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IT-Forensik: Datendetektiv mit Herz
FH Aachen | Arnd Gottschalk
Tick, tick, tick macht die Uhr. Diese Zeiten sind für viele Menschen vorbei; sie tragen heute einen Minicomputer am Handgelenk. Die sogenannten Smartwatches (oder allgemein Wearables) erfassen eine Vielzahl von Daten. Die Geräte vereinfachen nicht nur das tägliche Leben, sondern eröffnen auch neue Möglichkeiten in der Strafverfolgung. FH-Absolvent Betajjit Randhawa hat in seiner Bachelorarbeit im Fach Informatik aufgezeigt, wie zuverlässig sie sind und wie belastbar die Daten sind.
Nutzung als Beweismittel
Das Forschungsgebiet der IT-Forensik beschäftigt sich mit der Frage, wie digitale Spuren gesichert, untersucht und bewertet werden können, etwa im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens. Im Fall der Wearables geht es also darum, ob die Aufzeichnungen als Beweismittel geeignet sind. Neben der aktuellen Zeit halten die Geräte auch Körper-, Bewegungs- und Umweltdaten fest. Dazu gehören Herzfrequenz, Schritte, Schlaf und GPS-Standort.
Aufregung war live zu sehen
Betajjit Randhawa hat sich vor allem um das Thema der Herzfrequenz gekümmert. “Ich habe drei Wearables getestet und die Werte mit einem EKG-Gerät abgeglichen”, erzählt er. In der Praxis sah das so aus, dass er mit drei Uhren am Handgelenk durch die Hochschule gelaufen ist. “Als ich das Konzept für meine Arbeit meinem Professor und anderen Studierenden vorgestellt habe, hat man meine Aufregung ganz deutlich an den Daten live gesehen”, erzählt er.
Wie ein digitaler Fingerabdruck
Wenn der Mensch in eine herausfordernde Situation kommt, reagiert der Körper – etwa durch einen beschleunigten Herzschlag. Dieses Phänomen können sich auch Strafverfolgungsbehörden zunutze machen. So kann in einem Verfahren die Herausgabe von digitalen Daten erwirkt werden; diese können dann mit anderen Angaben abgeglichen werden, etwa einer Zeugenaussage. Konkret: Wenn ein Beschuldigter angibt, zum Zeitpunkt der Tat zuhause in seinem Bett geschlafen zu haben, kann die Auswertung der Smartwatch diese Angaben belegen – oder eben nicht. “Das ist wie ein digitaler Fingerabdruck”, erklärt der FH-Absolvent. Wenn etwa eine andere Person die Smartwatch trägt, kann das durch einen Abgleich herausgefunden werden. Eine Rolle spielt auch die Frage, ob und wie die Daten von Wearables ausgelesen und ob sie gefälscht werden können.
Kooperation mit dem LKA
Seine Bachelorarbeit hat Betajjit Randhawa in Kooperation mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA) geschrieben. Das LKA spielte auch – einige Jahre früher – eine Rolle bei seiner Studienwahl. “In der Schule habe ich nie Informatik gehabt”, erzählt er, “auf der Website der FH Aachen bin ich dann auf einen Artikel gestoßen, in dem es um einen Absolventen der IT-Forensik ging, der jetzt beim LKA arbeitet.”
Kampf für Gerechtigkeit
Die Suche nach Wahrheit, der Kampf für Gerechtigkeit – das seien Aspekte, die zentral für ihn seien. Aus diesem Grund habe er sich für den Bachelorstudiengang Informatik am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik eingeschrieben. “Die FH Aachen hat mir gezeigt, dass die Informatik eine lebendige, praxisnahe Wissenschaft mit einer sozialen Komponente ist.” Hinter den Daten stehe immer ein Mensch, betont er.
"Allein hätte ich das nicht geschafft"
Der Start ins Studium sei schwierig gewesen, aber die gute Betreuung an der FH hätten ihm geholfen sich durchzubeißen. Am wichtigsten sei aber der Zusammenhalt unter den Studierenden gewesen: “Allein hätte ich das nicht geschafft.” Eine entscheidende Motivation in den ersten Semestern sei die Aussicht gewesen, im weiteren Studienverlauf das Wahlmodul IT-Forensik belegen zu können. Das wird angeboten von Prof. Dr. Marko Schuba, der den Bereich IT-Sicherheit gemeinsam mit dem Kollegen Prof. Dr. Georg Neugebauer betreut. Zum Programm gehört auch jährlich eine Tagung, bei der Fachleute sich zum Erfahrungsaustausch treffen. “Bei einer der Veranstaltungen hat Philip Schütz einen Vortrag gehalten. Das ist der Absolvent, um den es in dem Artikel ging”, erzählt Betajjit Randhawa. Er sprach ihn an, und aus diesem Kontakt entstand die Möglichkeit, seine Bachelorarbeit beim LKA zu schreiben. “So hat sich der Kreis dann geschlossen”, erzählt er lachend. Nach seinem Studienabschluss hat Randhawa eine Stelle bei einer Strafverfolgungsbehörde in NRW angetreten. “Auch da arbeiten wir im Team zusammen”, berichtet er, “gemeinsam kämpfen wir für Gerechtigkeit.” Und auch seiner FH ist er sehr verbunden – bei der jüngsten Auflage der IT-Sicherheitstagung trat er selbst als Redner auf und präsentierte die Ergebnisse seiner Arbeit.