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BA in Boston, Massachusetts, USA, 01.04.12 – 20.09.12

 

 

Auf einen Blick

Was wurde im Ausland durchgeführt? Praxisprojekt, Bachelorarbeit
Firmenstandort, Land: Boston, Massachusetts, USA
Homepage der Firma: www.fhcmi.org/
Vorname und Name des Autors: Christian Staudt
Studiengang  an der FH Aachen, Fachbereich: Maschinenbau Bachelor
Beginn und Ende des Auslandsaufenthalts: 01.04.12 – 20.09.12
In welchem Fachsemester haben Sie das Praxisprojekt bzw. die Bachelorarbeit durchgeführt: 8
Name des Betreuers der Projekt-/Bachelorarbeit an der FH: Prof. Klocke

Vorbereitungen

  • Wann haben Sie mit den Vorbereitungen begonnen? August 2011
  • Wie erfolgte die Kontaktaufnahme zum Arbeitgeber? Über das Fraunhofer IPT und Frau Prof. Klocke.
  • Wie lange dauerte das Bewerbungsverfahren und welche Unterlagen wurden benötigt? In meinem Fall dauerte das Bewerbungsverfahren ca. 2 Monate, dies mag aber von Fall zu Fall sehr stark variieren, bei anderen Studenten hat es länger gedauert, und bei wieder anderen ging es sehr schnell. Generell gilt: Je früher die Bewerbung, desto höher die Erfolgsaussicht.
    Benötigte Unterlagen:
    - Lebenslauf (CV - amerikanisches Format)
    - Anschreiben (cover letter)
    - Notenspiegel / Zeugnisse
  • Benötigten Sie ein Visum und wenn ja, mussten Sie sich das selbst organisieren oder hat es der Arbeitgeber für Sie beantragt? Das J-1 (Studentenvisum) für die USA wird benötigt. Der Arbeitgeber (das CMI) stellt einem die nötigen Unterlagen zur Verfügung, und dann muss man auf der amerikanischen Botschaft (Frankfurt, Berlin oder München) einen Termin machen. Zur Beantragung des Visums sind einige Unterlagen im Vorfeld auszufüllen und Gebühren für das Visum zu bezahlen (wenn ich mich recht erinnere ca. 130€). Ihr solltet sicherstellen, dass ihr wirklich alle benötigten Unterlagen auch auf die Botschaft mitbringt, da ihr sonst das Visum nicht bekommt.
  • Nützliche Tipps oder weiterführende Infos zur Vorbereitung: Die Beantragung des Visums ist der größte Aufwand im Bewerbungsverfahren. Wie schon erwähnt, eine frühe Bewerbung erhöht die Chancen, einen Platz zu bekommen. Das CMI stellt insgesamt 8 Plätze für Praktikanten zur Verfügung.

