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Mitten im Leben
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Es sind alte Hände. Hände, die Geschichten erzählen. Hände, die berühren. Sie sind auf dem Titel des Bandes „Who cares“ zu sehen, der zur Fotoausstellung von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung gehört, die jetzt im AOK-Haus am Karlshof in der Nähe des Aachener Markts gezeigt wird. Knapp zwei Jahre lang haben die Studierenden des Lehrgebiets Fotografie unter Leitung von Prof. Lorenz Gaiser Mitarbeitende und Bewohner:innen des Seniorenzentrums Haus St. Raphael in Laurensberg fotografisch begleitet; das Ergebnis ist zutiefst berührend.
FH Aachen | Fachbereich Gestaltung
Menschen in ihrer Einzigartigkeit zeigen
Das Projekt basiert auf der Idee, Menschen, die in Heimen leben und arbeiten, jenseits der bekannten Rollenzuschreibungen mit ihren individuellen Geschichten stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Die Fotografien zeigen die Bewohner:innen in ihrer Einzigartigkeit und Würde genauso wie die sie umgebenden Menschen, deren Einsatz von Empathie, Verantwortung und oft unsichtbarer Hingabe geprägt ist.
Mehr als eine Dokumentation
“Unsere Arbeit geht über die rein dokumentarische Ausstellung hinaus”, sagt Lorenz Gaiser, denn die Porträtierten wurden selbst zu Beteiligten des Projekts. Sie hatten die Möglichkeit, kurze Texte zu verfassen – sie sind handschriftlich im Ausstellungsband abgedruckt. Zudem steuerten sie Fotos von Gegenständen und Erinnerungsstücken bei. “Eine eigene Unmittelbarkeit und Würde” werde durch diese Elemente erzeugt, so Lorenz Gaiser.
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Großes Vertrauen
Im Mittelpunkt aber stehen die großformatigen Porträts. Die Studierenden Sarah Leininger, Hannah Ochs, Katrin Houben, Fabienne Eschweiler und Jara Reker sind mehrmals in das Seniorenzentrum gefahren, um die Porträtierten und ihr Lebensumfeld kennenzulernen. Sarah Leininger erzählt, die anfängliche Skepsis der Bewohner:innen und Mitarbeitenden sei schnell einem großen Vertrauen gewichen. Lorenz Gaiser betont: “Im Verlauf ist eine respektvolle und konzentrierte Zusammenarbeit entstanden.” Für die Studierenden sei das eine prägende Erfahrung, die weit über den Projektzeitraum hinausreiche.
Ins öffentliche Interesse rücken
Bei der Eröffnung sagte Ulla Griepentrog, stellvertretende Bürgermeister der Stadt Aachen, es sei wichtig, Öffentlichkeit für das Thema Pflege zu schaffen. Sie dankte allen Beteiligten und betonte: “Das Buch zeugt davon, wie viel Vertrauen da gewachsen ist.” Annika Schmitz, Dezernentin für Soziales, Gesundheit und Digitalisierung der StädteRegion Aachen, ergänzte, die Ausstellung schaffe neue Blickwinkel auf das Thema und rücke es in die Mitte der Gesellschaft.
"Wir sind mittendrin"
AOK-Regionaldirektor Heiko Jansen ist ebenfalls vom Projekt überzeugt: “Die Betreuung und Versorgung in einer Pflegeeinrichtung ist ein wesentlicher Baustein der Sorge im letzten Lebensabschnitt. Viele Menschen verdrängen oder tabuisieren dies. Diese Ausstellung ist ein wunderbarer Beitrag dazu, einen positiven und ermutigenden Blick auf Pflege und Altern zu wagen.” Eine treibende Kraft hinter dem Projekt war Margit Umbach, Quartiersmanagerin in Laurensberg. Zur Ausstellungseröffnung sagte sie: “Wir sind mittendrin, wir öffnen uns, wir brauchen mehr Beteiligung.”
FH Aachen | Arnd Gottschalk
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Infos zur Ausstellung
Organisiert wird die Ausstellung gemeinsam mit dem Quartiersnetz Laurensberg und der AOK Rheinland/Hamburg, Regionaldirektion Aachen – Düren – Heinsberg. Sie findet vom 27. April bis zum 5. Juni im AOK-Haus in Aachen, Karlshof am Markt 45-47, statt. Geöffnet ist sie Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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