Steuern
Wer gern mit Zahlen arbeitet, analytisch denkt und gleichzeitig Freude an Sprache und Kommunikation hat, findet im Berufsfeld Steuern das perfekte Zusammenspiel. Prof. Dr. Mark Knüppel, Prof. Dr. Meike Utzerath und Prof. Dr. Jürgen Vogt zeigen, wie juristische Präzision, wirtschaftliches Verständnis und Fingerspitzengefühl für Beratung im Studium geschult werden – und wie diese Stärken den Weg zum Steuerberaterexamen und in eine sichere, vielseitige Karriere ebnen. Einblick in ihren Werdegang und ihre Tätigkeit als Steuerberaterin gibt Absolventin Hilal Cetin.
"Der Berufsstand ist überaltert und hungert nach neuen Absolvent:innen."
Prof. Dr. Mark Knüppel über das Berufsfeld Steuern
Zum Reinhören
Podcastfolgen mit Prof. Dr. Jürgen Vogt und Absolventin Hilal Cetin
"Man sollte Freude am Umgang mit Menschen haben. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man als Steuerberater:in eine Vertrauensperson ist. "
Interview mit Prof. Dr. Meike Utzerath
Worum geht es ganz allgemein im Berufsfeld Steuern?
Fast jede Person und jede Gesellschaft, die in Deutschland Gewinne machen, müssen in Deutschland auch Steuern zahlen. Wer im Berufsfeld Steuern arbeitet, unterstützt Mandant:innen – Personen und Gesellschaften – dabei, die richtige Höhe der zu zahlenden Steuern zu ermitteln. Das klappt am besten, wenn man die berufliche Situation der Mandant:innen genau versteht und frühzeitig plant. So kann man clevere Lösungen entwickeln, um die Mandant:innen wirtschaftlich erfolgreicher zu machen und steuerliche Risiken zu vermeiden.
Welche unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche gibt es im Berufsfeld und welche konkreten Aufgaben sind damit verbunden?
Man kann in der Steuerberatung drei Bereiche unterscheiden: Die Gestaltungsberatung, die Beratung rund um die Steuererklärung und die Unterstützung bei der Durchsetzung der Steuerposition.
In der Steuergestaltungsberatung hat man die Aufgabe, für Mandant:innen die steuerlich beste Lösung zu finden. In der Gründungsberatung geht es beispielsweise um die Entscheidung über die Rechtsform. Will ein Unternehmen ins Ausland expandieren, prüft man die Regelungen des internationalen Steuerrechts und berät z.B. bei der Standortwahl. Wollen Unternehmen fusionieren, helfen Steuertberater:innen bei der Vermeidung von Steuerrisiken.
Bei der Beratung rund um die Steuererklärung geht es um die Erstellung von Buchführung, Jahresabschlüssen und Steuererklärungen. Die Finanzverwaltung hat häufig Rückfragen zur Steuererklärung und nicht selten streiten sich Mandant:innen mit der Finanzverwaltung über die richtige Höhe der Steuern. Dann unterstützen Steuerberater:innen die Mandant:innen bei der Durchsetzung des Rechts. Dazu gehört das Einlegen von Rechtsmitteln und auch die Vertretung vor Gericht. Diese ist in der Regel Volljurist:innen vorbehalten, die Finanzgerichte stellen eine Ausnahme von der Regel dar.
In welchen Bereichen man tätig wird, kann man wählen und auch Veränderungen des Tätigkeitsfeldes im Laufe des Berufslebens sind möglich.
Wie sieht üblicherweise der Berufseinstieg im Bereich Steuern aus?
Der Einstieg erfolgt häufig über einen Hochschulabschluss, z.B. einen Bachelor in BWL oder Wirtschaftsrecht, beides meist mit einer Vertiefung im Bereich Steuern. Es gibt auch Hochschulabschlüsse mit einem steuerlichen Schwerpunkt, z.B. einen Bachelor of Taxation. Eher seltener wird der Weg zum Steuerberater über den Ausbildungsberuf „Steuerfachangestellte:r“ gewählt.
Wie kann man sich im Berufsfeld weiterentwickeln?
Wer langfristig im Bereich Steuern arbeiten möchte, legt nach dem Hochschulabschluss das Steuerberaterexamen ab. Besteht man das Examen, führt man den Titel „Steuerberater:in“. Damit stehen alle Türen offen: Man kann als Steuerberater:in in der Steuerabteilung eines Unternehmens oder in einer Steuerkanzlei angestellt werden. Natürlich kann man sich mit dem Titel auch selbständig machen und sein eigener Chef werden. Ohne den Titel „Steuerberater:in“ ist man relativ eingeschränkt. Es gibt nur wenige steuerliche Bereiche in denen der Titel „Steuerberater:in“ nicht unbedingt erforderlich ist. Das kann beispielsweise im Bereich der Verrechnungspreise und in der Entwicklung von Steuer-Software der Fall sein.
Wie sieht der Arbeitsmarkt im Bereich Steuern momentan aus?
Der Arbeitsmarkt sieht sehr gut aus. Berufsanfänger:innen werden händeringend gesucht.
Mit welchem Gehalt steigt man üblicherweise ein und welche Entwicklungen sind möglich?
Das Einstiegsgehalt hängt häufig von der Größe des Unternehmens ab. Entscheidet man sich für einen der Big Four (Deloitte, EY, KPMG, PwC) als Arbeitgeber, liegt das Einstiegsgehalt bei ca. 45.000 € im Jahr. In kleineren Kanzleien liegt das Gehalt eher etwas niedriger.