Finanzielles

  • Erhielten Sie Fördermittel zur Finanzierung des Auslandsaufenthalts? Wenn ja, welche? Nein.
  • Erhielten Sie eine Entlohnung vom Arbeitgeber? Das CMI zahlt einem $1000 im Monat. Davon gehen $600 in die Miete. Fraunhofer hat 2 Appartements mit je 4 Schlafzimmern in Boston angemietet, die beide gut ausgestattet sind. Hier gilt noch zu erwähnen, dass die Mietpreise in Boston in der Regel sehr, sehr hoch sind, und $600 ein wirklich guter Deal für die Wohnung ist. Die restlichen $400 reichen für Nahrungsmittel, das war es aber auch schon. Die Lebenshaltungskosten sind in Amerika etwas höher als in Deutschland, ihr solltet also etwas Geld gespart haben oder einen sonstigen Zuschuss bekommen, sonst wird’s eng.
  • Wie hoch waren ungefähr die Anreisekosten in das Gastland? Ich habe für meinen Flug 500€ (hin und zurück) von Düsseldorf über London nach Boston gezahlt. Durfte kostenlos meine Kitesurf-Ausrüstung mitnehmen (Virgin Atlantic). Die Flugpreise in die USA variieren aus eigener Erfahrung sehr stark, und ihr solltet auf Angebote der Airlines achten.
  • Wie hoch sind ungefähr die Lebens- und Wohnkosten im Gastland? Die Lebenshaltungskosten in den USA/Boston sind geschätzt ca. 30-50% höher als in Deutschland. Lebensmittel sind generell teurer als man es gewohnt ist. Die Mieten in amerikanischen Städten sind viel höher als in Deutschland (Aachen). Auch an die Bier- und Drinkpreise muss man sich erst einmal gewöhnen. Es gibt aber durchaus auch studentische Bars und Kneipen, die einem das Leben einfacher machen.
    Das Wochenticket für den Nahverkehr (Bus, U-Bahn) kostet $18, oder $60 für eine Monatskarte. 
  • Mussten Sie eine zusätzliche Krankenversicherung abschließen? Wenn ja, welche und zu welchen Kosten? Irgendwelche Tipps dazu? Fraunhofer setzt den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung voraus, die bestimmte Kriterien erfüllen muss. Ich war bei ADAC versichert, das hat einschließlich einer ADAC-Jahresmitgliedschaft etwas mehr als 180€ gekostet. Man konnte sich aber Geld „zurückholen“, da der ADAC eine Partnerschaft mit seinem amerikanischen Pendant (AAA) hat, und man dadurch bei vielen Museen oder Sehenswürdigkeiten Ermäßigungen bekommt.
  • Sind weitere Versicherungen notwendig? Außer der Krankenversicherung, die in den USA aufgrund des schlechten Gesundheitssystems unbedingt (!) notwendig ist, hatte ich keine weiteren Versicherungen.

