Ein Physiker und leidenschaftlicher Unterhaltungsmathematiker – Prof. Dr. Heinrich Hemme lehrte 28 Jahre an der FH Aachen am Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik im Lehrgebiet Physik. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
Nach seiner Promotion in Osnabrück forschte der Physiker in den Laboren der Firma Philips, erst in Hamburg im Bereich Molekularelektronik und anschließend in Aachen im Bereich Photochemie. "Ich wollte aber immer schon gerne in die Lehre. Die FH Aachen war dabei ehrlich gesagt ein Zufall", erinnert sich der Physiker, "meiner Familie gefiel es in der Euregio und deswegen habe ich im Jahr 1993 die Stelle hier an der Hochschule angenommen". Bereut hat er seine Entscheidung nicht.
Vorlesungen zum Staunen
Prof. Hemme erinnert sich noch sehr gut an seine erste Vorlesung: "Ein Kollege ist überraschenderweise mitgekommen und hat den Studentinnen und Studenten gesagt, dass das meine erste Vorlesung sei. Es half zwar nicht gegen meine Nervosität, aber ich hatte das Gefühl, dadurch waren alle besonders nett zu mir." Das blieb auch so, denn seine Vorlesungen waren dafür bekannt, dass es immer etwas zum Lachen und Staunen gab. Der Lehrpreisträger aus dem Jahr 2017 hatte Spaß daran, seine Veranstaltungen mit kleinen Show-Versuchen aufzupeppen: "Ich hatte immer Freude daran, Leute zu verblüffen", erzählt der Physiker. Ihm war außerdem immer wichtig, nicht nur Fach-, sondern auch Methodenwissen in seinen Kursen zu vermitteln. Seine Studierenden sollten lernen, sich selbst zu kontrollieren, kritisch zu hinterfragen, und in der Lage sein, selbstständig Lösungen zu entwickeln.
Seine Leidenschaft für die Lehre zeigte sich aber nicht nur in den Vorlesungen, sondern auch in seinen anderen Lehrveranstaltungen, wie dem beliebten "Lucky-Loser-Kurs". Prof. Hemme schmunzelt, wenn man ihn darauf anspricht: "Der Name stammt nicht von mir, sondern wurde von den Studentinnen und Studenten kreiert. Irgendwann konnte ich mich nicht mehr dagegen wehren." Die glücklichen Verlierer waren diejenigen, die es in den Nachhilfekurs des Physikers geschafft haben. Einmal in der Woche für zwei Stunden hat er in seiner Freizeit die Lucky Loser in Kleingruppen unterrichtet. Angenommen wurden nur Studierenden, die in der Klausur von Prof. Hemme bereits durchgefallen waren: "Der Kurs war immer überlaufen, deswegen haben sich die Studentinnen und Studenten gefreut, wenn sie einen Platz ergattert haben. Und die meisten haben die nächste Klausur dann auch bestanden", erzählt der Physiker.
Ein Physiker mit einer Leidenschaft für Unterhaltungsmathematik
Neben seiner Lehrtätigkeit ist er aber auch für sein außergewöhnliches Hobby, die Unterhaltungsmathematik, bekannt: "Ich besitze rund 3000 Werke zu mathematischen Rätseln, die drittgrößte Sammlung weltweit", erzählt der leidenschaftliche Sammler. Sein ältestes deutschsprachiges Werk stammt aus dem Jahr 1710.
Die Leidenschaft für den mathematischen Denksport entdeckte er schon recht früh. Während seines Studiums publizierte er erste Texte zu mathematischen Kuriositäten. Seine Artikel veröffentlichte er zunächst in dem Magazin "Bild der Wissenschaft". Schnell wurde daraus eine gute Einnahmequelle: "Mit meinen Veröffentlichungen konnte ich damals mein BAföG aufstocken und habe dann einfach nicht mehr damit aufgehört", erzählt der Autor. Insgesamt hat Prof. Hemme 35 Bücher veröffentlicht und publiziert knapp 400 Artikel im Jahr zum Thema Unterhaltungsmathematik. Am meisten Freude bereiten ihn dabei mathematische Rätsel, die schwer aussehen, aber einfach zu lösen sind. "Ich unterhalte mich am besten, wenn ich jemanden mit meinen Aufgaben reinlegen kann. Oft dient die Mathematik nämlich nur zur Ablenkung", erzählt Prof. Hemme mit diebischer Freude in der Stimme.
"Ich hätte zwar gern noch weiter gelehrt", sagt der Physiker etwas wehmütig, "aber dafür kann ich mich jetzt vollständig meinen Vorträgen und Texten zur Unterhaltungsmathematik widmen." Prof. Hemme hat die FH bereichert, nicht nur mit seinen unzähligen mathematischen Rätseln, sondern vor allem als herausragender Hochschullehrer. Wir bedanken uns für die letzten 28 Jahre und wünschen ihm alles Gute!