Details

„Man braucht Mut und manchmal etwas Glück, um seinen eigenen Weg zu gehen.“

Vortrag von Prof. Dr. Julia Kessler im Rahmen der Reihe IngenieurINNENwelten

"Es ist schön, wieder hier zu sein." Zu Gast bei der Veranstaltungsreihe IngenieurINNENwelten war jetzt Prof. Dr. Julia Kessler. Sie hat an der FH Aachen studiert und promoviert, seit 2022 ist sie Professorin für Additive Fertigung an der Hochschule Niederrhein. In ihrem Vortrag ermutigte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer, dem eigenen Weg zu folgen und Chancen konsequent zu nutzen: "Wenn man an sich selbst glaubt, kann man alles erreichen."

Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag

Bei IngenieurINNENwelten erzählen Frauen von ihren Erfahrungen aus der männerdominierten Welt der Technik und Wissenschaft. Sie sprechen über Herausforderungen, Chancen, Lektionen wie Anekdoten ihres Arbeitsalltages, um insbesondere Studierenden Einblicke und Inspiration mit auf den Weg geben zu können. Veranstaltet wird die Reihe von den Fachbereichen Luft- und Raumfahrttechnik sowie Maschinenbau und Mechatronik, Organisatorinnen sind Prof. Dr. Andrea Upmann und Dipl.-Ing. Katrin Brittner.

Mathe als Herausforderung

"In meiner Jugend habe ich das klassische Rollenmodell erlebt. Wenn bei uns etwas kaputtgegangen ist, haben meine Eltern meinen Bruder gebeten, das zu reparieren." Julia Kessler berichtete in ihrem Vortrag von ihrem Werdegang: Der Weg zum "Dr.-Ing." und zu einer Professur im Maschinenbau sei nicht vorgezeichnet gewesen. Eigentlich wollte sie als Jugendliche Tierärztin werden, aber nach reiflicher Überlegung habe sie sich nach dem Abitur schließlich für ein Bachelorstudium der Biomedizinischen Technik am Campus Jülich entschieden. "In der Schule hatte ich große Probleme in Mathe", erzählt sie, und so sei ihre Entscheidung, ein ingenieurwissenschaftlich-technisches Studium aufzunehmen, auch auf Skepsis bei Verwandten und Freunden gestoßen. Auch im Studium habe sich Mathematik als hartnäckiger Gegner erwiesen. "Für die Klausurvorbereitung habe ich mich regelrecht zu Hause eingesperrt und nach einem genauen Plan gelernt", berichtet sie, und dank dieser Disziplin habe sie auch diese Hürden überwunden.

Additive Fertigung ist eine Zukunftstechnologie

Für den Master Produktentwicklung wechselte sie an den Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik, und es sei vor allem das Thema der additiven Fertigungsmethoden – umgangssprachlich 3-D-Druck – gewesen, das sie begeistert habe. Eine große Rolle spielte dabei Prof. Dr. Andreas Gebhardt, der ehemalige Dekan des Fachbereichs, der dieses Lehr- und Forschungsgebiet mit viel Energie und Geschick an der FH etablierte und der deutschlandweit zu den führenden Experten in diesem Bereich zählt. Additive Fertigungsmethoden ebnen dank ihrer Flexibilität den Weg zur Industrie 4.0. Die Technologie hat großes Entwicklungspotenzial, oft ist aber unklar, welche Geräte für ein Unternehmen geeignet sind, wie sie optimal eingesetzt werden können und wie man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen kann. Um ein Beratungsangebot für Unternehmen zu schaffen, gründete Julia Kessler während ihrer Promotion gemeinsam mit Andreas Gebhardt das Institut für werkzeuglose Fertigung (IwF), ein An-Institut der FH Aachen, dessen Geschäftsführerin sie heute noch ist.

GoetheLab aufgebaut

Während ihrer Zeit am Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik war Julia Kessler entscheidend am Aufbau des "GoetheLab for Additive Manufacturing" beteiligt. In diesem Labor können die Studierenden ihr Wissen in anwendungsnahen Projekten testen und erweitern. Die Teamarbeit im GoetheLab sie für sie eine prägende Erfahrung der Jahre an der FH gewesen. In dieser Zeit schnupperte sie auch das erste Mal in die Hochschullehre hinein, was ihr jetzt in ihrer neuen Position als Professorin an der Hochschule Niederrhein zugutekommt.

Hohes Maß an Eigenmotivation

In ihrem Vortrag ermutigte Prof. Kessler die Studierenden: "Man braucht Mut und manchmal etwas Glück, um seinen eigenen Weg zu gehen. Aber man muss es versuchen." Die Hochschule liefere die Anreize, aber es sei ebenso ein hohes Maß an Eigenmotivation nötig, um sich mit Themen vertieft auseinanderzusetzen.

Die nächsten Vorträge

  • Mittwoch, 8. November 2023, 18 bis 19 Uhr:  Dr.-Ing. Johanna Holsten, Geschäftsführerin der FlyXdrive GmbH, ehemals Lehrstuhl und Institut für Flugsystemdynamik der RWTH Aachen, Vortrag "Unbemannte Flugsysteme, Geschäftsführung und Familie: Eine Ingenieurin berichtet"
  • Mittwoch, 22. November 2023, 17 bis 18 Uhr: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Katharina Schmitz, Leiterin des Lehrstuhls und Instituts für fluidtechnische Antriebe und Systeme der RWTH Aachen, Vortrag „Master / Promotion – lohnt sich das?"