Anna-Lena Rönnert

Manchmal entsteht der rote Faden erst im Rückblick

Anna-Lena Rönnert ist Ökonomin mit Weitblick und wissenschaftlichem Gespür. Nach ihrem Studium an der FH Aachen und einem Doppelabschluss in Australien hat sie sich Schritt für Schritt in Richtung Forschung und Politikberatung bewegt – ohne festgelegten Masterplan, aber mit Neugier, Mut und einem Sinn für Chancen. Heute arbeitet sie am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim als Referentin des Präsidenten. Dort ist sie strategische Schnittstelle, Themenentwicklerin und Gestalterin – immer auf der Suche nach dem nächsten Impuls.

Wie hat sich Ihr Weg nach dem Studium entwickelt?

Rückblickend habe ich früher geglaubt, dass Lebenswege immer gut geplant und logisch aufgebaut sein müssten. Tatsächlich waren es jedoch oft Zufälle, spontane Entscheidungen oder äußere Umstände, die mich zum nächsten Schritt geführt haben (im Sinne der Serendipität). Dabei lassen sich meine Stationen im Nachhinein erstaunlich gut miteinander verknüpfen: Jede Erfahrung hat mir neue Perspektiven eröffnet und mich motiviert, den nächsten Schritt zu gehen.

Gab es eine Station, die Sie besonders geprägt hat – vielleicht schon während des Studiums an der FH Aachen?

Ein besonders prägendes Beispiel war meine Zeit an der FH Aachen, wo ich im Wintersemester 2015/16 das Studium ‚International Business Studies‘ aufgenommen habe. Im Rahmen des integrierten Doppelabschlussprogramms verbrachte ich ein Jahr an der University of the Sunshine Coast in Australien. Dort belegte ich unter anderem das Modul ‚Disruptive Innovation‘, das mir eindrucksvoll gezeigt hat, wie spannend, zukunftsgerichtet und kreativ Betriebswirtschaftslehre sein kann – weit weg von dem Klischee des rein ‚trockenen‘ BWL-Studiums. Diese Erfahrung hat mein Interesse an Innovationen geweckt und mich dazu inspiriert, mein erstes Praktikum im Bereich Geschäftsfeldentwicklung bei einem neu gegründeten Geschäftsbereich eines Automobilzulieferers zu absolvieren.

Wie ging es nach dem Bachelor an der FH Aachen für Sie weiter?

Nach meinem Bachelorabschluss habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, zunächst Praxiserfahrungen zu sammeln, bevor ich ein Masterstudium beginne. Ich finde, dass Praktika eine hervorragende Möglichkeit bieten, sich in verschiedenen Themenfeldern auszuprobieren, neue Branchen kennenzulernen und herauszufinden, was einem für den späteren Berufsweg wirklich wichtig ist. Gerade in dieser Phase werden oft spannende und herausfordernde Aufgaben für Studierende und Absolvierende angeboten, die viel Gestaltungsspielraum bieten.
Mich hat es in dieser Zeit für insgesamt zwei Jahre in die Automobilbranche verschlagen, unter anderem für ein sogenanntes PreMaster-Programm sowie zwei Praktika. Diese bewusste ‚Pause‘ vom Studium hat mir wertvolle Einblicke in die Unternehmenspraxis gegeben und mich in meiner Studienwahl weiter bestärkt.

2020 folgte das Masterstudium – und der nächste Impuls?

Während meines Masterstudiums an der Universität Hohenheim habe ich mein Interesse an Innovation und Unternehmertum weiter vertieft. In einem Seminar wurde ich schließlich auf eine ausgeschriebene Promotionsstelle aufmerksam. Das war tatsächlich ein glücklicher Zufall, der zu meinen Interessen passte und den nächsten Meilenstein auf meinem Weg markierte.

Heute arbeiten Sie am ZEW in Mannheim – was machen Sie dort?