Vor Ort

  • Welche Formalitäten waren nach der Ankunft zu erledigen? Nichts weltbewegendes, ein paar von den anderen Praktikanten holen einen in der Regel vom Airport ab, und man fährt in das Appartement und bezieht sein Zimmer.
  • Wie gestaltete sich die Wohnungssuche (half Ihnen der Arbeitgeber bei der Vermittlung einer Unterkunft oder gibt es evtl. hilfreiche Vermittlungsstellen)? Wie bereits erwähnt, stellt Fraunhofer CMI 2 Appartements in Boston zur Verfügung. Beide haben je 4 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad, Internet, TV, eine gute Nahverkehrsanbindung (U-Bahn, Bus) und es lässt sich dort gut aushalten. Kein 5 Sternehotel erwarten, aber es ist definitiv auch keine billige Absteige. Wenn man mit normalen studentischen Ansprüchen in die Wohnung geht, wird man keine Probleme haben. Falls mal was kaputt ist oder nicht funktioniert, repariert der Vermieter das Problem umgehend. Wir hatten z.B. eine komplett neue Küche bekommen, ohne danach gefragt zu haben.
  • Wo sollte man am besten wohnen? In den Fraunhofer-Appartements ;-)
  • Wie sind die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort? Sehr gut, jede Menge Supermärkte bei beiden Appartements direkt um die Ecke. Ich kann nur absolut empfehlen, sich ein billiges Fahrrad auf Craigslist oder einem vergleichbaren Portal zuzulegen, da es sehr, sehr bequem ist, die Autofahrer viel Rücksicht auf einen nehmen und man viel schneller ist als der normale Verkehr. Die Rush Hour ist die Hölle ;-).
  • Was ist billig bzw. teuer im Gastland? Eigentlich ist alles etwas teurer als in Deutschland, der Wechselkurs hilft einem doch etwas weiter. (Für meine 6 Monate war der in der Regel 1,3$ für 1€).  Aber die wichtigsten Punkte habe ich zuvor eigentlich schon erwähnt.
  • Wie weit wohnten Sie von der Firma entfernt und wie gestaltete sich der tägliche Weg zur Arbeitsstelle? Hm, ich würde schätzen, dass beide Appartements ca 1.5 – 2,5 km vom CMI entfernt sind. Ich bin mit dem Fahrrad etwa 10-15 min zur Arbeit gefahren. Mit der U-Bahn dauert es etwa 20-25 min, kann morgens auch schon mal etwas voller werden.
  • Was können Sie über den Firmenstandort sagen? Welche Freizeitmöglichkeiten / Ausflugsmöglichkeiten / touristische Attraktionen gibt es vor Ort? Boston ist eine Stadt mit einer unfassbar hohen Lebensqualität und unzähligen Freizeitangeboten. Die Stadt hat einen sehr europäischen / britischen Charme, mit vielen alten Backsteingebäuden (alt für amerikanische Verhältnisse ;-) ) Aber definitiv anders als alle anderen amerik. Großstädte, die ich erlebt habe. Aufgrund seiner tragenden Rolle im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, ist Boston ein zentraler Ort für das Nationalverständnis der Amerikaner. Der „Freedom trail“ ist ein Backsteinweg, der quer durch die Stadt an allen historischen Einrichtungen vorbei führt und durch den man einen super ersten Eindruck von Boston bekommt. Weiterhin ist Boston eine „walking city“, sprich, ihr könnt in der Innenstadt wirklich das Meiste gut zu Fuß erreichen.
    Auch wenn ihr mal etwas Strandurlaub machen wollt, ist Boston super. Die U-Bahn fährt bis nach Revere Beach, einem ca. 10 km langen Sandstrand direkt an der Stadtgrenze. Ansonsten ist Cape Cod direkt um die Ecke (1,5h per Auto), das bekannt ist für seine wunderschönen Strände.
    Außerdem sind viele andere Ausflugsziele und Großstädte super per Wochenendtrip zu erreichen (NYC – 15$ mit dem Bus, Niagra Falls, Washington, Arcadia National Park etc.) In beiden Appartements liegen aber in der Regel genug Infomaterial und Reiseführer herum, um sich ausgiebig zu informieren. Die anderen Praktikanten sind normal auch immer dabei, wenn es darum geht, Ausflüge zu planen.
  • Gibt es besondere Gebräuche/Sitten bei den Einheimischen und was ist ein absolutes Tabu? Die amerikanische Kultur ist unserer ziemlich ähnlich, von daher gibt es keinen großen Umstellungen. Sind halt mehr Kleinigkeiten, die anders sind, aber das sollte jeder selbst für sich herausfinden. Amerikaner sind schlechte Autofahrer ;-)

Über den Arbeitgeber

  • Beschreiben Sie kurz das Unternehmen! Das Fraunhofer CMI ist ein kleines Unternehmen, dass viele Projekte im Bereich des Sondermaschinenbaus durchführt. Man darf sich das Institut nicht wie ein deutsches Fraunhofer vorstellen, d.h. es wird nur sehr wenig tatsächliche Forschung betrieben. Aufgrund der Tatsache, dass auch Biolabore im Haus sind, haben viele Projekte immer einen Bezug zum Bio-Engineering (z.B. dass ein Prozess aus dem Labor auf einer Maschine in einen größeren Maßstab umgesetzt werden soll, um ihn wirtschaftlich nutzen zu können). Die Projekte sind in der Regel interessant und man ist gut in die Projektgruppen eingeschlossen.
  • In welcher Abteilung arbeiteten Sie? Das Fraunhofer hat aufgrund seiner Größe keine richtigen „Abteilungen“. Dort wird eher zwischen mechanical engineers und bio engineers unterschieden. Ich bin mechanical engineer.
  • Gab es irgendwelche erwähnenswerte Besonderheiten? Nicht wirklich, am Arbeitsplatz ist es „verboten“ deutsch zu reden, für jedes deutsche Wort muss man einen Donut für die anderen Praktikanten kaufen. Aber da es sich um ein amerikanisches Unternehmen handelt, ist das auch eigentlich nicht weiter besonders, da Englisch ihre Geschäftssprache ist.
  • Thema Ihrer Bachelorarbeit: Ich habe eine Erntemaschine für genmanipulierte Tabakpflanzen entwickelt. Die Pflanzen werden zur Gewinnung eines Malariaimpfstoffes benötigt.
  • Wurde das Thema der Projektarbeit/Bachelorarbeit vom Unternehmen vorgegeben oder konnten Sie es selber wählen? Ich wusste, dass ich in dem Projekt eingesetzt bin, und hab mir mein Thema mehr oder weniger selbst gesucht. Ich war aber der Einzige, alle anderen haben Themen bekommen, wenn sie danach gefragt haben.
  • Wie viele Stunden betrug Ihre durchschnittliche Arbeitszeit? Jeden Tag von 9:00-17:30, Freitags von 9:00-17:00. Mittagspause von 12:00-13:00.
  • Sonstige Anmerkungen zum Praxisprojekt / zur Bachelorarbeit: Hm, wenn ihr weitere Fragen habt, könnt ihr gerne auf mich zukommen.

