Clay-Modelling

Alles andere als outdated

Design ist schnelllebig und die verschiedenen Anwendungswege, um zu seinem Ziel zu kommen, wandeln sich ständig. Das Clay-Modelling ist dem Design jedoch stetig erhalten geblieben. Clay, also eine Masse aus Wachs und Mineralstoff, erlaubt das einfache Hinzufügen und Abtragen von Material und erleichtert auf diese Weise den Schöpfungsprozess. Doch was steckt noch dahinter?

Analog trifft digital

Unser Fachbereich hat es sich zur Aufgabe gemacht, Clay-Modelling weiter auszubauen, da ihm eine enorme Wichtigkeit inne liegt. Dafür sorgt vor allem an die Haptik dieses Handwerks. Digitales Erstellen von Modellen bietet nur auf den ersten Blick einen Ersatz zum haptischen Modellieren. Für den Lernprozess und das finale Produkt ist es unabdingbar, auch physisch mit dem Entworfenen zu interagieren. Dieser Weg erlaubt ein viel besseres Verständnis. Dennoch kommt man in den letzten Jahren nicht um digitale Tools herum, die weniger als Ersatz und mehr als Schnittstelle dienen. Gravity Sketch bietet dafür eine hervorragende Plattform. Dies ist eine recht neue Software, die mithilfe von VR-Brillen Räume 1:1 abbildbar macht. Es kann aber auch in jedem anderen Maßstab gearbeitet werden. Studierende haben so direkt die Möglichkeit, ein Gefühl für das Produkt zu entwickeln. Die Mischung der digitalen und analogen Tools hat sich bereits als sehr gewinnbringend erwiesen.

Eine besondere Möglichkeit

Die Studierenden bekommen im Rahmen einer Übung ein Semester lang die Chance, selber mit Clay zu experimentieren und neue Wege im Entwurfsprozess zu lernen. Sie erfahren, was alles mit Clay möglich ist und wie sie kreativ damit umgehen können. Die Begeisterung der Studierenden ist hoch, denn der Einstieg ist leicht und man kann relativ schnell zu guten Ergebnissen kommen. Clay findet auch heute noch Verwendung in der Industrie und spielt in jedem Gebrauchsgut irgendwann eine Rolle. Die Studierenden kriegen somit einen optimalen Einblick für das Handwerk.

Umschwung im Mobilitätsdesign

Der Paradigmenwechsel machte nicht an den Design Tools halt. Auch das Mobility Design änderte sich im Laufe der Jahre und der Mensch rückte in seinen Mittelpunkt. Der Nutzen und das Umfeld, in das sich das Produkt fügt, spielen nun eine sehr zentrale Rolle. Im Gegensatz zum Industrial- oder Automotive Design, wird im Mobilitätsdesign über den eigentlichen Verkehrsträger hinausgedacht, was eine hohe Komplexität und Verantwortung mit sich bringt. Damit hat sich auch unser Studierender des Produktdesigns, Fabian Berger, im Zuge seiner Bachelorarbeit besonders tiefgehend beschäftigt.

Ein Profi am Werk

Fabian ist bereits ein Profi-Modelleur bei Ford, der nach seiner jahrelangen Erfahrung im Clay-Modelling im Rahmen des Moduls Modelltechnik eine Präsentation der Design- und Verarbeitungstechniken des Werkstoffs Clay abgehalten hat. Dabei hat er seine Abschlussarbeit des Bachelorstudiums vorgestellt. Für seinen Bachelorabschluss hat er ein Konzept für die Mobilität der Zukunft entwickelt, wie eben auch ein dazu passendes Claymodell und eine digitale Ausarbeitung des Fahrzeugs zur besseren Vorstellung der Wirklichkeit. Nach seinem Standpunkt wird es die Privatnutzung von Fahrzeugen weiterhin geben, es stellt sich nur die Frage, in welchem Rahmen. Unser Studierender kann sich autonomes Fahren auf längeren Strecken auf Autobahnen gut vorstellen und hat dementsprechend sein Modell dahingehend entwickelt. Bei dem Entwurf fließen viele äußere Faktoren, wie Nachhaltigkeit und Komfort, mit ein. All das hat er für sein Konzept bedenken müssen. An dem 250kg-schwerem Modell demonstrierte er live die plastischen und zerspanenden Modelierprozesse, um das Exterior Design in iterativen Schritten zu entwickeln.

Die Studierenden konnten durch die Veranstaltung zusätzlich sehr anschaulich die entwurfsunterstützenden Potenziale des Clay-Modellings in Theorie und Praxis erfahren. Clay Modelling ist somit alles andere veraltet, sondern findet auch heute noch einen wichtigen Platz im Designstudium wie auch in der Industrie.  

Abschluss in der Tasche

Fabian hat seine Bachelorarbeit mittlerweile abgegeben und ist sehr stolz und froh über seinen Abschluss. Vorerst will er bei Ford als Claymodelleur angestellt bleiben, würde aber bald auch gerne seine Fähigkeiten als ausgebildeter Designer unter Beweis stellen. Die Clay-Modelling Workshops und Vorträge möchte er auf jeden Fall weiterhin abhalten und vielleicht auch irgendwann der Tätigkeit eines Lehrenden nachgehen. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!