Controlling

Controlling ist weit mehr als nur Zahlenakrobatik: Es geht darum, Unternehmen durch wirtschaftlich turbulente Zeiten zu navigieren. Controller:innen analysieren Daten, entwickeln Prognosen und beraten das Management bei strategischen Entscheidungen. Prof. Dr. Jan Frohn und Prof. Dr. Nicola Stippel-Rosenbaum beleuchten die Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten – von operativem Reporting bis zu Investitionsentscheidungen – und zeigen, wie praxisnah das Studium an der FH Aachen auf dieses dynamische Berufsfeld vorbereitet. Absolvent Torben Wendland berichtet von seinen Erfahrungen als Manager Corporate Controlling.

"Ein Controller bzw. eine Controllerin muss kommunikativ und zahlenaffin sein und sollte analytisches, logisches Denken mitbringen."

Prof. Dr. Nicola-Stippel-Rosenbaum über das Berufsfeld Controlling

Zum Reinhören

Podcastfolgen mit Prof. Dr. Jan Frohn und Absolvent Torben Wendland

Zahlen im Griff – Unternehmen auf Kurs

Zahlen im Griff – Unternehmen auf Kurs

Wie Zahlen Unternehmen lenken – und Entscheidungen vorbereiten

Wie Zahlen Unternehmen lenken – und Entscheidungen vorbereiten

„Leistungsstarke Controller:innen können im Vergleich zu anderen kaufmännischen Jobs ein überdurchschnittliches Einkommen erzielen.“

Interview mit Prof. Dr. Jan Frohn

Worum geht es im Berufsfelds Controlling?

Um die Frage zu beantworten, hole ich am besten mit einem Bild aus. Sie haben ja alle mitbekommen, dass die Wirtschaft sich gerade in einem sehr schwierigen Fahrwasser befindet. Und sie müssen sich einfach vorstellen, dass ein Unternehmen ein Schiff ist. Und die Controllerinnen und Controller befinden sich jetzt alle auf diesem Schiff und müssen dafür sorgen, dass dieses Schiff durch die raue See ganz gut durch navigieren kann. Das heißt, sie analysieren die Situation und erarbeiten Empfehlungen für das Management.

Gibt es im Controlling unterschiedliche Berufsbezeichnungen?

Ich würde das vielleicht Stellenprofile nennen und die Möglichkeiten als Controller oder Controllerin zu arbeiten sind da sehr vielfältig. Die Stellen unterscheiden sich dadurch, ob sie in der Zentrale oder eher dezentral in Produktionswerken oder Vertriebsniederlassungen angesiedelt sind und ob man vielleicht eher strategisch an langfristigen Themen arbeitet oder operativ an kurzfristigen Entscheidungen mitwirkt.

Gibt es bestimmte Berufe, die besonders beliebt sind?

Für den Einstieg ergeben sich da eher diese operativen Profile, weil man dort Grundlagen lernt und vielleicht auch etwas weniger Druck verspürt, was am Anfang vielleicht auch wichtig ist. Später locken dann aber auch die spannenden strategischen Profile. Dort kann man dann hautnah erleben, wie wichtige Richtungsentscheidungen im Unternehmen getroffen werden.

Um welche Tätigkeiten und Aufgaben geht es im Bereich Controlling?

Die Aufgaben sind sehr vielfältig, deswegen würde ich am besten mal zwei wichtige herausgreifen. Zuerst einmal das Reporting, das Berichtswesen würde man das auf Deutsch nennen. Hier berechnet man finanzielle Kennzahlen wie Umsatz oder Marge, aber auch nicht finanzielle Kennzahlen wie zum Beispiel Auslastung und Lieferzeit. Dann kommentiert man wesentliche Trends für das Management und nutzt diese Datenbasis dann auch, um eine Prognose bis zum Jahresende zu erstellen oder auch eine Planung für das Folgejahr. Dafür entwickeln Sie zuerst mal ein Prognosemodell, das die relevanten Chancen und Risiken berücksichtigen muss.