So bin ich zum ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim gekommen, wo ich seit Mai 2025 als Referentin des Präsidenten tätig bin. In meiner Rolle bin ich an strategischen, inhaltlichen und kommunikativen Schnittstellen tätig, insbesondere in Bezug auf wirtschaftspolitische Fragestellungen und die Positionierung des Instituts in öffentlichen und politischen Diskursen.
Dabei arbeite ich eng mit dem Präsidenten zusammen und unterstütze ihn bei der Vorbereitung von Vorträgen, schriftlichen Beiträgen und öffentlichen Auftritten. Zudem bin ich in die Gremienarbeit eingebunden, etwa im Rahmen des wissenschaftlichen Beirats, und betreue verschiedene interne Austauschformate. Eine weitere zentrale Aufgabe besteht darin, als Bindeglied zwischen unterschiedlichen Fachabteilungen und Funktionen zu agieren und so die institutsweite Zusammenarbeit zu stärken.

Welche Inhalte beschäftigen Sie zurzeit besonders?

Zurzeit beschäftige ich mich vor allem mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Lage, insbesondere im Hinblick auf das US-amerikanische Zoll-Chaos. Dabei ist es essenziell, stets auf dem neuesten Stand zu sein und die Entwicklungen genau zu verfolgen, um fundierte Einschätzungen abgeben zu können.
Daneben arbeite ich auch an der Weiterentwicklung des Promotionsprogramms am ZEW mit, um Nachwuchswissenschaftler:innen bestmöglich zu fördern und das Programm zukunftsorientiert auszurichten. Da kommt mir meine eigene Erfahrung als Doktorandin zugute.

Wie sehen Ihre beruflichen Ziele aus?

Meine beruflichen Ziele konkret zu formulieren, fällt mir gar nicht so leicht. Wie schon erwähnt, hat sich mein Weg oft durch glückliche Zufälle und spannende neue Möglichkeiten ergeben. Deshalb möchte ich auch weiterhin offen bleiben, diesen Impulsen und der Serendipität zu folgen, um mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen und mich weiterzuentwickeln.
Dabei sehe ich mich eher als Generalistin, die gerne verschiedene Themenfelder miteinander verbindet und stets offen für Neues ist.

Was motiviert Sie in Ihrem Beruf?

Mich motiviert vor allem die Kombination aus Neugierde und dem Wunsch, einen echten Beitrag zu leisten. Ich liebe es, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und daraus Impulse für Praxis und Politik abzuleiten.
Dabei treibt mich an, mit meiner Arbeit etwas zu bewegen, sei es durch innovative Forschung oder durch Impulse für die Wirtschaftspolitik. Es macht mir Freude, ständig Neues zu lernen und mich in wechselnden Themenfeldern weiterzuentwickeln.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit – und wo liegen Herausforderungen?

Was ich an meinem aktuellen Job besonders schätze, ist die große Abwechslung und Dynamik. Kein Tag gleicht dem anderen, und genau das macht die Arbeit für mich spannend und motivierend. Außerdem sind die Themen immer aktuell und von hoher gesellschaftlicher Relevanz, was meiner Arbeit zusätzlichen Sinn und Bedeutung verleiht.
Eine der größten Herausforderungen ist es, stets am Puls der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen zu bleiben. Zudem ist es oft herausfordernd, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufzubereiten und sowohl für politische Entscheidungsträger als auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Hinzu kommen ein hoher Workload und hohe Anforderungen, die eine gute Priorisierung und effizientes Zeitmanagement erfordern.

Inwiefern hilft Ihnen das Studium an der FH Aachen heute noch?

Wie bereits erwähnt, greife ich heute erstaunlich oft auf die wirtschaftlichen Grundlagen zurück, die ich in den Vorlesungen an der FH Aachen gelernt habe. Besonders in aktuellen Diskussionen, etwa zu internationalen Handelsfragen, zeigt sich, wie wertvoll dieses Fundament ist.
Während meines Studiums habe ich mich im Bereich Wirtschaftspolitik mit Blick auf Handelsabkommen intensiv, beispielsweise in meiner Bachelorarbeit, beschäftigt und mich dadurch schon damals inhaltlich mit Themen auseinandergesetzt, die auch heute noch von großer Bedeutung sind.
Viel wichtiger als einzelne Inhalte ist für mich jedoch der Weg, den das Studium angestoßen hat: die praxisnahe Herangehensweise, das Lernen, offen für Neues zu sein, und die Fähigkeit, mich flexibel auf verschiedene Themen und Herausforderungen einzustellen. Diese Einstellung und methodische Basis begleiten mich bis heute in meinem beruflichen Alltag.

 Datum: Juli 2025