplexe Zusammenhänge verstehen
Die Antwort darauf fand sie im Spieldesign. Im ersten Semester ihres Masterstudiums entwickelte sie das Lernspiel “Overflow”, bei dem die Spieler:innen gemeinsam versuchen, eine möglichst hochwasserresiliente Landschaft aufzubauen. Dabei stehen sie immer wieder vor Entscheidungen zwischen kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteilen und nachhaltigem Hochwasserschutz. „Das Spiel soll zeigen, dass viele Maßnahmen miteinander zusammenhängen und Entscheidungen langfristige Folgen haben", erklärt Maibaum.
Um die Mechaniken möglichst realitätsnah zu gestalten, tauschte sie sich mit Fachleuten aus. Unter anderem mit Stefanie Stenger-Wolf vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH Aachen. Die dort gewonnenen Einblicke flossen direkt in die Entwicklung des Spiels ein. "Mir war wichtig, dass die Inhalte fachlich fundiert sind und reale Herausforderungen abbilden", sagt sie.
Kooperation statt Konkurrenz
Im Zentrum des Spiels stehen nicht Wettbewerb und Gewinnermentalität, sondern Zusammenarbeit und gemeinsames Planen. Denn nur wenn die Spielenden kooperieren und ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen, können sie verhindern, dass Überschwemmungen große Schäden anrichten. Gleichzeitig vermittelt das Spiel Wissen über Themen wie Flächenversiegelung, Rückhaltebecken oder natürliche Überschwemmungsflächen – ohne dabei belehrend zu wirken. Als Inspiration dienten der Studentin unter anderem die Spiele Carcassonne und Railroad Tiles.
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Design mit gesellschaftlichem Anspruch
Betreut wurde das Projekt von Prof. Eva Vitting vom Fachgebiet Gestaltungslehre und angewandte Farbgestaltung. Im Masterstudiengang Design beschäftigen sich Studierende regelmäßig mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen und entwickeln gestalterische Lösungen für komplexe Herausforderungen.
Design könne dabei helfen, komplizierte Themen greifbarer zu machen. Gerade bei Themen wie Klimafolgen oder Katastrophenschutz sei es wichtig, Menschen emotional einzubinden und zur aktiven Auseinandersetzung anzuregen, so Maibaum.
Vom Semesterprojekt zur möglichen Praxisanwendung
Dass "Overflow" über ein reines Semesterprojekt hinausgehen könnte, zeigt das Interesse, das schon kurz nach der Fertigstellung entstand. Erste Anfragen von Ministerien und Forschungsgruppen für das Spiel liegen bereits vor. Mette Maibaum hat ihren ersten Prototypen auch bereits weiterentwickelt und einzelne Elemente für den Einsatz im fachlichen Kontext produzieren lassen.
Für die Designstudentin ist das Spiel damit mehr als nur eine Studienarbeit: "Wenn Menschen nach dem Spielen anders auf ihre eigene Umgebung schauen oder anfangen, über Hochwasserschutz nachzudenken, dann hat das Spiel genau das erreicht, was ich mir gewünscht habe."
Mette Maibaum