Ralf-Richard Kenter
"Ich bin der Überzeugung, dass man (fast) alles schaffen kann, wenn man es ernsthaft versucht."
Kaum ein Ort im Rheinland weckt so viele Kindheitserinnerungen wie das Phantasialand – und kaum jemand kennt es hinter den Kulissen so gut wie Ralf-Richard Kenter. Der Absolvent des Fachbereichs Maschinenbau an der FH Aachen ist heute Beauftragter der Geschäftsführung und begleitet das Unternehmen seit über 30 Jahren. Ob strategische Kommunikation, Sicherheitsfragen oder Großprojekte zur Standortsicherung – er kennt alle Prozesse im Detail. Im Gespräch erzählt er, wie ihn das Studium an der FH Aachen auf diese Rolle vorbereitet hat, warum ihn neue Herausforderungen motivieren – und weshalb ein Projekt ihn nun schon seit fast drei Jahrzehnten begleitet.
Herr Kenter, Sie sind seit mehr als drei Jahrzehnten im Phantasialand tätig. Hätten Sie das zu Studienzeiten erwartet?
Nein. Mein Weg hat sich nicht so sehr aus konkreten Entscheidungen ergeben, sondern aus beruflichen Aufgabenstellungen. Als ich 1998 ein Standortsicherungskonzept für das Phantasialand entwickeln sollte, hätte ich nicht im Entferntesten gedacht, dass dieses Verfahren, wegen der Dauer öffentlich-rechtlicher Verfahren sowie der Einflüsse aus Politik und Öffentlichkeit, selbst 27 Jahre später noch nicht abgeschlossen sein würde.
Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit besonders?
Abwechslung. Es ist stets spannend, sich in neue, unbekannte Themenfelder einzuarbeiten und dort Lösungen zu finden – gerade, wenn andere behaupten, dass etwas nicht geht. Ich bringe angefangene Dinge gerne zu einem erfolgreichen Ende.
Was sind heute Ihre Aufgaben im Phantasialand?
Ich bin Beauftragter der Geschäftsführung und vertrete das Unternehmen im politisch-administrativen Umfeld, kommuniziere mit Nachbarn und kritischer Öffentlichkeit, auch mit der Presse. Ich bin Projektleiter des Standortsicherungs- und Erweiterungsverfahrens und Ansprechpartner für externe Juristen. Zusätzlich verantworte ich auf Direktionsebene den Bereich Sicherheit (Objektschutz, Brandschutz) sowie Sonderthemen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder den Energieeinkauf.
Das klingt nach einem sehr breiten Aufgabenfeld. Wie hilft Ihnen dabei das Studium an der FH Aachen?
Das Studium hat die Basis für ein grundlegendes Verständnis technischer Zusammenhänge geschaffen. So konnte ich mich sowohl in die Projektleitung für Hochbauten und Fliegende Bauten, aber ebenso in Führungsaufgaben der Sicherheit, der Wartung und Instandhaltung, der Gastronomie, der Energietechnik, der Abfallwirtschaft und des Umweltschutzes einarbeiten. Ergänzt um das Wissen aus dem Wirtschaftsingenieurwesen sowie die langjährige Berufserfahrung mit juristischen Fragestellungen verstehe ich mich heute als Generalist und in der Lage, in jedem Aufgabengebiet Führungsaufgaben zu übernehmen und Lösungen anzubieten.
Was hat Sie an Ihrem Studium besonders interessiert?
Ich habe mich schon vor dem Studium für Energieerzeugung interessiert, zum Beispiel Kernfusion. Unbegrenzt verfügbare, preiswerte Energie wäre, meiner Meinung nach, der Schlüssel zur Lösung vieler globaler Probleme. Daher habe ich alle verfügbaren Kurse zur Energieerzeugung belegt – also mehr, als eigentlich notwendig gewesen wäre.
Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Meine Familie ist mir sehr wichtig – das ist meine Basis. Außerdem sind mir Ehrlichkeit und Verlässlichkeit wichtig. Ich glaube fest daran, dass man fast alles schaffen kann, wenn man es ernsthaft versucht – aber eben nicht alles gleichzeitig. Man muss Prioritäten setzen und sich ihrer Konsequenzen bewusst sein.
Und wenn Sie mal Feierabend haben, wie entspannen Sie dann am liebsten?
Beim Sport in der Natur. Außerdem interessiere ich mich für KI und habe ein paar Onlinekurse begonnen.
Gab es etwas, das Sie mit der Hochschule verbunden hat – vielleicht sogar bis heute?
Ja, absolut. Besonders eindrücklich war für mich ein Besuch mit meiner Tochter auf dem Campus Jülich vor zwei Jahren. Dort habe ich ihr meine Vita gezeigt – auf einer Stele im Rahmen der Ausstellung zum 50-jährigen Jubiläum der FH Aachen. Das war ein sehr persönlicher und emotionaler Moment. Auch das Interview, das damals mit mir geführt wurde, hat mich sehr gefreut. Es zeigt, dass die Verbindung zur Hochschule nicht abgebrochen ist.
Datum: August 2025