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Neues Leben für die Aachener Thermalkultur

Mit der Initiative Wärm Komp soll öffentliches Thermalbaden in Aachen wieder möglich werden. Architekturstudierende der FH Aachen entwickelten nun erneut Konzepte für ein temporäres Badebecken in Burtscheid, den „Wärm Komp II“.

Es dampft, es riecht nach Schwefel, und es ist vollgepackt mit Mineralien: Das Thermalwasser ist ein wichtiger Bestandteil Aachener und Burtscheider Identität, und trotzdem sind die öffentlichen Badestellen sukzessive verschwunden. Vereinzelte Brunnen halten das Mineralwasser für die Bürger:innen zugänglich; von der einstigen öffentlichen Badekultur ist jedoch lange nichts mehr übrig. Die Initiative Wärm Komp will das bis zu 72 Grad heiße Wasser und damit die Aachener Thermalkultur wieder zurück an die Oberfläche holen. Studierende der FH Aachen legten dafür nun konkrete Konzepte für einen zweiten wissenschaftlich begleiteten Testversuch im Burtscheider Kurgarten vor. Bereits im kommenden Jahr soll die Umsetzung starten.

Die studentischen Entwürfe

Kompen, also das traditionelle Fußbaden mit Thermalwasser, soll an der Rosenquelle während des Testversuchs und für die Dauer von zwei Jahren kostenlos möglich sein. Das Ganzkörperbaden hingegen soll nur unter Aufsicht in einem separaten, nicht öffentlichen Teil stattfinden. So kann die Einhaltung von Hygienevorschriften kontrolliert und die Keimbelastung im Wasser wissenschaftlich überwacht werden. Die Arbeiten der Studierenden greifen unterschiedliche Aspekte auf, wie beispielsweise eine ressourcenschonende, wellenförmige Holzumzäunung für den nicht-öffentlichen Badebereich, kostengünstige Rohr-Stecksysteme sowie die Aussicht von der Badestelle auf den Kurgarten. Gemeinsam ist den Entwürfen der Anspruch auf ein ganzheitliches Konzept. „Für die Studierenden ergibt sich hier eine fantastische Gelegenheit, reale Problemstellungen praktisch und ortsgebunden zu lösen“, so Prof. Dr. Anke Fissabre, die neben dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Steffen Eul die Leitung des Projektes an der FH Aachen innehat.

Pilotprojekt mit Potenzial

Vor rund zwei Jahren gab es an der Rosenquelle bereits den ersten Versuch, das öffentliche Thermalbaden wieder zu ermöglichen. Das aufgestellte Becken wurde von den Bürger:innen überwältigend positiv angenommen: In nur vier Tagen kamen über 500 Besucher:innen. Die starke Nutzung in Kombination mit einer noch nicht ganz ausgereiften Beckenkonstruktion und -technik führte dazu, dass nach vier Tagen ausgebadet war. Die Keimbelastung im Becken wurde zu hoch und ließ sich nicht eindämmen; das Becken musste geschlossen werden. Das Pilotprojekt wurde somit zum Lernobjekt. In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Chemie- und Biotechnologie der FH Aachen wurden Methoden zur Keimreduktion entwickelt; auch die leicht zu reinigende, runde Beckenform soll zukünftig das Hygienekonzept unterstützen.

Badestätte als Begegnungsort

Die Standortfrage ist derzeit noch offen; ein vielversprechender Ort im Burtscheider Kurgarten ist unter anderem ein Gelände in der Nähe des in Vergessenheit geratenen Couven-Pavillons. Neben dem Badebecken sind auch Workshops und Vorträge zum Thema geplant. In einem umfangreichen Begleitprogramm soll Wissen über die Geschichte und den Nutzen von Thermalwasserbaden vermittelt werden. Prof. Fissabre fasst ihre Hoffnung für das Projekt zusammen: „Die erneute Nutzbarmachung des Aachener Thermalwassers ist kein Selbstzweck. Wir wollen einen Teil der Stadt-Identität wiederbeleben und Bürger:innen einen Begegnungsort zurückgeben.“

Reallabor öffnet Ende 2027

Die Becken-Entwürfe der Architekturstudierenden werden in den kommenden Monaten auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und weiterentwickelt. Studierende des Fachbereichs Gestaltung lieferten ergänzendes Werbematerial, Infotafeln und Möbeldesigns für den Innenbereich der Badestätte. So soll bereits Ende 2027 die verbesserte Version des Thermalbadebeckens als ganzheitliches Reallabor geöffnet werden.

Hand in Hand für Aachens Thermalkultur

Für die Wärm Komp-Initiative arbeiten zahlreiche Projektpartner:innen und Förderer Hand in Hand: Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, die Stadtteilkonferenz Burtscheid, die Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart e. V., der Senior:innenrat der Stadt Aachen sowie die AWO Quartiersentwicklung Burtscheid waren neben anderen Akteur:innen maßgeblich beteiligt. Der Nachhaltigkeitsfonds der FH Aachen förderte das Projekt zudem mit einer Summe von 20.000 Euro.