Wirtschaftsinformatik
Die Wirtschaftsinformatik verbindet wirtschaftliches Denken mit technologischem Verständnis – ideal für alle, die Prozesse analysieren, digitalisieren und verbessern möchten. Ob SAP-Beratung, Datenanalyse oder digitale Produktentwicklung: Als Schnittstellenprofis sind Wirtschaftsinformatiker:innen in allen Branchen gefragt. An der FH Aachen vermitteln Prof. Dr. Christian Drumm, Prof. Dr. Matthias Eggert und Prof. Dr. Stephan Jacobs praxisnah, wie man innovative Technologien sinnvoll in Unternehmen einsetzt. Davon profitiert hat Absolvent Fabian Lechner, der nun als Head of AI tätig ist.
"In der Wirtschaftsinformatik geht es z.B. um die Fragestellung, ob es sich lohnt, eine neue Technologie zu verwenden, um Prozesse im Unternehmen zu verbessern, zu verschlanken oder eben neue Produkte zu entwickeln."
Prof. Dr. Mathias Eggert über das Berufsfeld Wirtschaftsinformatik
Zum Reinhören
Podcastfolgen mit Prof. Dr. Stephan Jacobs und Absolvent Fabian Lechner
"Das Einzige, was in der Informatik sicher ist, ist der ständige Wandel."
Interview mit Prof. Dr. Christian Drumm
Worum geht es im Berufsfeld Wirtschaftsinformatik?
Die Wirtschaftsinformatik ist – wie der Name schon sagt – die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Informatik. In diesem Bereich geht es darum, wie man wirtschaftliche Prozesse und Fragestellungen mithilfe von Informatik unterstützen kann. Also darum, wie man eine Anwendung oder ein Informationssystem entwickelt, das einen bestimmten Unternehmensprozess unterstützt, automatisiert oder optimiert. Ein Beispiel wäre die Erfassung von Aufträgen in einer Datenbank: Man trägt Kundenaufträge ein und kann dann nachverfolgen, ob sie bereits bearbeitet wurden, in welchem Status sie sich befinden, ob schon bezahlt wurde – und so weiter.
Gibt es im Bereich Wirtschaftsinformatik verschiedene Tätigkeitsbereiche?
Die Tätigkeitsbereiche in der Wirtschaftsinformatik sind aus meiner Sicht extrem vielfältig – gerade weil es eben diese Schnittstelle ist. Was man letztlich macht, hängt eher von den eigenen Interessen ab. Es gibt einige klassische Felder, wie zum Beispiel die Beratung. Das ist auch der Bereich, aus dem ich komme – genauer gesagt aus der SAP-Beratung. Dort braucht man sowohl Prozess-Know-how über wirtschaftliche Abläufe als auch IT-Kenntnisse. Das ist ein typisches Arbeitsfeld für Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker.
Man kann aber auch in der internen IT eines Unternehmens arbeiten. Dort geht es in der Regel nicht um das reine Programmieren, sondern wieder um die Schnittstelle – also um das Management und die Weiterentwicklung von Anwendungen. Man spricht zum Beispiel mit den Anwenderinnen und Anwendern, um deren Anforderungen aufzunehmen. Als Wirtschaftsinformatikerin oder Wirtschaftsinformatiker kennt man eben beide Welten: die Sprache der IT und die der Fachabteilungen.
Wie sieht der Arbeitsmarkt für Wirtschaftsinformatiker:innen momentan aus?
Super! Ich habe bisher noch keinen Wirtschaftsinformatik-Absolventen oder keine -Absolventin kennengelernt, der oder die auf Jobsuche war und nichts gefunden hat. Es ist eigentlich immer eher so, dass Wirtschaftsinformatiker:innen schon vor Ende des Studiums in Unternehmen arbeiten – und dann üblicherweise dort auch einsteigen, wenn sie das möchten. Wenn man sich die Stellenanzeigen anschaut, sieht man, dass Wirtschaftsinformatiker:innen überall gesucht werden: in lokalen KMUs hier in Aachen genauso wie in international tätigen Konzernen.
Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, um erfolgreich im Berufsfeld zu sein?
Ich glaube, ganz wichtig ist, dass man die Schnittstellenfunktion zwischen Wirtschaft und Informatik wirklich ernst nimmt. Das bedeutet einerseits, dass man technische Fähigkeiten mitbringen sollte. Auch als Wirtschaftsinformatiker:in sollte man programmieren können und aktuelle Technologien beherrschen. Andererseits braucht es ein gutes Verständnis für wirtschaftliche Prozesse. Erst die Kombination aus beidem – dem technischen Know-how und dem betriebswirtschaftlichen Verständnis – ermöglicht es, passgenaue Lösungen zu entwickeln. Also zu überlegen: Mit welchen Technologien und Anwendungen kann ich einen bestimmten Prozess optimal unterstützen oder verbessern, sodass eine möglichst gute Lösung für das Unternehmen entsteht?
Was dabei außerdem entscheidend ist: Kommunikationsfähigkeit. Die Fähigkeit, die Sprache von Anwenderinnen und Anwendern zu verstehen – und diese Anforderungen in eine IT-Sprache zu übersetzen, sodass sie technisch umgesetzt werden können.
Man muss dabei nicht der oder die beste Softwareentwickler:in sein, nicht die technisch versierteste Person und auch nicht der oder die tiefste Wirtschaftsexpert:in. Aber man sollte aus allen drei Bereichen ein ausreichend tiefes Wissen mitbringen – und vor allem in der Lage sein, diese Perspektiven miteinander zu verbinden. Das ist aus meiner Sicht eine zentrale Kompetenz, um im Berufsfeld Wirtschaftsinformatik erfolgreich zu sein.
Gibt es Module aus anderen Bereichen, die Sie empfehlen würden, um erfolgreich im Berufsfeld zu sein?
Ich würde natürlich immer Module empfehlen, in denen es um SAP geht. SAP ist eine Qualifikation fürs spätere Berufsleben, die man als Wirtschaftsinformatikerin bzw. Wirtschaftsinformatiker in so gut wie jedem Unternehmen wiederfindet. Darüber hinaus rate ich immer dazu, sich in dem Bereich zu vertiefen, der einen wirklich interessiert – für den man brennt. Es bringt nichts, ein Modul zu wählen, bei dem man kein echtes Interesse hat. Denn nur, wenn man sich für ein Thema begeistert, lernt man es auch wirklich gut und bleibt langfristig motiviert.
Gibt es aktuell Entwicklungen, die Einfluss auf Arbeitsbereiche der Wirtschaftsinformatik haben?
IT verändert sich ständig. Ich glaube, als Wirtschaftsinformatikerin bzw. Wirtschaftsinformatiker muss man sich klarmachen, dass sich das eigene technische Wissen wahrscheinlich alle drei bis fünf Jahre überholt. Es ist ein Berufsfeld, in dem man ständig weiterlernen muss. Der technische Fortschritt – das merkt jede und jeder am eigenen Leib – ist unglaublich schnell. Dinge, die vor ein paar Jahren noch unvorstellbar waren, gehören heute zum Alltag: ob Smartphones oder KI-Anwendungen.
Das Berufsfeld ist also permanent im Wandel. Aktuell hört man manchmal, man müsse keine Informatik oder kein Programmieren mehr lernen, weil es ja KI-Assistenten gebe. Das halte ich für völligen Unsinn. Aber natürlich verändern solche Tools die Art und Weise, wie wir arbeiten. Gerade im Softwareentwicklungsumfeld funktionieren diese Werkzeuge schon sehr gut – und haben damit direkten Einfluss auf Berufsbilder wie das der Wirtschaftsinformatik.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Modellierung. Da stehen wir meiner Meinung nach noch relativ am Anfang, aber ich erwarte, dass in den nächsten Jahren viel passiert. Es wird neue Tools geben, die es deutlich einfacher machen, Prozesse zu modellieren und weiterzuentwickeln.
Das Einzige, was in der Informatik sicher ist, ist der ständige Wandel.