Schlussbetrachtungen - Fazit

  • Wie bewerten Sie Ihren Auslandsaufenthalt insgesamt? Sehr gut, das Auslandssemester hat mich sehr viel weitergebracht, auch wenn das Fachliche etwas anders war wie erwartet. Aber ich würde es jeder Zeit wieder tun und kann es nur empfehlen, ans CMI zu gehen. Arbeiten in den USA ist etwas anders als in Deutschland, aber wenn man sich daran gewöhnt hat, sollte es keine Probleme geben. Das Team ist super nett und hilfsbereit, und Boston ist eine unfassbar gute Stadt.
  • Was waren die Höhen- und Tiefpunkte des Aufenthalts? Tiefpunkt? Hatte ich keinen.
    Highlites gab es unzählige, viel zu viel um aufzuzählen. Fraunhofer CMI veranstaltet jeden Sommer ein „summer outing“, wo man einen ganzen Tag an einem See in New Hampshire verbringt. BBQ, wakeboarden, speedboat fahren waren nur einige der Aktivitäten ;-)
    Ansonsten sind Wochenendtrips immer ein Erlebnis, und man wird mit den anderen Praktikanten vor Ort sehr viel Spaß haben, wenn man aufgeschlossen und aktiv ist.
  • Was wird unvergessen bleiben? Da ich gerne Kitesurfe, werden die Kitesurfwochenenden auf dem Wasser an Cape Cod immer ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Weiterhin mache ich sehr gerne Sport, und das Angebot ist riesig. Ich bin noch einen Berghalbmarathon gelaufen (was hat mich da nur geritten?), der wird sicher „unvergessen“ bleiben. Über die Boston University kann man einen Segelkurs für insgesamt ca. $85 machen (10 Termine, also quasi geschenkt). Segeln auf dem Charles River mit der Boston Skyline im Hintergrund war auch sicher ein riesiges Erlebnis.
  • Welchen Rat möchten Sie anderen Studierenden mit auf den Weg geben, die ihr Praxisprojekt bzw. die Bachelorarbeit im Ausland durchführen möchten? Bleibt einfach immer entspannt, macht euch selbst nicht wegen Kleinigkeiten verrückt, und geht mit einer offenen Einstellung nach Boston. Ihr solltet aktiv sein, und alles, was ihr nur irgendwie könnt, an Aktivitäten mitnehmen.
    Dann wird das schon :-)

Kontakt

  • Dürfen interessierte Studenten Sie kontaktieren?  Ja, ich helfe bei allen Fragen gerne weiter (ich war ja mal selbst in der Position).
  • Kontakt am besten: per E-mail (siehe Adresse unten)

Fotos

E-Mail Adresse

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