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Roboter für die Fabrik von morgen

Aachener Team misst sich in internationalem Robotik-Wettbewerb

Ein defekter Greifer und eine Fabrik voller Unwägbarkeiten: Beim RoboCup 2026 zeigte das Team Carologistics der RWTH Aachen und FH Aachen, worauf es in der Robotik ankommt – nicht nur auf perfekte Technik, sondern auf Anpassungsfähigkeit.

Bunte, steckbare Bauklötze liegen in den Regalen bereit, um von den mobilen Robotern eingesammelt und mit Hilfe einer Anleitung zusammengesetzt zu werden. Dieser Herausforderung stellte sich das Team Carologistics aus Studierenden und Forschenden der RWTH und der FH Aachen beim RoboCup 2026 im südkoreanischen Incheon. Trotz technischer Herausforderungen erreichte das Team den zweiten Platz in einem Teilbereich des Wettbewerbs. In der Gesamtwertung belegte Carologistics Platz fünf.

Der RoboCup als Testfeld für autonome Fabriken

Der RoboCup gilt als weltweit größter Wettbewerb für autonome Roboter. Acht internationale Hochschulteams traten in der neuen Smart Manufacturing League (SML) gegeneinander an. Die Liga bildet erstmals eine vollständig integrierte Fabrikumgebung ab: von der Produktionsplanung über den Materialtransport bis zur Montage. Der Wettbewerb in Incheon war zugleich der erste Praxistest für das neue Regelwerk.

Die Herausforderung

In der nachgebauten Fabrik sollten die mobilen Roboter entweder selbstständig die Bauteile aus den Regalen einsammeln und montieren, oder zu einer Montagestation transportieren, an der ein stationärer Roboterarm das Produkt fertigt. Wo sich die einzelnen Bauteile in der Fabrik befinden, war vor Wettbewerbsbeginn nicht bekannt. 

Die Aufgaben waren in zwei Bereiche, sogenannte Tracks, aufgeteilt: Im Workbench-Track wurde die Fähigkeit der Roboter bewertet, Produkte zusammenzubauen. Der Warehouse-Track prüfte dagegen den Materialtransport – also das selbstständige Finden, Aufnehmen und Weitergeben von Bauteilen in der Fabrik. Die Gesamtwertung ergab sich aus der Summe beider Bereiche.

Im Workbench-Track landete das Team Platz zwei. In der Gesamtwertung aus Workbench- und Warehouse-Track belegten die Aachener den fünften Platz.

Improvisation statt Stillstand

Die eigentliche Herausforderung lag nicht nur in der Software. Während der Wettbewerbswoche kämpfte das Team immer wieder mit technischen Problemen, berichtet Co-Teamleiter Daniel Swoboda, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Inferenz der RWTH. „Am gravierendsten war ein Defekt am Greifer des stationären Roboterarms, der die Montage vollständig lahmlegte. Ein Hersteller von Roboterarmen half kurzfristig mit einem Leihgreifer aus, allerdings mit einem anderen Modell als dem gewohnten”, sagt Swoboda. Das Team musste die Ansteuerung vor Ort neu aufsetzen und kalibrieren. Auch die vorgesehenen Transportboxen der Bauteile erwiesen sich als mehr als doppelt so groß; hier entwickelten die Aachener kurzerhand eine eigene Lösung, um die Teile dennoch sicher transportieren zu können.

Robuste Robotik für reale Fabriken

Zwischen den einzelnen Läufen wurde repariert, umgebaut und neu kalibriert – mit Erfolg. Als einziges Team gelang es Carologistics, alle geforderten Produktvarianten erfolgreich zu fertigen. Der fünfte Platz in der Gesamtwertung zeigt zugleich die Grenzen des vorläufigen Regelwerks: Es belohnte Systeme, die gezielt auf bekannte Aufgabensituationen optimiert waren. Carologistics setzte dagegen auf ein robusteres System, das auch mit unbekannten Situationen umgehen kann.

Carologistics verfolgte bewusst einen anderen Ansatz. Statt einzelne Szenarien zu perfektionieren, entwickelte das Team ein Robotersystem, das mit möglichst vielen unterschiedlichen Situationen umgehen kann – ein entscheidender Vorteil für reale Industrieanwendungen.

Genau diese Erfahrung soll nun in die Weiterentwicklung der Smart Manufacturing League einfließen. Künftig sollen Unsicherheiten, wie sie auch in modernen Fabriken auftreten, stärker Teil der Aufgaben sein. So können sich etwa die Position und Verfügbarkeit von Bauteilen oder Produktionsabläufe verändern. Bewertet werden dann vor allem Systeme, die flexibel auf neue Situationen reagieren und ihr Wissen auf unterschiedliche Aufgaben übertragen können.

Eine neue Liga für die Robotik von morgen

Die neue Liga SML führt die bisherige Logistics League und die RoboCup@Work League zusammen und bildet erstmals eine vollständig integrierte Fabrikumgebung ab – von der Produktionsplanung über die Montage bis zur Qualitätskontrolle. Das Regelwerk befindet sich noch in der Entwicklung. Der Wettbewerb in Incheon war als Testlauf angelegt, in dem die Teams aus sechs Ländern Aufgabenstellung, Bewertung und Infrastruktur gemeinsam auf die Probe stellten. 

Über das Team

Carologistics ist ein interdisziplinäres Team aus Studierenden und Forschenden der FH Aachen (MASKOR-Institut, Professor Alexander Ferrein) und der RWTH Aachen (Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Inferenz, Professor Hector Geffner). Seit 2012 nimmt Carologistics erfolgreich am RoboCup teil und demonstriert damit die enge Zusammenarbeit der beiden Aachener Hochschulen. 2022 und 2025 gewann das Team den Weltmeistertitel in der Logistics League, der Vorgängerliga der Smart Manufacturing League.