2. Semester MA

Container & Costumes

Set, Bühnenbild und Kostüm für ein Theaterstück

„Das Theater ist kein Abbild der Welt, sondern ein Modell von ihr.“ Bertolt Brecht

Theater ist kein Ort der Wahrheit, sondern der Setzung. Er operiert mit Behauptungen, mit Konstruktionen von Raum, Zeit und Körper. Bühnenbild und Kostüm sind keine dienenden Elemente, sondern eigenständige Akteure innerhalb einer szenischen Versuchsanordnung. Sie erzeugen Bedingungen, unter denen Spiel möglich wird. Dieses Seminar versteht Theater als Experimentierfeld zwischen Text, Raum, Gestalt und Material. Es geht nicht um Illustration, nicht um Ausstattung, nicht um Dekoration – sondern um Übersetzung, Verschiebung und Interpretation. Bühne ist ein Container. Kostüm ist ein Kostüm. Beides ist Behauptung.

Jede Zweiergruppe erhält zu Beginn ein Theaterstück. Der Text ist Material. Er wird gelesen, zerlegt, befragt, ignoriert, neu zusammengesetzt. Gesucht ist keine narrative Nacherzählung, sondern eine räumlich-gestalterische Lesart Ihres Theaterstückes. Bühne ist dabei kein realer Raum, sondern ein Möglichkeitsraum. Gesucht ist keine Interpretation im klassischen Sinne, sondern eine räumliche Antwort auf einen Text.

13.04. Einführung | 20.04. | 27.04. | 04.05. Ex | 11.05. ZWP Grafische Analyse

Prozesse statt Ergebnisse. Die Arbeit entwickelt sich in Schichten der Analyse und Verdichtung. Textanalyse bedeutet hier: atmosphärisches Lesen. Welche Spannungen entstehen?  Welche Kräfte wirken zwischen Figuren? Welche Räume sind angedeutet, welche fehlen? Diese Beobachtungen werden auf einem A1-Format verdichtet: Textfragmente, Bilder, grafische Setzungen, Materialstudien. KI-Visualisierungen und Plots bleibt außen vor. Mit einer von Ihnen ausgewählten Szene geht es an den Entwurf eines Bühnenraums.

18.05. Bühnenraum | 25.05 Pfingsten | 01.06. | 08.06. ZWP Bühnenbild M 1: 50

Raum und Setzung. Die Analyse führt zur Wahl Ihrer Szene, Ihres Bühnenraums.
Nicht als Abbild, sondern als Behauptung. Der Raum wird als Modell im Maßstab 1:50 umgesetzt.
Material, Konstruktion, Offenheit oder Fragmentierung sind Teil der Aussage. Der Bühnenraum ist ein System, das Spiel ermöglicht – oder verhindert. 

15.06. Costume | 22.06. | 29.06. ZWP Costume

Für eine ausgewählte Figur entsteht ein Kostümentwurf als Modell im Maßstab 1:6. 
Körper und Hülle. Das Kostüm ist keine Kleidung, sondern eine zweite Haut, ein Zeichen, ein Widerstand. Materialität, Maßstab, Leere, Dichte, Zugänglichkeit oder Ausschluss sind Teil der Aussage. Sie verhandelt Haltung, Bewegung, Präsenz – im Dialog mit dem entworfenen Bühnenraum.

06.07. Last Exit | 13.07. Abgabe

Am Ende steht kein fertiges Bühnenbild, kein abgeschlossenes Kostüm, kein richtig oder falsch. Präsentiert wird ein szenografisches Denken, bestehend aus:einer konzeptionellen Arbeit auf A1, einem Bühnenraummodell (1:50) und einem Kostümmodell (1:6) Die Arbeiten verstehen sich als Positionen. Sie zeigen eine Haltung zum Text, zum Theater, zur Illusion. Es entstehen keine Lösungen, sondern Positionen. Keine Antworten, sondern Setzungen.