Der zweite Punkt, den ich herausgreifen möchte, wäre das Investitionscontrolling. Hier wird zum Beispiel entschieden, ob in ein neuartiges Produkt investiert wird oder ob dieses neuartige Produkt entwickelt wird. Das Controlling baut hier mit Hilfe der anderen Abteilungen ein Rechenmodell dafür auf. Zum Beispiel wird mit dem Marketing über die Umsätze dieses Produktes diskutiert und mit der Produktion diskutiert man über mögliche Fertigungskosten. Das ist natürlich eine Herausforderung, weil man auch offen sein muss für technische Zusammenhänge.

Welche Module bereiten auf das Berufsfeld Controlling vor?

Die Grundlagenmodule „Einführung in das Controlling“ und „Kostenrechnung“ sind verpflichtend für alle Studierende. Wenn dann Interesse geweckt wurde, dann können die Studierenden danach mehrere Controlling-Vertiefungen wählen. Eine davon ist zum Beispiel Kostenmanagement. Dort lernen die Studierenden Kostenniveaus und Kostenstrukturen für ein Unternehmen aktiv zu gestalten. Ich erkläre diverse Instrumente, mit denen man eine Wertschöpfungskette nach Verbesserungen durchleuchten kann. Die Studierenden können in diesem Modul auch in Excel ganz konkrete Aufgaben durchrechnen. Zum Beispiel, wie viel ein Produkt kosten darf oder in welchen Maschinentyp investiert werden sollte.

Wie gestalten Sie Ihre Lehre praxisnah?

Ich habe elf Jahre lang bei Bosch im Controlling gearbeitet und davon auch mehr als die Hälfte in Führungspositionen. Diese Erfahrungen bringe ich jeden Tag in meine Lehre ein. Ich entwickle zum Beispiel selber Praxisfallstudien für meine Lehre. Beispielsweise müssen die Studierenden dort für ein Handelsunternehmen ein Konzept entwickeln, wie dieses aus der Verlustzone geführt werden kann. Dann gibt es noch ein didaktisches Konzept, das nennt sich Business Game. Das ist eine Methode, die mir persönlich sehr am Herzen liegt. Hier spielen die Studierenden ein Spiel und treffen selber Entscheidungen und nutzen dafür das gesamte Wissen, das sie sich während des Studiums erarbeitet haben. Sie sind dann Teil eines Unternehmens, das im Wettbewerb mit anderen Studierendenunternehmen steht.

Welche Qualifikationen und Fähigkeiten sind notwendig, um im Controlling erfolgreich zu sein?

Zuerst einmal das vernetzte Denken. Ich muss frühzeitig erkennen, wie sich Umfeldrisiken auf meinen Gewinn auswirken. Daraus kann ich dann passende Korrekturmaßnahmen ableiten. Dann als zweites das technische Interesse. Controllerinnen und Controller müssen Daten zu Produkten, aber auch Prozessen kritisch hinterfragen und sie nicht einfach nur entgegennehmen. Und das ist natürlich ohne technisches Interesse nicht möglich. Dann als drittes die Konfliktfähigkeit. Im Rahmen der Planung werden begrenzte Geldmittel bestmöglich in der Organisation verteilt. Nicht jede Abteilung bekommt das, was sie gerne haben möchte.

Wie viel verdient man im Beruf?

Ich kann jetzt natürlich hier keine konkreten Zahlen nennen, aber was ich sagen kann, ist, dass leistungsstarke Controllerinnen und Controller im Vergleich zu anderen kaufmännischen Jobs durchaus auch überdurchschnittliche Einkommen erzielen können. Das liegt daran, dass sie sehr eng mit der Unternehmensführung zusammenarbeiten. Die Unternehmensführung möchte natürlich auch die besten Leute um sich herum haben. Und das geht natürlich auch nur mit einer attraktiven Bezahlung.

Wie sehen die Jobchancen für Controller:innen aus?

Die digitalen und ökologischen Transformationen sind mit sehr vielen Investitionen verbunden und diese müssen von Controllerinnen und Controllern kritisch begleitet werden. Gerade auch in schwierigen Zeiten benötigen Unternehmen Controllerinnen und Controller, die, wie ich eingangs gesagt hatte, bei der Navigation helfen. Und deswegen würde ich sagen, der Arbeitsmarkt für Controllerinnen und Controller ist relativ robust.