pro8 2025
Eine Woche lang kreisten die Gedanken um das Karussell der Teilchen
Studierende des Fachbereichs Maschinenbau und Mechatronik der FH Aachen hatten im diesjährigen Teamprojekt pro8 ein kniffliges technisches Problem zu lösen.
Lösungen für technische Probleme zu finden ist die Aufgabe von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Jedes Jahr werden im Projekt pro8 des Fachbereichs Maschinenbau und Mechatronik der FH Aachen Studierende, die sich im Bachelorstudium des Maschinenbaus, der Mechatronik oder des Wirtschaftsingenieurwesens befinden, mit einer neuen technischen Fragestellung herausgefordert. Diese kommt jedes Jahr von einem anderen Unternehmen und das technische Problem ist ein real existierendes. Frische Ideen werden gesammelt und durch das unvoreingenommene Neudenken entstehen mitunter Impulse für praxistaugliche Lösungen. Das Unternehmen gewährleistet den Studierenden wertvolle Einblicke in die berufliche Praxis und kann sich dem Ingenieurnachwuchs als potentieller Arbeitgeber vorstellen. Auch zwei Gruppen mit Schülerinnen und Schülern aus Aachener Schulen beteiligen sich mit an dem Projekt und erhalten Einblicke in das Hochschulleben, die wegweisend sein können für die spätere Berufswahl.
Prof. Kristian Arntz, Leiter des Projekts pro8 und Dekan des Fachbereichs Maschinenbau und Mechatronik der FH Aachen, fand dieses Jahr für pro8 einen Kooperationspartner, der gerne die Brücke zwischen akademischer Ausbildung und praktischer Forschung stärkt und mithilft, Nachwuchskräfte aufzubauen: CERN, das europäische Forschungsunternehmen, bekannt für seine gigantischen Teilchenbeschleunigeranlagen.
Das Problem, das die Studierenden dieses Jahr lösen sollten, lautete in vereinfachter Form in etwa so: Wie kann man, z.B. bei Wartungsarbeiten an einer technischen Anlage, ein Bauteil auf engstem Raum möglichst effizient austauschen ohne dabei das empfindliche neue Ersatzteil zu beschädigen? Und die Frage, auch wenn sie recht trivial klingt, erwies sich als sehr komplex. Die verwendeten Materialien müssen beständig sein gegen Radioaktivität. Die Radioaktivität wiederum bedingt, dass das gesamte Handling beim Austausch der Baueinheiten remote, also von außen gesteuert erfolgen muss. Der Arbeitsraum in der Station des Beschleunigers ist außerdem sehr eng und begrenzt. Beschädigungen der neuen Ersatzmodule (sogenannte VAX Module) durch Kollisionen mit anderen Anlagenelementen sind beim Absenken in die Zielposition zu vermeiden. Weil der Arbeitsraum eng dimensioniert ist, können auch nicht viele verschiedene oder beliebig große Tools verwendet werden. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die elektrischen Schaltkreise der VAX-Module nach dem Absenken funktionieren und Signale weiterleiten können. Und um das Ganze noch ein klein wenig komplexer zu machen, liegen die Komponenten nicht horizontal im Tunnel, sondern um einen ganz kleinen Winkel geneigt – der sich aber als entscheidend erwiesen hat. Zudem war ein Ablaufplan zu erstellen, der den Absenkprozess beschreibt.
Zur Lösung der technischen Fragestellung hatten die Studierenden nur eine Woche Zeit. Sie arbeiteten dabei in einzelnen Gruppen, die aufgrund von zuvor absolvierten Persönlichkeitstests „gut gemischt“ zusammengesetzt wurden. Das klingt nach Stress und Ärger? Nicht, wenn das Team gut zusammenarbeitet und Diskussionen sachlich geführt werden. Dafür sorgen während der Projektwoche Studierende der Katholischen Hochschule Aachen (KatHo), die Soziale Arbeit studieren und vorher ein Coaching-Seminar belegt haben. Jede Gruppe bekommt einen Team-Coach, der auf den sozialen Umgang und die Arbeitsverteilung in der Gruppe achtet. Außerdem noch einen Fach-Coach. Das sind entweder Studierende aus einem höheren Semester oder Masterstudiengang, die am Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik studieren und darauf achten, dass die technische Lösung realisierbar ist und die technischen Rahmenbedingungen eingehalten werden.
Nur im Team lassen sich große Projekte unter Zeitdruck erfolgreich abwickeln. Ziel des Projekts pro8 ist es auch, den zukünftigen Ingenieurinnen und Ingenieuren wichtige soziale Kompetenzen zu vermitteln, damit sie die Basis für eine erfolgreiche Teamarbeit bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Studium lernen. „Das erhöht nicht nur den Erfolg im Studium, sondern wappnet sie auch gut für das spätere Berufsleben“, sagt Prof. Arntz.
Weil das Projekt pro8 des Fachbereichs Maschinenbau und Mechatronik der FH Aachen all diese verschiedenen Facetten einer guten ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung bedient und es ein tolles Gemeinschaftsprojekt zwischen Hochschulen und Unternehmen ist, wurde es 2022 in Berlin mit dem Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung auf dem Deutschen Arbeitgebertag (DAT) ausgezeichnet.
Über eine Jury und eine Direktwahl durch das Publikum, das aus allen am Projekt beteiligten Studierenden und Beschäftigten des Fachbereichs, von CERN, den Coachs der Katholischen Hochschule und ANTalive als schulischen Projektförderer bestand, wurde das Siegerteam mit dem besten Lösungsvorschlag ermittelt. Gewonnen hat die Gruppe 10: Herzlichen Glückwunsch an Aloysius, Christopher, Elyes, Joël, Johannes, Leonard und Marius!
CERN hat das Gewinnerteam und den Projektleiter Prof. Arntz zu einem Besuch im Forschungszentrum in der Schweiz eingeladen, wo sie natürlich nur einen Teil der riesigen Teilchenbeschleunigungsanlage ansehen können. Was definitiv sehr interessant wird. Gibt es eigentlich schon Zeitbeschleuniger?
pro8 Kooperationsprojekt
Die pro8 Projektaufgabe 2025 wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeitspaket 8 des CERN-Projekts „High-Luminosity LHC“ durchgeführt. Das pro8 Siegerteam und pro8 Organisationsteam wurde im September 2025 vom HL-LHC Work Package 8 Team zu einem Besuch im CERN Forschungszentrum eingeladen.