Wie organisiert man eine Islandexpedition? Wie kalt wird es nachts auf einem Gletscher am Polarkreis? Wie viele Leute sind nötig, um einen Superjeep aus einer Gletscherspalte zu ziehen? Und wie fühlt man sich, wenn auch noch das letzte Fahrzeug im Treibsand festgefahren ist? Eine Woche lang testete ein Team des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen die Eisforschungssonde IceMole auf dem Hofsjökull, einem 1765 Meter hohen und 925 Quadratkilometer großen Gletscher auf Island. Nun berichtete der leitende Professor, Dr. Bernd Dachwald, gemeinsam mit dem studentischen Projektleiter Clemens Espe von den Widrigkeiten ihrer Expedition ins isländische Eis und präsentierten ihre Forschungsergebnisse.
Der IceMole ist eine Kombination aus Bohr- und Einschmelzsonde. Sie beruht auf einer neuartigen Technologie, die es ermöglicht, sie gezielt durch das Eis zu steuern. Mithilfe von Heizelementen am Kopf und an den Seitenwänden soll die Sonde Kurven fahren können. Der IceMole kann sich außerdem selbstständig wieder zurück an die Oberfläche bohren, ohne teure Nutzlast im Eis zurücklassen zu müssen.
Erstmals wurde die Technologie mit dem Einsatz des IceMole 1 im Sommer 2010 in der Schweiz getestet. „Damals hatten wir noch viele Schwierigkeiten“, sagt Clemens Espe. „Mittlerweile haben wir kein Problem mehr damit, eine stabile Verbindung zum IceMole herzustellen, außerdem bohrt er sich auch zuverlässig durch schmutziges Eis. Unser Gletscher-Lager ist viel professioneller aufgebaut, und jeder im Team kann die Steuerung bedienen. Über Projektplanung haben wir auch viel gelernt.“ Nur das Kurvenfahren fällt dem IceMole 2 - im Gegensatz zur ersten Sonde - noch schwer. Aber auch daran arbeitet das Team mit Hochdruck, denn schon im nächsten Jahr soll es zu weiteren Tests in die Antarktis gehen. „Deshalb waren die Versuche im Vorfeld so wichtig“, sagt Prof. Dachwald. „Es bringt nichts, sich fünf Jahre lang Gedanken über eine Technologie zu machen, um dann, wenn es so weit ist festzustellen, dass sie nicht wie gedacht funktioniert.“
Im Rahmen des vom Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) geförderten Projekts EnEX (Enceladus Explorer) werden Wissenschaftler unter Führung der FH Aachen die IceMole-Technologie weiterentwickeln, um damit in den kommenden Jahrzehnten die Eismonde von Jupiter und Saturn erforschen zu können. Tests in der Antarktis in den nächsten beiden Jahren sind die Vorbereitung dafür.
Zunächst möchten die FH-Wissenschaftler dort gemeinsam mit einem amerikanischen Forschungsteam eine saubere Wasserprobe eines unterirdischen Gletschersees nehmen, der seit 1,5 Millionen Jahren von der Außenwelt abgeschlossen ist. Anhand der Proben soll das Leben in dieser bizarren Umwelt untersucht werden. „Das Ziel von EnEx ist es aber letztendlich, eine Sonde zu entwickeln, die autonom durch das Eis navigieren kann. Denn im Eis, ob auf der Erde oder im All, wird sie auch auf Hindernisse, wie zum Beispiel Gesteinsbrocken und Eisspalten, stoßen“, sagt Prof. Dachwald.
Die Pressemitteilung als pdf-Dokument
In der Regiozeit von Center TV Aachen berichten Clemes Espe, Gero Francke und Pia Wilbrand über das Projekt IceMole.
IceMole-Teammitglieder zu Gast bei Center TV
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