Virtuelle Bühne für die Forschung

Melanie Jablonski gewinnt Vortragspreis bei der IMCS-Konferenz

Wissenschaftliche Konferenzen bieten Nachwuchsforscher:innen eine hervorragende Bühne, um ihre Arbeit zu präsentieren. Die Doktorand:innen des Instituts für Nano- und Biotechnologien (INB) der FH Aachen nutzen diese Chance seit vielen Jahren – so auch Melanie Jablonski, die ihre Forschungsergebnisse zu der Anbindung von Biomolekülen auf Sensoroberflächen mit Hilfe von Tabakmosiakviren als Nanocarrier jüngst bei der Konferenz "18th International Meeting on Chemical Sensors" mit zwei Vorträgen präsentierte und dafür den zweiten Preis im Bereich "Student Presentation" gewann.
"An der Tagung haben 500 Fachleute aus der ganzen Welt teilgenommen, es gab mehr als 300 Vorträge", berichtet die 32-Jährige, die seit 2017 am INB promoviert. Pandemiebedingt fand das IMCS virtuell statt, die Vorträge wurden teilweise live via Webkonferenz gehalten, teilweise als Aufzeichnung eingespielt. "Es ist natürlich besser, an einer realen Konferenz teilzunehmen und sich von Angesicht zu Angesicht mit anderen austauschen zu können", sagt Melanie Jablonski. Auch der Direktor des INB, Prof. Dr. Michael J. Schöning bekräftigt: "Es geht viel verloren. Der informelle Austausch und der Aufbau von Netzwerken ist in der virtuellen Welt viel schwieriger." Als Beispiel nennt er die mehr als 20 Jahre währende Kooperation des INB mit der Tohoku-Universität im japanischen Sendai, die auf solch ein persönliches Treffen im Rahmen einer Konferenz zurückgeht.
Für Prof. Schöning ist wichtig, dass Promotionen heute über die Forschungsarbeit an sich hinausgehen. "Wir bilden die jungen Leute zu Forschungs- und Projektmanagern aus", sagt der INB-Direktor. Dazu gehören die sogenannten "Transferring Skills", also die Wissensvermittlung. Sie sind im Promotionscurriculum verankert und umfassen neben Präsentationen auf wissenschaftlichen Tagungen beispielsweise auch die Teilnahme an Workshops und Vorträge vor Schüler:innengruppen. Hinzu komme auch eine verstärkte Einbindung in den administrativen Bereich. "Damit sind unsere Doktorandinnen und Doktoranden bestens für den Einstieg ins Berufsleben aufgestellt", so Prof. Schöning.
Für Melanie Jablonski bricht jetzt die letzte Phase ihrer Promotion in Kooperation mit Prof. Dr. Michael Keusgen von der Philipps-Universität Marburg an - im Jahr 2022 will sie fertig werden. Anwendung findet ihre Forschung zum Beispiel bei der Entwicklung von enzymatischen Biosensoren. Derzeit beschäftigt sie sich unter anderem damit, Acetoin und Diacetyl sensorisch zu erfassen. "Der richtige Reifungsprozess von Bier oder Wein hängt ganz entscheidend von der Lagerdauer und einer optimalen Konzentration dieser Geschmacksträger ab, die bisher nur mit aufwändigen Verfahren messbar sind", erklärt Jablonski. "Mit Hilfe eines eigens entwickelten Chip-basierten Sensors zur Messung von Acetoin in alkoholischen Getränken, könnte der Gärungsprozess sehr genau beobachtet werden."
Generell stellt die gezielte Ankopplung der etwa 300 nm langen Tabakmosaikviren an die Sensoroberfläche eine hoch spannende und wissenschaftlich anspruchsvolle Thematik dar, da viele Wechselwirkungsmechanismen auf Nanometerskala noch nicht im Detail ergründet sind. Weiterführende Grundlagenuntersuchungen werden deshalb seit Jahresbeginn im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsvorhabens gestartet, bei denen die Universität Stuttgart die Tabakmosaikviren weiter modifiziert und funktionalisiert; beide Partner sehen gespannt den gemeinsamen Experimenten entgegen.