Michael Jentgens
„KI muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen.“
Michael Jentgens bewegt sich an der Schnittstelle von Forschung, Wirtschaft und Sprach‑KI. Als Co‑Founder und CEO von laizee leitet er ein Unternehmen, das sich auf KI‑Lösungen für Unternehmen, Kommunen und Behörden spezialisiert hat. laizee, eine Ausgründung der FH Aachen, verbindet Forschung mit praxisnahen Anwendungen und setzt den Fokus auf intelligente Sprachverarbeitung, Automatisierung und barrierefreie Kommunikation. Zu den Produkten zählen Fair Text – eine Lösung zur automatischen Übersetzung in Einfache und Leichte Sprache – sowie Chatbots, die auf unternehmenseigene Dokumente zugreifen und kontextbezogene, faktenbasierte Antworten liefern. Ergänzt wird das Portfolio durch individuelle Projekte und KI‑Beratung, mit denen laizee Organisationen beim Einsatz von KI unterstützt.
Sein Weg begann mit einer dualen Ausbildung zum mathematisch‑technischen Softwareentwickler und der Tätigkeit als Auszubildender in einem kooperierenden Unternehmen in Hückelhoven in der Energiewirtschaft. Im Master verband er Energiewirtschaft und Informatik am Fachbereich 10 und arbeitete zunehmend in der Domäne Energiewirtschaft. Es folgten Forschungsprojekte am NOWUM‑Institut, eine enge Zusammenarbeit mit Prof. Dr. rer. nat. Bodo Kraft und erste Arbeit an KI‑Lösungen zur Extraktion von Informationen aus PDF‑Dokumenten – ein Thema, das später auch in Auszeichnungen einfloss. Gegründet wurde laizee 2021; Herr Jentgens stieg 2024 ein und ist heute Co‑Founder & Chief Executive Officer des Unternehmens, das sich mit „language analytics made easy“ dem Ziel verschrieben hat, Verständlichkeit mit KI zu schaffen.
Herr Jentgens, Sie haben einen eher technisch‑wirtschaftlichen Hintergrund. Wie kamen Sie in die Sprach‑KI?
Mein Weg war sehr pragmatisch und gleichzeitig experimentell. Die duale Ausbildung hat mir das Handwerk vermittelt, später im Master habe ich mich stärker in die Domäne Energiewirtschaft eingearbeitet. Am NOWUM‑Institut beschäftigten wir uns mit praktischen Fragestellungen – etwa wie man Produktpreisblätter aus PDFs automatisch und zuverlässig ausliest. Das Ganze war sehr hands‑on und wurde sogar Teil eines Forschungsprojekts, das mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Über die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. rer. nat. Bodo Kraft und das Lab‑Umfeld sind viele Ideen rund um Sprach‑KI entstanden; daraus hat sich schließlich auch das Umfeld gebildet, aus dem laizee hervorgegangen ist.
Was steckt hinter dem Namen laizee?
Der Name ist bewusst doppeldeutig: laizee steht für „language analytics made easy“ – das ist unser Anspruch. Gleichzeitig klingt es wie „lazy“ und suggeriert: du lehnst dich zurück und die KI übernimmt lästige, repetitive Aufgaben. Die Idee ist nicht, Menschen Arbeit abzunehmen, um Jobs zu erodieren, sondern Routine zu automatisieren, damit Menschen sich auf anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren können. Das ist auch Teil unserer Philosophie: Nutzer:innen stehen im Zentrum, Lösungen müssen von unten heraus entstehen – man muss die tatsächlichen Problemprozesse verstehen, nicht Top‑Down etwas konstruieren.
Was treibt Sie persönlich an?
Mich reizt die Verbindung von Forschung und praktischer Anwendung. Ich finde es spannend, aus einer Idee ein Produkt zu machen, das echte Probleme löst. Außerdem ist mir wichtig, dass die Technologie den Nutzerinnen und Nutzern hilft – Verständlichkeit ist unser ambitioniertes Ziel. Und ganz banal: gutes Teamwork und ein tolles Team motivieren mich jeden Tag. Wir pflegen im Team eine Form von Freundschaft, verbringen auch privat Zeit miteinander und haben regelmäßig Offsites, kochen zusammen oder machen eine Weinverkostung. Das stärkt die Zusammenarbeit enorm.
Wie ist laizee organisatorisch und inhaltlich aufgestellt?
Technisch sind wir eng mit der Forschung verbunden – unsere Mitarbeitenden sind größtenteils noch in Teilzeit in Forschungsprojekten der Hochschule integriert. Das gibt uns Zugang zu tiefem Know‑How und gleichzeitig die Hands‑on‑Kultur, die wir aus der Industrie kennen. Wir sind ein kleines, wachsendes Team und arbeiten daran, ein Produkt zu entwickeln, das Sprach‑KI für Unternehmen praktisch nutzbar macht. Wir wollen nicht der nächste große Hype‑Player sein, der nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwindet, sondern ein nachhaltiger Anbieter für Verständlichkeit und Produktivität.
Welche Rolle hat das Thema Hands‑on für Sie – auch als Tipp an Studierende?
Softwareentwicklung ist Handwerk. KI kann in der Theorie sehr trocken sein; mein Rat an Studierende ist klar: fangt an, macht eigene kleine Projekte, setzt Mini‑Use‑Cases um. So lernt man, wie man eine Idee wirklich zur Anwendung bringt. Praxis ist entscheidend. Private Projekte, kleine Anwendungen, Praktika – das alles hilft, das abstrakte Wissen greifbar zu machen.
Und wie sehen Sie die Rolle von KI für Arbeitsplätze?
Ich glaube nicht an das Bild, dass KI automatisch Jobs vernichtet. Wenn wir Aufgaben klug automatisieren, entsteht Raum für neue Rollen, bessere Beratung und anspruchsvollere Tätigkeiten. Wichtig ist, Menschen einzubinden, ihre Prozesse zu verstehen und Lösungen zu bauen, die echten Mehrwert liefern. Unser Anspruch bei laizee ist genau das: KI so einsetzen, dass Menschen besser arbeiten können.
Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade arbeiten?
Ich versuche, Sport zu machen und ich gehe gern gut essen – Kulinarik ist eine Leidenschaft im Team und privat. Diese kleinen Auszeiten sind wichtig, um kreativ und konzentriert zu bleiben.
Was darf man in den nächsten Jahren von laizee erwarten?
Wir möchten uns als Player im Bereich Verständlichkeit etablieren. Kurzfristig wachsen wir weiter, bauen das Produkt aus und bleiben eng mit Forschungsprojekten verbunden. Langfristig sehen wir uns als Unternehmen, das Unternehmen hilft, Sprache und Informationen nutzbar und verständlich zu machen – ohne dabei die Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Noch ein kleines persönliches Abschlusswort?
Seid praktisch, probiert aus, und verliert nicht die Freude am gemeinsamen Arbeiten. Technologie ist nur so gut wie die Menschen, die sie anwenden.
Datum: September 2025