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Mit 27 zum Doktortitel
FH Aachen | Tianyi Guo
Mit gerade einmal 27 Jahren ist Julian Tix Doktor der Biochemie und der zweite Doktorand der FH Aachen, der am Promotionskolleg NRW seine Prüfung abgelegt hat. Drei Jahre lang forschte er daran, wie sich überschüssiger Strom nutzen lässt, um biotechnologisch Bernsteinsäure herzustellen. Mit Bernsteinsäure lassen sich erdölbasierte Produkte beispielweise in der Kunststoffherstellung ersetzen. Nun hat er seine Arbeit mit Auszeichnung abgeschlossen.
Beeindruckende Leistung
Einen Bachelor, zwei Master und eine Promotion – diese beeindruckende Leistung hat Julian Tix in neun Jahren geschafft. An der FH studierte er Biotechnologie im Bachelor und Master. Außerdem hat er einen Masterabschluss in Wirtschaftswissenschaften von der FernUniversität zu Hagen. Während seiner Promotion arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Aachen und war Teil der Arbeitsgruppe Bioverfahrenstechnik und Downstream Processing. Auch seine Dissertation entstand in diesem Forschungsfeld. Ihr Titel lautet: „Bioelectrochemical systems for improving biotechnological succinate production“.
Bernsteinsäure statt Rohöl
In Deutschland stammt derzeit über die Hälfte des im Inland erzeugten und eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien, so das Statistische Bundesamt. Allerdings wird zum Beispiel tagsüber oft mehr Strom durch Solarenergie erzeugt, als in dem Moment benötigt wird. Da die Speicherkapazitäten nicht ausreichen, wird der Strom ins Netz eingespeist anstatt ihn in Zeiten geringerer Energieerzeugung verfügbar zu machen.
Hier setzte Julian Tix‘ Forschung an. In seiner Arbeit nutzte er ein Verfahren, das mikrobielle Fermentation mit einem elektrochemischen System kombiniert: In einem Bioreaktor wird Strom, zum Beispiel überschüssiger aus erneuerbaren Energien, genutzt, um den Stoffwechsel von Mikroorganismen zu ändern. Dies führt dazu, dass sie mehr Bernsteinsäure herstellen. Bernsteinsäure, auch Succinat genannt, ist eine Basischemikalie, mit der man unter anderem Plastik produzieren kann – statt mit Rohöl wie in herkömmlichen Verfahren. Zudem ermöglicht die Herstellung von Kunststoffen mit Bernsteinsäure, Kohlenstoff langfristig in den Produkten zu binden.
Forschung fasziniert
Einsetzbar sei seine Forschung zum Beispiel in der Lebensmittel- und pharmazeutischen Industrie, so der 27-Jährige. „Überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien mit Biotechnologie zu verbinden und neue Verfahren zu erforschen, wie man Rohöl-Produkte biotechnologisch ergänzen oder ersetzen kann, fand ich sehr spannend“, erzählt Julian Tix, der zeitweise auch Doktorandensprecher an der FH war.
Sein Fazit nach drei Jahren? „Im Bachelor- und Masterstudium wurden viele Themen angerissen, aber erst durch die Promotion hat sich der Kreis geschlossen. Dadurch, dass ich mich mit vielen Themen intensiv auseinandergesetzt habe, habe ich die Zusammenhänge erst so richtig verstanden und verinnerlicht.“
Professor aus den USA als Zweitprüfer
Die Promotion wurde von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, einem Projektträger des Bundeslandwirtschaftsministerium, gefördert und entstand im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit wissenschaftlichen Partnern, darunter die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, und Industriepartnern. Prüfer waren Prof. Dr. Nils Tippkötter, Professor am Fachbereich Chemie und Biotechnologie, und Prof. Dr. Shota Atsumi, Professor an der University of California, Davis. Dort forschte Julian Tix im Rahmen seiner Promotion für zwei Monate. Vorsitzende der Prüfungskommission war Prof. Dr. Isabel Kuperjans, Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer an der FH Aachen.