Man sollte aber nicht nur auf das Einstiegsgehalt schauen. Interessanter sind die Gehaltsperspektiven. Das Bestehen des Berufsexamens ist mit natürlich mit einer Gehaltssteigerung verbunden. Wer sich zudem eine Führungsposition im Unternehmen erarbeitet – selbständig oder im Anstellungsverhältnis – dessen Jahresgehalt bewegt sich eher im sechsstelligen Bereich.
Welche Qualifikationen und Fähigkeiten sind notwendig, um in diesem Berufsfeld erfolgreich zu sein?
Natürlich benötigt man die fachlichen Steuerkenntnisse. Dabei sollte man Spaß an neuen Fragestellungen und Situationen haben. Jeder Mandant bzw. jede Mandantin ist anders und es gibt immer steuerliche Fragestellungen, mit denen man sich noch nie beschäftigt hat. Man sollte daher Freude daran haben, neue Inhalte zu verstehen und sich Antworten zu erarbeiten. Außerdem sollte man keine Angst vor Zahlen haben. Man muss kein Mathegenie sein, aber manchmal muss man sich in die Zahlen reinknien.
Außerdem dreht sich alles um die Beratung von Menschen. Selbst wenn es um die Steuersituation einer GmbH geht, spricht man nicht mit „der GmbH“, sondern mit dem Geschäftsführer der GmbH. Man sollte daher Freude am Umgang mit Menschen haben. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man als Steuerberater:in eine Vertrauensperson ist. Es kann passieren, dass man die erste Person ist, die von dem geplanten Verkauf des Unternehmens oder von der Scheidung erfährt. Da ist auch schon mal Fingerspitzengefühl gefragt.
Welche verpflichtenden Grundlagenmodule gibt es bei uns am Fachbereich im Bereich Steuern?
In allen unseren Studiengängen gibt es ein Grundlagenmodul „Unternehmenssteuern - Grundlagen und Basissteuerarten“. Je nach Studiengang kann oder muss man das Modul in englischer Sprache belegen, dann heißt es „Business Taxation“.
Welche Vertiefungen kann man wählen?
Wir bieten den Studierenden eine große Auswahl an verschiedenen Steuermodulen. Dazu gehören: Besteuerung der Gesellschaften, Besteuerung von Investition und Finanzierung, Besteuerung von Umwandlungen, Internationale Steuerlehre (in deutscher Sprache) oder International Taxation (in englischer Sprache), DATEV-Management Consulting und Immobilienbesteuerung.
Gibt es Module aus anderen Bereichen, die Sie darüber hinaus empfehlen würden, um erfolgreich im Berufsfeld agieren zu können?
Die steuerliche Gewinnermittlung basiert in der Regel auf einem handelsrechtlichen Jahresabschluss. Daher passen alle Module aus dem Bereich der Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung sehr gut. Zudem arbeitet man häufig mit der Abteilung für Rechnungslegung und mit Wirtschaftsprüfer:innen zusammen. Man spricht natürlich ganz anders miteinander, wenn man die „Welt der Rechnungslegung“ versteht. Gerade bei größeren Unternehmen ist auch die Konzern- und die Internationale Rechnungslegung wichtig. Auch in Konzern- und IFRS-Abschlüssen gibt es Steuerpositionen, die ermittelt oder überprüft werden müssen.
Da häufig Personen- oder Kapitalgesellschaften steuerlich beraten werden, sind auch Kenntnisse des Gesellschaftsrechts hilfreich. Insbesondere wenn es um die Gründung, die Zusammenführung oder die Trennung von Unternehmen geht, spielt das Gesellschaftsrecht eine wichtige Rolle.
Gibt es aktuell im Berufsfeld Entwicklungen, die Einfluss auf die Arbeitsbereiche des Berufsfelds haben?
Die KI hat schon vor Jahren Einzug in den Bereich der Steuerberatung und Rechnungslegung gehalten. Insbesondere bei der Erstellung von Buchhaltung und Bilanz ist vieles bereits automatisiert. Auch die Verwendung von KI bei der täglichen Arbeit, z.B. für die Zusammenfassung von Notizen oder das Schreiben von E-Mails, ist bei vielen Unternehmen bereits üblich.
Der Einsatz von KI zur Lösung von steuerlichen Problemen schreitet etwas langsamer voran. Die Probleme von „Herrn Mustermann“ unter Angabe von Geburtsdatum, Familienstand und der Höhe der Schulden kann man nicht in ChatGPT eingeben. Das gebietet der Datenschutz. Daher müssen interne KI-Systeme eingesetzt werden. Aufgrund der Kosten ist dies derzeit eher für größere Steuerberatungsunternehmen möglich. Aber ich gehe davon aus, dass sich auch das in naher Zukunft ändern wird. Dabei wird die KI in Zukunft die Beantwortung einfacherer Fragestellung und noch mehr Routinetätigkeiten übernehmen. Für die Steuerberater:innen bleiben die schwierigen und die spannenden, neuen Fragestellungen.
Zudem nimmt die Anzahl der steuerlichen Vorschriften eher zu als ab. Nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere im internationalen Kontext ist immer mehr steuerliche Expertise gefragt. Zwar wird viel von Vereinfachung gesprochen, es wird aber eher immer komplexer. Den berüchtigten Bierdeckel, auf den eine ganze Steuererklärung passt, wird es vermutlich nie geben.