Studierendenwork- shop Februar 2014

Studierende erarbeiten Maßnahmen für besseren Studienstart und gute
Studienbedingungen


Im Februar 2014 bezogen 14 Studierende verschiedener Semester und Fachbereiche des Campus Jülich der FH Aachen für drei Tage ein Hotel am Nürburgring, um dort über die Verbesserung der Studienbedingungen zu diskutieren. Prof. Dr. Martin Pieper vom Fachbereich Energietechnik hatte die Gruppe, die je zur Hälfte aus ehemaligen Abiturienten und Studierenden, die zuvor eine berufliche Ausbildung absolviert hatten, bestand, bewusst heterogen zusammengestellt, um möglichst viele unterschiedliche Meinungen zu erhalten. „Die Grundidee des Workshops war, dass die Studierenden ja sozusagen meine Kunden sind, und das Ziel ist, dass die Kunden zufrieden sind. Daher sollte man seine Kunden fragen, was gut läuft und was verbessert werden kann“, erklärt Prof. Pieper. Und so nutzte er die Lehrprämie – Geld, das er im vergangenen Jahr für seine herausragende Lehre erhalten hatte –, um mit den Studierenden den Workshop zu konzipieren und zu realisieren.


Der Dekan des Fachbereichs Energietechnik, Prof. Dr. Josef Hodapp, freut sich über Prof. Piepers Engagement: „Herrn Pieper gilt mein Dank, dass er mit dem Workshop eine neue Form der Einbindung der Studierenden in die Entwicklung des Fachbereichs ausprobiert hat. Und mein Dank geht auch an die Studierenden, die sich dem Thema gestellt haben. Unsere Studienprogramme müssen sich an den Bedürfnissen der Studierenden orientieren. Wir haben zwar mit dem Staat und den zukünftigen Arbeitgebern weitere wichtige Interessen- und Kundengruppen, primär richtet sich unser Programm aber an die Studierenden“, sagt er. Die Haltung, Studierende eher als Kunden denn als Schüler zu betrachten, teilt auch Prof. Dr. Stefan Bauschke. Als Vorsitzender der Qualitätsverbesserungskommission (QVK) des Fachbereichs Energietechnik und Marketingexperte hat er maßgeblich dazu beigetragen, diese Sichtweise im Fachbereich zu etablieren. Er hält eine Beteiligung der Studierenden, etwa im Rahmen des Workshops, für extrem wichtig. „Auch für uns Hochschulen gelten die Gesetzte des Marktes. Unsere Studierenden sind ein Kundenkreis und die Studiengänge mit Abschluss sind einige unserer Produkte für sie. Wir können unser Angebot in jeder Hinsicht nur dann zielgenau optimieren, wenn wir die Bedürfnisse und Probleme unserer Kunden genau kennen und passende Lösungen anbieten“, sagt er.

Die Teilnehmer des Workshops fanden an den Studiengängen wenig zu bemängeln. „Wir haben anhand eines Fragebogens herausgefunden, dass der Hauptgrund für ein Studium am Campus Jülich bei fast allen Teilnehmern die speziellen Ausrichtungen der Studiengänge sind, die so nur in Jülich angeboten werden“, so Prof. Pieper. Weitere häufig genannte Gründe waren ein guter Eindruck beim Tag der offenen Tür und beim Hochschulinformationstag, der neue Campus Jülich mit seiner modernen Ausstattung sowie die Nähe zum Wohnort. „Überraschenderweise waren Ranking-Ergebnisse in Zeitungen zumindest in unserer Befragung eher zweitrangig“, so Prof. Pieper. Für ihn sei ein wichtiges Ergebnis des Workshops, dass der Fachbereich mithilfe des Fragebogens und der anschließenden Diskussion ein besseres Verständnis dafür gewinnen konnten, wie und nach welchen Kriterien Studieninteressierte ihren Studienplatz auswählen.

Auch die QVK hat einen Fragebogen für die Studierenden des Fachbereichs erarbeitet, der auf dem hochschulinternen Server ILIAS bereit liegt. „Wir nehmen die Informationen, Probleme und Vorschläge gerne auf, sie müssen dann an mehreren Stellen im Haus auf Umsetzung geprüft werden müssen“, sagt Prof. Bauschke. „Wir versuchen das Potenzial an konstruktiver Kritik möglichst einfach für die Studierenden zu aktivieren. Jede Reklamation ist ein Geschenk des Kunden. Wir müssen auf Kritik achten, sonst können wir uns nicht verbessern“, sagt Prof. Bauschke und fügt bedauernd hinzu, dass jedoch leider nicht jeder Vorschlag umsetzbar sei.

Mindestens eine Idee der Studierenden des Workshops am Nürburgring wird indes schon bald Realität: Die Studierenden erarbeiteten einen Mathematiktest, der sich speziell an Studieninteressierte richtet, die sich auf einen Studienplatz am Fachbereich Energietechnik bewerben möchten. Der Test wird ab dem nächsten Wintersemester zunächst offline mit den Studienanfängern ausprobiert, anschließend entscheidet das Dekanat über eine Teilnahme am Internetportal „StudiFinder“ der Universität Bochum (www.studifinder.de). Dort können Studieninteressierte nicht nur Informationen zu verschiedenen Hochschulen und Studiengängen finden, sondern auch anhand spezieller Tests prüfen, ob etwa ihre Mathematikkenntnisse für den gewünschten Studiengang ausreichen. „Die Gruppe hat das Für und Wider einer Beteiligung des Fachbereichs Energietechnik kontrovers diskutiert. Das Thema polarisiert. Einige finden solche Tests hilfreich, da sie speziell auf einen Studiengang abzielen, andere sagen, die Tests können auch eine abschreckende Wirkung haben“, sagt Prof. Pieper.

Sind die Studierenden an einer Hochschule eingeschrieben, bevorzugenSie eine gute Mischung aus interaktiven Vorlesungen und Übungen, so lautet eine weitere Erkenntnis des Workshops. Die Studierenden begrüßen aber auch moderne E-Learning Angebote als Ergänzung für das Heimstudium und zur Prüfungsvorbereitung. Wichtig sei ihnen immer auch der persönliche und ständige Austausch zwischen Dozent und Studierenden, so Prof. Pieper. Die QV-Kommission des Fachbereichs sieht in den digitalen Medien ebenfalls eine wertvolle Bereicherung der Vorlesungen und Übungen, und so unterstützt sie mit ihrem Geld neben zusätzlichen Tutorenstellen vor allem die Erstellung von E-Learning-Videos. Außerdem berät sie den Fachbereich in Sachen Qualitätsverbesserung und macht Vorschläge zur sinnvollen Verwendung finanzieller Mittel.

Die Erkenntnisse und ein Teil der Workshop-Ergebnisse fließen nun in dieArbeit der QVK sowie der Arbeitsgruppen „Marketing“ und „zeitgemäße Lehrkonzepte“ des Dekanats ein. Dekan Prof. Hodapp geht sogar noch einen Schritt weiter: „Dieser Workshop und seine Ergebnisse sind ein Bereicherung auch für unser Lehrangebot. Es ist zu überlegen, ob und in welchem Rahmen wir eine solche Veranstaltung jährlich durchführen können.“ l SE