Details
Wir sind dann mal auf dem Weg
FH Aachen | Arnd Gottschalk
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Wer pilgert, macht sich auf den Weg zu sich selbst. Und auch die Kirchen haben sich auf einen Weg der Veränderung begeben, um den sich ändernden Lebensgewohnheiten der Menschen im 21. Jahrhundert gerecht zu werden. In der Aachener Kirche St. Hubertus werden jetzt vier Bachelorarbeiten von Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Architektur präsentiert, die Wege für die Weiternutzung des Gebäudes als Pilgerort aufzeigen. Parallel ist die Ausstellung des Forschungsprojekts TRANSARA zu sehen, die sich mit dem Thema Sakralraumtransformation beschäftigt.
Menschen machen sich auf den Weg
“Ich bin dann mal weg”: Das Buch von Hape Kerkeling und der gleichnamige Film haben das Thema Pilgern in die Mitte des öffentlichen Interesses befördert. Zahlreiche Menschen machen sich auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, zu Fuß oder per Rad, in kurzen Abschnitten oder drei Monate lang auf der gesamten Strecke. Sie alle eint, dass sie auf ihrem Weg Orte der Einkehr benötigen.
Nutzung als Pilgerkirche
Prof. Dr. Anke Fissabre und Prof. Heike Matcha hatten die Umwandlung der denkmalgeschützten Kirche St. Hubertus in eine Pilgerkirche als Aufgabe für Bachelorarbeiten gestellt. Kern der Aufgabenstellung war eine hybride Nutzung: Die Kirche soll weiterhin für Gottesdienste zur Verfügung stehen, zugleich werden aber 15 Übernachtungsplätze sowie sanitäre Einrichtungen für Pilgernde integriert – entweder im Kirchenraum selbst oder in der unmittelbaren Umgebung. Die Ein- und Umbauten sollen reversibel sein.
FH Aachen | Arnd Gottschalk
"Kristalliner Betonfelsen"
Eine besondere Herausforderung für die Studierenden war, dass St. Hubertus nicht irgendeine Kirche ist. Der Entwurf stammt aus der Feder des Architekten Gottfried Böhm. Sie wurde 1962 fertiggestellt und lässt sich als “kristalliner Betonfelsen” charakterisieren. Entsprechend galt es, einen angemessenen Umgang mit dem beeindruckenden Innenraum, aber auch mit dem prägnanten Baukörper insgesamt zu finden.
Den besonderen Charakter des Orts verstehen
Im Rahmen der Ausstellung werden die Arbeiten von Julia Busch, Lea Frantzen, Tabea Schauff und Daniel Wessels gezeigt. Bei der Eröffnung erzählen sie, wie sie sich dem Thema genähert haben. “Zu Beginn haben wir viel recherchiert, um uns in das Thema hineinzudenken”, sagt Daniel Wessels. Lea Frantzen ergänzt: “Wir wollten den besonderen Charakter des Orts verstehen und den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden.” Drei Monate hatten sie Zeit, ihre Entwürfe zu entwickeln und auszuarbeiten. In der Kirche werden jetzt neben den Plänen und dem erläuternden Text auch Modelle gezeigt. Tabea Schauff etwa hat sich in ihrer Arbeit “Bergkristall” an der Formensprache der Bestandsarchitektur orientiert und für die Schlafplätze einen Raum entworfen, der die Form eines Kristalls hat.
FH Aachen | Prof. Heike Matcha
Interdisziplinäres Forschungsprojekt
Profitiert haben die Studierenden auch vom engen Austausch mit den Forscher:innen, die am Projekt “TRANSARA: Sakralraumtransformation. Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland” beteiligt sind. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert; beteiligt sind Fachleute aus den Bereichen Theologie, Architektur, Denkmalpflege und Kunstgeschichte, aber auch aus der Immobilienwirtschaft. Ziel dieses interdisziplinären Forschungsprogramms ist es, durch die Zusammenführung der unterschiedlichen Forschungsansätze eine praxisrelevante “Theorie des sakralen Raumes” im 21. Jahrhundert zu erarbeiten. Das Projekt konzentriert sich auf die Untersuchungsräume Aachen und Leipzig, weil sie einen Vergleich zwischen Regionen mit unterschiedlichen konfessionellen Prägungen, Ost und West, städtischen und ländlichen Räumen ermöglichen. Der Projektkoordinator Prof. Dr. Albert Gerhards betonte bei der Ausstellungseröffnung, Kirchen seien mehr als architektonische Gebilde; ihnen komme eine besondere sakrale und soziale Bedeutung zu.
FH Aachen | Arnd Gottschalk
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Informationen
Die Ausstellung ist bis zum 23. November 2025 immer dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Die Adresse lautet Händelstraße 6, 52074 Aachen. Die Finissage findet am 29. November 2025 ab 16.30 Uhr statt. Zur Finissage sind szenographische Interventionen von und mit Studierenden der RWTH Aachen (Lehrstuhl für Kunst und Grundlagen des Gestaltens, Hannah Groninger, Prof. Michael Beutler) zu sehen. Anmeldung zur Finissage bitte unter: infotransara.de